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Ablöse-Poker um überragenden Holtby: „Nicht billiger geworden“
Lewis Holtby war beim spektakulären 5:4 (1:0) von Schalke 04 gegen Hannover 96 der überragende Spieler. Wann der Jungnationalspieler nach London wechselt, ist weiter offen.
Gelsenkirchen. Als Lewis Holtby beim verrückten Rückrundenstart unter tosendem Applaus das Feld verließ, wusste er selbst nicht, ob es ein Abschied für immer war. „Das liegt nicht in meiner Hand“, sagte der Jungnationalspieler nach seiner Glanzvorstellung beim 5:4 (1:0)-Spektakel von Schalke 04 gegen Hannover 96: „Ich habe einfach nur Bock zu kicken."Schalke erwartet höheres Angebot
Wie lange der 22-Jährige noch für Königsblau kickt, hängt maßgeblich von seinem neuen Arbeitgeber Tottenham Hotspur ab. Das erste Angebot der Londoner für einen sofortigen Wechsel lehnte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt ab: „Das war erst mal nicht akzeptabel." Legt der Premier-League-Klub, der Holtby ursprünglich erst im Sommer ablösefrei holen wollte, noch drauf, könnten die Gelsenkirchener schwach werden. „Billiger ist er nicht geworden", meinte Heldt nach der Holtby-Gala mit dem entscheidenden Tor (88.) und zwei Vorlagen schmunzelnd.
„Er hat eine kleine Hetzkampagne hinter sich“
Seit Freitagabend stellt sich für den Schalker Sportvorstand aber auch die grundsätzliche Frage: Können die Königsblauen bei ihrer Aufholjagd auf einen Champions-League-Platz auf diesen Holtby überhaupt verzichten? „Ich hätte ihn schon noch ganz gerne weiter in der Mannschaft", gestand Trainer Jens Keller, „er hat ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht - gerade wenn man bedenkt, dass er ja eine kleine Hetzkampagne hinter sich hat."
Mit seiner Entscheidung, seinen auslaufenden Vertrag auf Schalke nicht zu verlängern, sondern in das Geburtsland seines Vaters zu wechseln, hatte sich Holtby unter den Fans viele Feinde gemacht. Der eine oder andere pfiff auch, als der Stadionsprecher vor dem Anstoß seinen Namen rief. Keller habe ihn gefragt, ob er diesem Druck standhalten und spielen wolle, berichtete Heldt. Holtby, der sich mit seinem Mentaltrainer auf diese Situation vorbereitet hatte, überlegte nicht lange.
„Ich werde mich nicht verpissen, ohne mir den Arsch aufzureißen", sagte er mit gewohnt deftigen Worten, „das habe ich heute gezeigt." Die kritischen Schalker Fans honorierten es. Als Keller ihn in der 90. Minute gegen den Neuzugang Raffael auswechselte, gab es lauten Beifall. „Die Reaktion der Fans war sehr positiv", meinte er dann auch, „ich bin dankbar, dass sie auch mich unterstützt haben." Außerdem, betonte er, habe kein Mitspieler gesagt: „Lewis, hau ab!"
Absturz nach starkem Saisonstart
Bei der Entscheidung über einen Weggang im Januar wird nicht nur die Höhe des Spurs-Angebots maßgeblich sein. Auch der Blick zurück in die Hinrunde könnte helfen: Damals startete Holtby - wie die gesamte Mannschaft - stark und trug zum besten Saisonstart seit 41 Jahren bei. Doch dann ging die Leistungskurve auch beim Kapitän der U21-Nationalmannschaft steil nach unten.
So spektakulär der erste Schalker Bundesliga-Sieg seit 69 Tagen auch war - außer Holtbys Glanzleistung brachte er wenig neue Erkenntnisse. Die Abwehr ist auch unter Keller weiter äußerst wackelig. Personal und Taktik hätte auch dessen Vorgänger Huub Stevens nicht anders gewählt. Vom angekündigten Pressing war nichts zu sehen.
Spektakel auf Schalke
Einziger Unterschied zu den erfolglosen Spielen vor der Winterpause: Die Schalker ließen nach Rückschlägen den Kopf nicht hängen, sondern stürmten weiter. So nach dem Doppelschlag von Sergio da Silva Pinto (55.) und Szabolcs Huszti (59.), die die Führung durch Jefferson Farfán (44.) und Julian Draxler (49.) ausglichen. Und auch nach dem 3:4 erneut durch Huszti (68.), nachdem zuvor Marco Höger (64.) und Ciprian Marica (67.) wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung herausgeschossen hatten. Mame Dioufs Fallrückzieher (90.+2) kam zu spät.
„Wenn man vier Tore auf Schalke schießt, muss man einen Punkt, besser drei mitnehmen", ärgerte sich 96-Trainer Mirko Slomka: „Für einen Bundesliga-Trainer ist das, wenn er strategisch denkt, ein Desaster." Dass sein Team mit vielen Abwehrschnitzern wesentlich zu einem Spektakel beitrug, das weltweit übertragen wurde, kommentierte der ehemalige Schalker Coach ironisch: „200 Länder zugeschaltet, neun Tore - ich bin begeistert."
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