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Bayern rollt, die Null steht: „Das waren drei wichtige Punkte“

Glanz-, aber vor allem auch Gegentorlos: Mit dem Pflichtsieg in Stuttgart baut der FC Bayern seinen Vorsprung an der Tabellenspitze aus - und jagt den eigenen Defensivrekord.

Stuttgart. Karl-Heinz Rummenigge wirkte zufrieden und gelassen: „Die erste Halbzeit war schwierig, die zweite dann souveräner“, resümierte der Bayern-Boss den Spielverlauf gegen den VfB Stuttgart zufrieden. Mit zwei vergleichsweise biederen 2:0-Pflichtsiegen in Fürth und Stuttgart haben die Bayern scheinbar unbeeindruckt auf die 8:0 Tore geantwortet, mit denen der BVB in die Rückrunde gestartet ist, und den Abstand auf die Verfolger aus Leverkusen und Dortmund dabei weiter auf elf bzw. zwölf Punkte ausgebaut. „Das waren drei wichtige Punkte“, schob Rummenigge vermutlich deswegen hinterher und lächelte. Wichtiger als ein Torspektakel war dem Rekordmeistern wohl die Erkenntnis, dass die Defensive in meisterlicher Form ist.

Defensive als Schlüssel - Van Buyten: „Wir mussten hart arbeiten“

Dabei hatten die Gastgeber ihr Mögliches getan. Um den Bayern nicht allzu früh zum nächsten Erfolgserlebnis auf schwäbischem Boden zu verhelfen, überließ der VfB dem Gegner das Spielgerät und verlegte sich auf frühes Attackieren. Eigene Konterversuche fanden konkret aber nur im ersten Durchgang statt: Tascis langer Ball erreichte Harnik (14.), an dessen Hereingabe im Zentrum Freund und Feind vorbei rutschten. Okazakis Schuss (27.) und Harniks Kopfball (35.) nach gut ausgespielten Kontern sorgten kurz für Gefahr, danach verebbten die Stuttgarter Angriffsbemühungen. „Wir mussten in der ersten Hälfte hart arbeiten“, bemerkte Daniel van Buyten später, während es Offensivspieler Thomas Müller naturgemäß anders formulierte: „Wir waren geduldig.“

Ob der kompakten VfB-Gegenwehr tat der Rekordmeister vorerst nur das Nötigste, erste Gelegenheiten ergaben sich durch Standards: Dantes Kopfball (11.) nach einer Ecke und Alabas zu hoch angesetzter Freistoß (24.) blieben neben einem schwachen Schuss Riberys (10.) die einzigen Abschlüsse, zu denen die Bayern im letzten Spielfelddrittel kamen. Erst spät in den ersten 45 Minuten ergaben sich Gelegenheiten aus dem Spiel: Einen langen Ball von Lahm verpasste Müller nur knapp (33.), zwei Minuten später eine Schweinsteiger-Flanke. „Der letzte Ball ins Zentrum hat gefehlt, der Trainer hat das in der Halbzeit auch angesprochen“, monierte Sportchef Matthias Sammer später die Versäumnisse des ersten Durchgangs.

Der Pausenansprache von Jupp Heynckes leistete nach Wiederanpfiff aber ausgerechnet ein Stuttgarter eifrig Folge: Molinaros zu kurz geratenen Rückpass erahnte Mandzukic, legte sich den Ball an Ullreich vorbei und schob zum 1:0 ein (50.). „Mein Fehler. Das ist schade, weil wir dadurch ohne Punkte vom Platz gehen“, zeigte sich der italienische Linksverteidiger geknickt. Sein Lapsus öffnete den Bayern den Weg zu der gewohnten Dominanz. Auch für Javi Martinez ein Knackpunkt der Partie: „Nach Mandzus Treffer war es einfacher, weil sich mehr Räume ergeben haben.“



Um die achte Pleite in Folge gegen die Bayern zu verhindern reagierte Labbadia, brachte Holzhauser und Torun für Traore und Okazaki. Ehe die frischen Kräfte jedoch Akzente setzen konnten, hatten Mandzukic und Müller für die Vorentscheidung gesorgt. Der Kroate genoss auf der rechten Seite Narrenfreiheit und bediente mit einer gut getimten Hereingabe Müller. Bayerns Topscorer war im Zentrum einen Schritt schneller als Tasci und erzielte seinen 10. Saisontreffer (72.). Ein krasser Fehler und eine Unaufmerksamkeit Molinaros reichten den Bayern an diesem Abend.

Philipp Lahm: „Verbessertes Abwehrverhalten“

Den eigentlichen Schlüssel zum Erfolg erkannte Philipp Lahm nach Abpfiff aber in dem verbesserten Defensivverhalten des gesamten Teams: „Wir haben nur wenige Torchancen zugelassen und in der zweiten Halbzeit so gut wie keine“, sagte der Nationalverteidiger den Journalisten. VfB-Goalgetter Vedad Ibisevic blieb an diesem Abend ohne eigenen Abschluss. Ein Zuspiel von Kuzmanovic auf den Bosnier fischte sich Neuer rechtzeitig (77.). „Wir zeigen ein verbessertes Abwehrverhalten“ sagte Lahm zufrieden und erinnerte daran, dass das beim Rekordmeister in jüngster Vergangenheit nicht immer der Fall war. Auch Innenverteidiger Dante legte Wert darauf, dass wieder einmal die Null gestanden hatte.

Mit nach wie vor nur sieben Gegentoren stellen die Bayern die beste Verteidigung der Liga, sind auf gutem Weg, ihren eigenen Rekord von 21 Gegentoren (2007/08) zu brechen. 13 Mal blieb Manuel Neuer ohne Gegentor und im Schnitt zappelt der Ball nur alle 244 Minuten im Netz der Bayern (Quelle: transfermarkt.de) - sollten die Roten diesen beibehalten, kämen sie Ende der Saison auf 13 Gegentreffer. In der Mixed Zone betrieben die Bayern aber noch eine weitere Form der Defensivarbeit und werden insgeheim hochzufrieden gewesen sein, dass mehr Fragen zu Mehmet Scholl als zum Thema Pep Guardiola gestellt wurden.

„Wir konzentrieren uns nur auf die Saison“, antwortete Javi Martinez schnell, als er tatsächlich kurz nach dem zukünftigen Trainer gefragt wurde. Fragen danach, wem man im Rückspiegel besonders im Auge haben sollte (Bayer oder den BVB), erging es nicht viel anders. „Beide“, antwortete Dante pflichtgemäß, konnte sich einen Zusatz aber nicht verkneifen: „Allerdings ist Dortmund natürlich stark in das neue Jahr gestartet.“
 
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