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Das Hin und Her im Vertragspoker mit Bruno Labbadia dauert schon zu lange. Es muss nun eine Entscheidung her, egal welche. Ein Kommentar zur Lage in Stuttgart.

Stuttgart. Auslaufende Verträge gehören zum Fußballalltag genauso wie die aufkeimenden Spekulationen. Während zumeist dabei aber über Spieler diskutiert wird, ist die Situation beim VfB Stuttgart eine andere: Der Kontrakt von Trainer Bruno Labbadia ist zum Saisonende fällig und noch gibt es keine Entscheidung, ob der Coach sein Team auch in die kommende Spielzeit führen wird.

Das ist nicht weiter schlimm. Man werfe nur einen Blick auf den FC Bayern München, wo der Vertrag von Trainer Jupp Heynckes ebenfalls am Ende der Saison ausläuft. Doch aus München gibt es dazu nichts zu hören, keine Spekulationen, kaum Gerüchte und schon gar keine Unruhe. Und das, wo doch das Medienumfeld beim Rekordmeister noch einmal ein ganz anderes ist als beim VfB Stuttgart.

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In Stuttgart aber wird nahezu täglich über den Vertragspoker mit Trainer Bruno Labbadia berichtet. Mal meldet sich Sportdirektor Fredi Bobic mit der Forderung nach einer schnellen Entscheidung zu Wort, dann nimmt wieder der Präsident Gerd E. Mäuser höchstselbst die Gespräche mit dem möglicherweise scheidenden Coach in die Hand und versucht diesen von einem längerfristigen Engagement beim Verein für Bewegungsspiele zu überzeugen. Das alles änderte bislang aber nichts an der zögerlichen Haltung Labbadias.
GENTNER BLEIBT SCHWABE

Was ist das Ziel, das Bruno Labbadia mit dieser Haltung erreichen will? Sein Engagement bei den Schwaben war bislang jedenfalls eine Win-Win-Situation für die beiden Seiten. Vor der Anstellung beim VfB Stuttgart war die Trainerkarriere des Bruno Labbadia schon fast beendet. Zwar konnte er als Trainer vor allem bei der SpVgg Greuther Fürth, Bayer 04 Leverkusen und dem Hamburger SV mit einer spektakulären Spielweise und jeweils anfänglichem Erfolg deutschlandweit auf sich aufmerksam machen.

Spätestens nach seiner Station beim HSV aber hatte er in den Medien den Ruf des „Hinrunden-Trainers“ weg, da seine Teams nach sehr überzeugenden Hinserien stets in der Rückrunde eingebrochen waren. Der VfB schenkte ihm mitten im Abstiegskampf dennoch das Vertrauen – mit Erfolg.

Labbadia übernahm kurz vor der Winterpause in der Saison 2010/11 eine total verunsicherte Mannschaft, der kaum noch jemand den Klassenerhalt zutraute. Am Ende der Saison gelang der Klassenverbleib letztlich aber doch noch, dank einer starken Rückrunde. In der darauffolgenden Spielzeit konnte der ehemalige Stürmer den Verein dann sogar in die Europa League führen und auch in dieser Spielzeit steht der VfB Stuttgart sportlich ziemlich gut da, tanzt noch auf allen drei Hochzeiten und hat die Europapokalplätze in der Liga in Sichtweite. Das Problem: Diese eigentlich gute Lage für Verein und Trainer nimmt keiner so wirklich wahr!

Auf der einen Seite lösen die eher unspektakuläre und auf Ergebnis ausgerichtete Spielweise der Schwaben, sowie die sich ständig wiederholenden Aussagen des Trainers wenig Euphorie im Umfeld des Klubs aus. Das Stadion ist in der Europa League und im DFB-Pokal nicht einmal zur Hälfte gefüllt und auch in der Liga gab es selbst gegen attraktive Gegner häufig noch zahlreiche leere Sitze. Die Fans sind unzufrieden damit, was sie von ihrem Team geboten bekommen.

Auf der anderen Seite betont Labbadia zwar immer wieder, wie wohl er sich im Verein fühlt. Gleichzeitig beschwert er sich aber auch in regelmäßigen Abständen über die finanziellen Möglichkeiten beim VfB – und vergisst dabei, dass Teams wie der SC Freiburg und der FSV Mainz 05 nur träumen können von Etats für den Profikader, wie sie der VfB in den vergangenen Jahren aufweisen konnte. Dennoch dürften die zurückhaltende Haltung auf dem Transfermarkt und die damit verbundene geringe Wertschätzung des Trainers bislang mit die größte Hürde für eine Vertragsverlängerung von Bruno Labbadia sein.


„Jetzt ist nur eine schnelle Entscheidung wichtig, damit sich der Verein gegebenenfalls nach einem neuen Übungsleiter umschauen und die Planungen für die kommende Spielzeit vorantreiben kann.“


- VfB-Experte Julian Wöhr

Egal wie sich Bruno Labbadia letztlich entscheidet, es wird für den VfB Stuttgart also keine schlechte Entscheidung sein. Entweder setzt der Coach die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fort und garantiert dem Verein damit zumindest mittelfristig Planungssicherheit in der oberen Tabellenhälfte. Oder der Verein müsste sich nach einem neuen Trainer umschauen, der eventuell frischen Wind, neue Euphorie und innovative Ideen in den Verein mitbringt, wodurch der VfB dann langfristig den Blick auch wieder ganz nach oben in der Tabelle richten könnte.

Jetzt ist nur eine schnelle Entscheidung wichtig, damit sich der Verein gegebenenfalls nach einem neuen Übungsleiter umschauen und die Planungen für die kommende Spielzeit vorantreiben kann. Entspannt in die Rückrunde gehen und dann langsam und in Ruhe die nächste Saison zu planen, wie es der erwähnte FC Bayern tun kann, ist durch die Mediendebatten und vielen Aussagen der Verantwortlichen in den letzten Wochen nun nicht mehr möglich. Eine Entscheidung muss so schnell wie möglich her – egal welche!

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