thumbnail Hallo,

Der SC fährt erstmals in der Bundesliga-Geschichte einen Sieg bei 96 ein. Matchwinner war einer, der in Hannover zum Profi-Fußballer wurde.

Hannover. Einige Minuten nach Abpfiff brach es noch einmal aus ihm heraus. Christian Streich ließ seiner Freude in den Katakomben der AWD-Arena freien Lauf und einen Freudenschrei los, der vermutlich noch im Breisgau zu hören war. Anschließend verschwand der Coach des SC Freiburg in der Kabine, wo er den nächsten deutlich hörbaren Jubel zum Besten gab. Sein Team hatte in den 90 Minuten zuvor groß aufgespielt und Hannover 96 in der Bundesliga mit 2:1besiegt, dabei einen ähnlich energischen Auftritt gezeigt wie Streich nach der Partie.

Der Sportclub kam am Samstagnachmittag schnell ins Spiel, bereits nach elf Minuten tankte sich Daniel Caligiuri auf links durch und brachte den Ball in die Mitte, wo Jonathan Schmid letztlich zum 1:0 für die Gäste einnetzte. 96, das in der Bundesliga vor heimischen Publikum seit Januar 2011 lediglich die Spiele gegen Borussia Mönchengladbach verloren hatte, fand in der Folge kaum ins Spiel. „Wir haben Hannover in der ersten Halbzeit wirklich keine Chance gelassen“, erkannte auch der spätere Matchwinner Jan Rosenthal hinterher.

Streich tobt, Zieler lobt

So ganz stimmte das allerdings nicht. Zunächst konnte Mame Diouf nach einer knappen halben Stunde aus kurzer Distanz nicht einnetzen, wenig später entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin auf Strafstoß für die Niedersachsen, nachdem Caligiuri den Ball im Sechzehner unabsichtlich mit dem ausgestreckten Arm gestoppt hatte. Ein Elfmeter, den man wohl geben muss.

Während Christian Streich das naturgemäß anders sah und wie ein Rohrspatz in Richtung Schiedsrichtergespann schimpfte, war Mohammed Abdellaoue das alles egal, der Norweger verwandelte sicher zum 1:1. Aber auch der Ausgleich brachte keine Sicherheit ins Spiel der Hannoveraner, auch weil „Freiburg das sehr gut gemacht“ hat, wie 96-Keeper Ron-Robert Zieler anerkennen musste.

Rosenthals Auftritt

Abwehrmann Mario Eggimann sah das ähnlich: „Freiburg war unheimlich aggressiv und hat sehr viele zweite Bälle gewonnen - das hatten wir uns eigentlich vorgenommen“, ärgerte sich der Schweizer, „so haben die uns den Schneid abgekauft“. Den Schneid abkaufen lassen musste sich nach dem Seitenwechsel auch Eggimanns Partner in der Innenverteidigung, Karim Haggui. Der Tunesier ließ sich in der 56. Minute vor dem eigenen Tor auf einen Zweikampf mit Rosenthal ein, der ihm den Ball abluchste und so einen Blitzkonter einleitete, wie ihn 96 einst in Perfektion gespielt hat.

Über Makiadi und Kruse gelangte der Ball zurück zu Rosenthal, der keine Mühe hatte, zum 2:1 einzuschieben. „Wir haben das mit Cedric und Max natürlich weltklasse ausgespielt - mit ein bis zwei direkten Kontakten, das war natürlich ein super Tor“, freute sich der Torschütze.

Bescheiden, aber glücklich

Ironie des Schicksals, dass es Rosenthal war, der mit seinem Tor letztlich für den ersten Freiburg-Sieg bei 96 überhaupt sorgte. Der 26-Jährige stammt aus der Jugend der „Roten“, wechselte im Sommer 2010 von den Niedersachsen in den Breisgau - und mutierte an alter Wirkungsstätte nun zum Matchwinner.

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich es mir in den letzten Tagen nicht genauso vorgestellt hätte“, so Rosenthal, der aber anfügte: „Das wäre auch gegen jeden anderen Gegner so gewesen.“ Bescheiden stellte er klar: „Wir haben uns als Mannschaft so viele Chancen herausgespielt, dass es egal war, wer jetzt das 2:1 macht.“

Chancenverwertung mangelhaft

Da von 96 in der Folge kaum noch was kam, war es am Ende lediglich der fehlenden Zielgenauigkeit der Freiburger Angreifer zu verdanken, dass der 2:1-Sieg für den SC nicht noch höher ausfiel. „Wir haben uns in vielen Situationen gute Möglichkeiten rausgespielt. Da mangelt es am Ende dann doch an der Chancenverwertung, an der Kaltschnäuzigkeit und der Präzision vor dem Tor - auch wenn wir da schon etwas länger dran arbeiten“, so Rosenthal, der versprach: „Da werden wir weiter ansetzen.“ So aber musste man bis zum Schluss zittern, und es wäre wohl nicht nur für den Ex-Hannoveraner „reichlich ärgerlich gewesen, wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten.“

Ansonsten aber gab es im Freiburger Spiel nicht viel Luft nach oben: „Das Pressing hat sehr gut funktioniert“, befand Rosenthal - und das kommt nicht von ungefähr: „Wir werden so ausgebildet, dass wir dem Gegner die Möglichkeit nehmen, das Spiel aufzubauen. Dann kommt er in die Bredouille.“

Vom Mittelfeldmann zum Stürmer

Das musste 96 genauso schmerzlich erfahren wie die Erkenntnis, dass der frühere Mittelfeldmann auch als Stürmer ein unangenehmer Gegner ist. „Ich musste mich nicht umstellen, weil ich schon immer gerne vorne reingegangen bin“, erläuterte Rosenthal seine neue Rolle, „ich hatte das Spiel immer gerne vor mir, aber ist es ist ja nicht ausgeschlossen, dass man sich ales Stürmer auch mal fallen lässt“. Ohnehin scheint es ihm egal zu sein, wie er dem Team hilft: „Ich bringe das ein, was Freiburg braucht - das ist im Moment vielleicht meine Torgefahr vorne, und dann spiele ich das gerne.“

Die Freiburger haben mit dem Dreier bei 96 nun ein kleines Polster auf die Abstiegsränge, fünf Zähler trennen den derzeit neunplatzierten SC von der kritischen Zone. Der Blick nach oben aber verbietet sich für Rosenthal: „Wir haben jetzt gerade drei Punkte geholt, mit denen wir uns von unten ein bisschen absetzen. Wenn wir die nicht geholt hätten, wären wir wieder unten drin. Es geht für uns um nichts anderes, als vom Klassenerhalt zu reden.“ Mit Leistungen wir in Hannover sollte der problemlos erreichen zu sein.

EURE MEINUNG: Was traut Ihr Freiburg in dieser Saison zu?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig