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Am kommenden Mittwoch will die DFL das Sicherheitskonzept "Sicheres Stadionerlebnis" verabschieden. Fans und Vereine fürchten um die Fankultur in deutschen Stadien.

Frankfurt. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sieht sich gezwungen, auf die Vorkommnisse der Vorsaison und der aktuellen Spielzeit zu reagieren. Zumal die Politik und die Polizeigewerkschaft einen erheblichen Druck auf die Verantwortlichen ausüben. Bei der Sicherheitskonferenz im Juli wurde beschlossen, die Sicherheit in und rund um das Stadion zu verbessern. Das bisherige Ergebnis: das DFL-Sicherheitspapier „Sicheres Stadionerlebnis“. Die Kritik an den erarbeiteten Maßnahmen ist groß. 

Politik greift in den Fußball ein – Vereine: „Nein“

Die Stimmen aus der Politik und den Polizeikreisen mehren sich angesichts der in der jüngeren Vergangenheit gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Forderungen sind deutlich: härteres und konsequentes Durchgreifen. Doch bereits die Erstellung des Arbeitspapiers stößt bitter auf. Denn das Konzept wurde ohne die Fans und dessen Fanvertreter erstellt. Aufgrund dessen lehnen einige Vereine das Papier kategorisch ab.

In einer Stellungnahme des VfL Wolfsburg heißt es: „Beim vorliegenden Konzept halten wir neben der fragwürdigen Herangehensweise und schwer durchschaubaren Zuständigkeiten auch große inhaltliche Teile für rechtlich bedenklich, unverhältnismäßig, praxisfern und damit nicht zielführend. Wird das Konzept in dieser Form und ohne Dialog mit den Fangruppen beschlossen, befürchten wir einen unbedingt zu vermeidenden Anstieg von Gewalt sowie ein stark vermehrtes Abbrennen von Pyrotechnik in den Bundesliga-Stadien.“

„Erpressung“ und „Tod der Fankultur“

Besonders bei den Fußballfans findet das Konzept keinerlei Akzeptanz. Eigentlich ist der 21.12.2012 als Datum für den Weltuntergang bestimmt worden. Dabei muss es sich um einen Zahlendreher gehandelt haben, denn der 12.12.12 gilt als das Datum der Entscheidung. Die DFL-Mitgliederversammlung tagt an diesem Tag und soll über die Maßnahmen beschließen. Bei den Fanprotesten, Demos und Choreografien gilt dieser als „Weltuntergangstag“. Wenn das Papier so abgesegnet wird, wie es sich aktuell darstellt, so könnte es zu einer Veränderung der Fankultur kommen.

Vollkontrollen

Das Konzept sieht unter anderem vor, die Kontrollen an den Stadioneingängen auszubauen. Das Stichwort hier: Vollkontrollen. Eine Horrorvorstellung für jeden Stadiongänger. Vor dem Eintritt zum Spieltort wird man durch Container oder Zelte geleiten, in denen Ganzkörperuntersuchungen durchgeführt werden. Dadurch soll das Problem der Einschleusung von Pyrotechnik entgegengewirkt werden. Besonders bei „Spiele mit erhöhtem Risiko"-Einstufung soll diese Praktik zum Tragen kommen. Nicht nur die Fans schalten angesichts der schärferen Einlasskontrollen auf Protest. Auch Vereine nennen diese Prozedur „entwürdigend“ (Union Berlin) und sehe dadurch eine „Verletzung der Menschenwürde“ (Hannover 96).

„Die Fans sind nicht das Problem, sondern Bestandteil der Lösung.“

Die Initiative „12:12“

Gemäß dem Kodex…

Ein ganz heikler Punkt ist die Unterzeichnung eines Fankodexes. Die Vereine und die eigenen Fangruppen sollen sich verpflichten, diesen Kodex einzuhalten. Damit werden sich mehr in die Verantwortung genommen. Die Strafen für die Nichteinhaltung sind drastisch. Es droht der Verlust von Fanprivilegien. Bei negativem Auffallen wird das Mitbringen von Fanmaterial und Zaunfahnen verboten. Zudem könnte es zu einem Einschnitt bei den Ticketverkäufen kommen. Fällt ein Verein mehrfach bei Auswärtsspielen negativ auf, so wird das Kontingent für Gästeeintrittskarten von derzeit zehn auf fünf Prozent reduziert. Dies wird als unverhältnismäßige "Kollektivstrafe" angesehen. Wenn Fanklubs den Verhaltenskodex nicht unterschreiben, der eine Abkehr von Pyrotechnik und Gewalt vorsieht, dann könnte eine Verweigerung von Tickets als Strafmaß dienen.

Somit werden Gewalt, Pyrotechnik und verbandskritische Spruchbänder in einen Topf geworfen. Nach der Meinung der Fans verfehlen die Maßnahmen das eigentliche Ziel, denn sie sollen vor allem organisierte und kritische Fangruppen treffen.  Demnach gehen sie an der Praxis vorbei. Natürlich stehen die Fußballfans sich selbst disziplinieren, doch wollen die Anhänger nicht pauschalisiert werden und über einen Kamm mit den gewaltbereiten und gefährlichen „Fans“ geschert werden. 

Fans sollen zahlen

Aufgrund der geplanten Gewalt-Prävention und zur Unterstützung von Maßnahmen der Polizei soll den Fans in den Geldbeutel gegriffen werden. Mit dem „Sicherheits-Euro“ sollen die Kosten dadurch gedeckt werden. Der Plan: Fans sollen zusätzlich freiwillig zu jeder gekauften Eintrittskarte einen Euro mehr zahlen, um sich damit an den Kosten zu beteiligen. Fanorganisationen laufen Sturm. Die rigorose Ablehnung hat auch einen Hintergrund. Fans selber sind Steuerzahler und die Vereine müssen ebenfalls hohe Summen an Steuern zahlen. Somit würde man doppelt abkassieren.  

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