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Seit geraumer Zeit kann der Schlussmann der Dortmunder mit bärenstarken Leistungen überzeugen. Nur der Bundestrainer scheint das nicht erkennen zu wollen.

Dortmund. Nicht nur die Bundesliga feiert ihr rundes Jubiläum. Auch Roman Weidenfeller spielt nun seit zehn Spielzeiten im Dress von Borussia Dortmund. Einst als Ersatz für Jens Lehmann aus Kaiserslautern geholt, mauserte er sich nach dem Weggang des späteren Nationalkeepers zur unumstrittenen Nummer eins im Tor des BVB. Trotz seiner hervorragenden Auftritte bekommt er von Joachim Löw allerdings hartnäckig die kalte Schulter gezeigt. Der Traum, einmal für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen, wird wohl nur ein Traum bleiben.

ROMAN WEIDENFELLER | Der Rückhalt
Wettbewerb Spiele
Gegentore Vorlagen Gelbe Karten
Platzverweise
Bundesliga 271 296 1 18 0
Europapokal 26 38 0 4 0
DFB-Pokal 23 19 0 2 1
Sonstige 70 110 1 10 1
Gesamt 390 463 2 34 2

Weg zur Nummer eins

Nach dem Wechsel von Jens Lehmann zu FC Arsenal im Jahr 2003 änderten sich die Vorzeichen. Weidenfeller wurde zur Nummer eins ernannt, musste sich aber dem Konkurrenzkampf mit dem damaligen Ersatztorhüter Guillaume Warmuz stellen. Er setzte sich schließlich als Stammtorhüter durch. Ab der Saison 2005/2006 war der frühere Lauterer als Schlussmann gesetzt. Er absolvierte einen Großteil der Partien und meldete erste Ansprüche auf das DFB-Tor an. In der darauf folgenden Spielzeit musste der Keeper einige Male hinter sich greifen, da der BVB eine Seuchensaison mit der als „Opa-Abwehr“ verspotteten Viererkette spielte. Zudem verletzte Weidenfeller sich schwer am Knie und schon nach der Hinserie war die Spielzeit für ihn gelaufen.

Gegentor-Statistik ab 2007
Saison

2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
Einsätze

14
37
33
43
43
Gegentore

30
41
34
28
35
zu 0
1
13
10
14
15
Stichwort: Kontinuität

Mit dem Amtsantritt von Jürgen Klopp änderte sich eines radikal - die Defensive der Dortmunder. Nun bildeten Mats Hummels und Neven Subotic die Innenverteidigung, der „Kinderriegel“ wurde geboren. Die Mannschaft erlebte insgesamt eine Verjüngungskur. Von Beginn an hielt der Trainer aber am Torhüter fest. Weidenfeller dazu: „Ich spüre großen Rückhalt. Als Torhüter stehe ich unter besonderer Beobachtung. Aber Jürgen Klopp gibt mir in jeder Situation unbedingtes Vertrauen.“

Mit der Stabilisierung der Abwehr und den glänzenden Paraden Weidenfellers sank die Zahl der Gegentreffer. Indizien für die hervorragenden Verdienste des Vizekapitäns des BVB waren die zweimaligen Gewinne des „Weißen-Weste“-Awards (2009 und 2011), der von einem deutschen Sportsender für meisten Spiele ohne Gegentor verliehen wird.

Mit dem Alter kommt die Weisheit

Weidenfeller konnte sein Image aufpolieren. Immer wieder hatte sich der 32-Jährige in der Vergangenheit Patzer erlaubt, die ihm den wenig schmeichelhaften Spitzenamen „Weiden-Fehler“ einbrachten.

Wenn man ihm Böses wollte, könnte man den Freistoß-Treffer von Mesut Özil im Champions-League-Gruppenspiel bei Real Madrid als „Fehler“ ankreiden. Mit der nötigen Entschlossenheit und einer Portion Risikobereitschaft hätte er den Gegentreffer verhindern können. Aber Özils Schuss war auch präzise an den Pfosten geschlenzt - daher eher einfach nur unglücklich.

Elfmeter-Statistik
Elfmeter
34
Gehalten
7
Nicht 
27
Quote
20,59%
Doch die Verantwortlichen des Vereins stärkten ihm immer wieder den Rücken, was sich auszahlte. Die Schwächen wurden in Angriff genommen. Auf der Linie hatte er seine Stärken, aber auch an seiner Strafraumbeherrschung und seiner Präsenz hat er gearbeitet. Elfmeter waren nie die Stärke des ehemaligen FCK-Keepers, obwohl er wohl den entscheidenden Strafstoß in der vergangenen Saison um die Meisterschaft gegen Arjen Robben gehalten hat. Das Prädikat „Elfmeterkiller“ passt einfach nicht zu ihm.

Der frühere Heißsporn hat sich ein wenig abgekühlt. Unvergessen der Zusammenprall mit dem damaligen Schalker Gerald Asamoah im Revierderby. Auch ansonsten neigte er zu Ausbrüchen. Mit fortgeschrittenem Alter hat sich Weidenfeller beruhigt. Dies kann auch mit seiner neuen Rolle innerhalb des Teams zusammenhängen: „Ich versuche, den jungen Spielern eine Stütze zu sein“, so der Pfälzer.  

Nur Löw sieht es nicht

Der 32-Jährige hat einiges in seiner Karriere erlebt. Die Fast-Insolvenz des BVB und die „Wiedergeburt“ des Vereins mit zwei Meisterschaften und dem Pokalsieg. Endlich kann sich der Tormann auch auf internationaler Bühne beweisen. In der Champions League zeigte er glänzende Vorstellungen. Trotz konstanter Leistungen wartet er aber immer noch vergeblich auf einen Anruf des Bundestrainers. Er monierte kürzlich erst: „Es gibt heute aber auch genug Spieler, die nach ihrem Nationalelf-Debüt wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Alles ist schnelllebiger.“

Sowohl der Spieler, sein Berater als auch die Verantwortlichen des BVB machten Werbung für ihn, doch sie bissen auf Granit. Weidenfeller wird wohl ohne Einsatz für sein Heimatland bleiben.

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