thumbnail Hallo,

Vier Neuzugänge: Hannovers Suche nach Stabilität

Viermal hat 96 auf dem Transfermarkt zugeschlagen, um die wacklige Defensive zu stabilisieren. Wirklich gefunden hat sich der neue Abwehrverbund noch nicht - trotz guter Ansätze.

Hannover. Um die Schwachstelle bei Hannover 96 auszumachen, genügt ein Blick auf die Tabelle: Mit 37 Gegentreffern stellen die Niedersachsen die zweitschlechteste Defensive der Bundesliga, lediglich die TSG Hoffenheim fing sich mehr Tore. Das war auch den Verantwortlichen nicht entgangen, und so entschied man sich, die Abwehr durch Winter-Neueinkäufe zu verbessern.

Vom FC Arsenal wurde Johan Djourou ausgeliehen, von Standard Lüttich kam Sebastien Pocognoli und vom MSV Duisburg der 19-Jährige Andre Hoffmann. Zudem holte man Franca aus Brasilien von Esporte Clube Noroeste.

Die Eindrücke aus den ersten beiden Spieltagen nach der Winterpause waren nicht wirklich beruhigend. Beim FC Schalke 04 fing 96 sich fünf Gegentore, gegen den VfL Wolfsburg trotz Unterzahl zwar nur eins - ließ aber sieben Chancen für den VW-Klub zu.

Spektakuläre Rettungsaktion

Einer, der in beiden Partien zum Einsatz kam, war Innenverteidiger Djourou. In Gelsenkirchen zeigte der Schweizer einen mäßigen Auftritt, etwas besser lief es gegen Wolfsburg. Gegen den VfL zeigte der 26-Jährige eine spektakuläre Rettungsaktion, als er kurz vor der Halbzeitpause beim Stand von 2:0 den Ball per Fallrückzieher von der Linie kratzte - und so auch mit dafür verantwortlich war, dass 96 die Partie mit 2:1 für sich entschied.

„Das war die einzige Option, die ich hatte“, erinnerte sich Djourou nach Spielschluss an die Szene zurück. „Ich musste das Tor verhindern, unmittelbar vor der Halbzeit will man keinen Treffer mehr kassieren. Ich hatte das Glück, dass ich noch vor der Linie retten konnte - das sind die Dinge, auf die es ankommt.“

Djourou zufrieden

Genauso kam es darauf an, dass Hannover letztlich die drei Punkte einfahren konnte, hatte 96 doch zuvor drei Niederlagen in Folge kassiert. Nach Meinung von Djourou stimmte nicht nur das Ergebnis: „Insgesamt können wir mit unserer Leistung zufrieden sein. Als Team haben wir gut verteidigt.“ In der Tat ist es bemerkenswert, dass Hannover in Unterzahl den Vorsprung über die Zeit bringen konnte.

Dennoch muss sich die 96-Defensive sicherlich noch steigern - das gilt auch für Djourou. Die Arsenal-Leihgabe deutete zwar nicht nur bei der erwähnten Rettungstat an, dass er dem Team von Mirko Slomka durchaus weiterhelfen kann, leistete sich aber auch immer wieder Wackler. So trat er im zweiten Durchgang in gefährlicher Position fast anfängerhaft über den Ball, zuvor traf er um ein Haar ins eigene Tor. Derartige Unachtsamkeiten gilt es abzustellen - umso mehr, da Innenverteidiger Mario Eggimann aufgrund eines Knöchelbruches vorerst ausfällt.

Pocognolis Kurzauftritt

Vorerst nicht zur Verfügung stehen wird auch Linksverteidiger Sebastien Pocognoli. Der flog gegen Wolfsburg bei seinem Debüt für 96 nach 34 Minuten vom Platz, weil er ungestüm in Gegenspieler Fagner ging und ihn mit dem gestreckten Fuß in den Bauch traf - die Folge: eine Rote Karte und drei Spiele Sperre.

Böswillig war das wohl nicht, eine übermotivierte Aktion allemal. Slomka zeigte sich fast mitfühlend: „Ganz bitter für ihn, weil er eigentlich ein ganz stabiler und ganz sauberer Spieler ist, der so etwas überhaupt nicht braucht und auch nie so gemacht hat.“ In der halben Stunde zuvor zeigte der Belgier allerdings vielversprechende Ansätze.

Die zeigte auch Andre Hoffmann, der auf Schalke zu einem Kurzeinsatz kam und gegen den VfL über die volle Distanz spielen durfte. Slomka bescheinigte ihm „ein tolles Bundesliga-Debüt auf der Sechserposition. Ganz ruhig, mit großer Gelassenheit gespielt und die Kontrolle behalten. Das hat uns recht gegeben, die Verpflichtung schon in der Winterpause und nicht erst im Sommer zu tätigen. Damit sind wir sehr glücklich.“

Zeit ist knapp

Noch nicht ganz so weit wie die übrigen drei Neuverpflichtungen ist unterdessen Franca, der unter Angabe einer falschen Körpergröße nach Hannover transferiert worden war und neun Zentimeter kleiner als angekündigt ist. Der defensive Mittelfeldmann wurde am Mittwoch in der zweiten Mannschaft Hannovers eingesetzt und verletzte sich prompt am Knie, eine genaue Diagnose steht noch aus.

Eine abschließende Diagnose kann auch bei der Bewertung der 96-Neuzugänge noch nicht erfolgen. Fakt ist: Die gewünschte Stabilität in der Defensive hat man noch nicht gefunden. Dennoch kann man sich in Hannover durchaus Hoffnungen machen, dass der Abwehrverbund sicherer wird, wenn die Akteure sich besser aufeinander abstimmen und an der Feinjustierung arbeiten. Ob das gelingt, wird die Zeit zeigen - viel hat man davon allerdings nicht.

Folge Claas Philipp auf

EURE MEINUNG: Hat 96 im Winter die richtigen Leute gekauft?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig