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Beim FC Schalke 04 ist es mal wieder soweit. Keine Ruhe, keine Zufriedenheit und am Ende bricht das schwächste Glied in der Kette. Ein Lagebericht.

Gelsenkirchen. Am späten Samstagabend fiel die Entscheidung, Chefcoach Huub Stevens und Co-Trainer Markus Gisdol zu beurlauben. Lediglich Seppo Eichkorn darf auf Schalke bleiben. Diese Problematik ist hausgemacht. Und wirft man den Blick zurück, ist das Gekommene absehbar gewesen.

Klarer Schnitt

Resümiert und reflektiert man die Geschehnisse der letzten Wochen, dann wird man feststellen, dass die Verbindung zwischen der Mannschaft und dem Cheftrainer kaum noch vorhanden war. Das Verhältnis war keines mehr. Stevens und das Team entfernten sich voneinander. Goal.com hat die Probleme zwischen beiden Parteien bereits im November 2012 enthüllt. Es ist zu einem Bruch gekommen, der sich schleichend andeutete.

Huub Stevens gilt als knallharter Trainer, der jedoch einen fairen und warmen Umgang mit seinen Untergebenen pflegt. Trotzdem stimmte das Innenleben bereits seit Monaten nicht.

Der Beginn

Die zweite Amtszeit des im niederländischen Sittard geborenen Trainer ging nur 446 Tage lang. Eine Zeit, in der Stevens seinen Abschied bereits verkündete. Er sagte, er wolle nicht noch mit 60 Jahren an der Seitenlinie stehen. Als Schalke den Limburger brauchte, war er zur Stelle. Der „Knurrer von Kerkrade“ hatte zu Beginn großen Erfolg, schaffte Platz drei in der Bundesliga und damit die direkte Qualifikation für die finanziell lukrative Champions League. Auch in der neuen, dieser Saison, startete Stevens blendend gut, bis der von Horst Heldt erwähnte „schleichende Prozess“ einsetzte.

Rückblende

Durch den Burn-Out von Ex-Schalke-Trainer Ralf Rangnick schubste sich Huub Stevens durch dieses Engagement in eine Situation, die herausfordernd war. Die Mannschaft geschockt, die Torhüter immer wieder mal verletzt und das Konzept von Ralf Rangnick, welches in die Philosophie des Vereins übergegangen ist, sollte fortgeführt werden. Huub Stevens bewältigte alles. Doch bei Letzterem ließ er kontinuierlich nach, das wurde ihm zum Verhängnis.

Man kann den einen Trainer nicht die Arbeit eines anderen machen lassen. Dass in der „rangnickschen“ Spielweise irgendwann nur noch Huub Stevens zu erkennen war, war intern Stein des Anstoßes. Die Gegner stellten sich auf Schalke ein. Auf- und Einstellung, taktische Ausrichtungen und mangelnde Flexibilität während eines Spiels verunsicherten das Team. Der Anfang vom Ende für den Niederländer.

Hinzu kommt, dass Huub Stevens die Mannschaft nicht nach seinen Vorstellungen aufbauen konnte. Schalke 04 investierte lediglich in Chinedu Obasi, Tranquillo Barnetta und Roman Neustädter kamen ablösefrei. Ad hoc wurde Ibrahim Afellay ohne Leihgebühr verpflichtet. Schalke hatte und hat immer noch einen starken Kader. Man sagt Stevens nach, dass seine Methoden veraltet seien, nicht modern genug sind. Zu Beginn der Saison ließ der 59-Jährige rotieren, der Erfolg war da. Bis er mit der Rotation aufhörte, trotz permanenter englischer Wochen. Dinge, die den besagten schleichenden Prozess vorantrieben.

Der große Knall

Erstmals wurden die internen Schwierigkeiten beim Debakel in Leverkusen deutlich, obwohl es zuvor nach dem Spiel in Düsseldorf (2:2) bereits eine Kabinenpredigt von Manager Horst Heldt gab. Auf dem Platz war ersichtlich, dass dem Team die klare Linie fehlte. Hilflos und kopflos rannte man ins Verderben und konnte froh sein, dass es nur ein 0:2 geworden war. An der Seitenlinie kam es zum Streit zwischen Stevens und dem ausgewechselten Jefferson Farfan. Öffentlich und für jeden sichtbar.

Dass es in einem Fußballverein nicht immer harmonisch zugeht, ist kein Geheimnis. Das Maß auf Schalke war jedoch voll. Zu solchen Gräben trägt allerdings nicht nur der Trainer bei, auch die Mannschaft von S04 sollte sich hinterfragen, ob man die eigenen Interessen in Situationen wie diesen nicht hinten anstellen sollte. Großen Einfluss darauf nehmen auch die Vertragsfragen um Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby, welche die Trainerfrage selbstredend in ihre Überlegungen einbeziehen.

Stevens ist nicht der Alleinschuldige

Nun ist auf Schalke das Kind in den Brunnen gefallen. Dass Huub Stevens seine eigene Art, in allem was er tut, hat, das ist den Verantwortlichen auf Schalke bewusst gewesen. Der Niederländer ist sicherlich nicht fehlerlos, jedoch ist es schwierig, das System eines anderen Trainer fortzuführen, ohne sich selbst dabei zu vergessen. Huub Stevens ist sich immer treu geblieben. Er hatte Erfolg, als die Mannschaft noch mitzog und am Ende wird einem bewusst, dass sie ihn Woche für Woche mehr und mehr hat fallen lassen.

Jens Keller ist der neue starke Mann

So blieb es nicht aus, dass der Trainer gehen musste und ein neuer den Anker wirft. Mit Jens Keller hat Schalke 04 ein etwas unbeschriebenes Blatt auf der Trainerbank sitzen. Keller gilt als taktisch sehr geschult und kommunikativ. Seit Sommer 2012 ist er beim FC Schalke angestellt und betreute die U17 des Traditionsvereins. Eine makellose Bilanz von 13 Siegen in 13 Spielen hinterließ er dort.

Steuert Schalke 04 damit in ruhigeres Fahrwasser? Die Zukunft wird es zeigen. Jens Keller hat bis Saisonende Zeit, sich für eine langfristige Tätigkeit zu empfehlen. Durch den scheinbar vorhandenen Flirt seitens der Schalker Verantwortlichen mit Mainz-Trainer Thomas Tuchel hat Jens Keller jetzt schon einen Schatten, der ihn bei Misserfolgen begleiten wird.

Nach Ruhe klingt das nicht...

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