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Obwohl er krankgeschrieben war, feierte Andriy Voronin in einer Disko. Fortuna Düsseldorf ist sauer auf den Stürmer, verzichtet aber auf eine Suspendierung. Dafür muss er zahlen.

Düsseldorf. Nein, Andriy Voronin wollte nichts sagen. Um 16.05 Uhr marschierte der ukrainische Stürmer aus dem Kabinentrakt zu seinem Geländewagen. „Kein Kommentar“, blaffte er, als er von einem Journalisten gefragt wurde, ob er sich zu den Geschehnissen der vergangenen Tage äußern wolle. Wenig später fuhr er im Eiltempo vom Gelände, während seine Kollegen seit einer halben Stunde im Stadion trainierten.

Wie oft sich der 33-Jährige noch bei Fortuna Düsseldorf blicken lassen wird, ist indes unklar. Beim Aufsteiger sind sie gewaltig genervt vom Verhalten Voronins, der im Sommer auf Leihbasis von Dinamo Moskau an den Rhein gewechselt war und in den vergangenen Wochen regelmäßig Kopfschütteln auslöste.

Für einen handfesten Skandal sorgte der Spieler in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Obwohl er krankgeschrieben war und daher schon am Sonntag nach dem 1:1 gegen 1899 Hoffenheim nicht am Training teilgenommen hatte, feierte er in der Düsseldorfer Diskothek „Rudas“ bis tief in die Nacht den Geburtstag seiner Frau. Am darauffolgenden Morgen ließ er sich erneut nicht beim Training blicken.

Erst am Donnerstagmorgen meldete er sich wieder gesund und kündigte an, zum Nachmittagstraining zu erscheinen. An diesem ließ ihn Trainer Norbert Meier aber nicht teilnehmen, Voronin soll in der Kabine Fitnessübungen absolviert haben.

"Ich habe andere Sachen zu tun"

Meier reagierte genervt auf Berichte über die Party-Affäre. Von Journalisten auf das Thema Voronin angesprochen, blaffte er: „Ich habe andere Sachen zu tun, als immer nur über diesen Spieler zu sprechen. Es gibt nichts zu sagen.“ Dann setzte er sich in sein Auto, stieg aber nach einigen Sekunden wieder aus.

„Ich will gar nicht garstig sein. Es tut mir leid“, sagte der Trainer, und man sah ihm an, wie sehr ihn das Theater um Voronin nervt: „Es ist klar, dass sich der Verein mit dem Thema beschäftigt. Er muss wissen, dass er aufgrund seiner großen internationalen Erfahrung bei uns im Fokus steht. Seine Verpflichtung durch Fortuna sorgt natürlich für Präsenz in den Zeitungen.“

Seinen Humor hatte Meier trotz der Eskapade seines Schützlings nicht verloren. „Ich kenne das 'Rudas' nicht mal, ich kenne nur Judas. Und der wird im Fußball nicht gerne gesehen.“ Die Diskothek wolle er nun selbst regelmäßig besuchen, sagte er mit einem Lachen: „Immer Dienstags fünf nach zwei, After-Work-Party. Dann komme ich wenigstens mal zu Hause raus.“ Bevor er wieder ernst wurde, gab er Voronin noch einen Rat: „Setz dich zu Hause in den Keller und hau dir den Kanal voll! Dann geh draußen pinkeln, dann sieht dich wenigstens keiner!“

Es war natürlich lustig gemeint, aber so oder so scheint Voronin wenig Wert auf die Worte des Mannes zu legen, der ihn im Alter von 17 Jahren zu Borussia Mönchengladbach und damit in die Bundesliga geholt hatte. Der ihm eine große Karriere erst ermöglicht hatte.



Als Voronin auf der Reservebank lag

Beim Hoffenheim-Spiel vor wenigen Tagen lag Voronin mehr auf der Reservebank denn dass er saß, und in der Halbzeitpause verzichtete er auf das Aufwärmen mit seinen Kollegen. Schon elf Minuten nach Spielschluss eilte er kommentarlos aus der Arena.

In der Woche vor dem Spiel hatte er mit der Aussage, er passe nicht zu Fortuna für Wirbel gesorgt. Sein Manager Andrej Golowasch hatte zudem gesagt: „Hier wird kein Fußball gespielt.“ Der Klub habe nur „Masse statt Klasse“ verpflichtet. Auch Golowasch wird frustriert sein, dass Voronin in Düsseldorf zuletzt zwischen Bank und Tribüne pendelte, und wahrscheinlich machte er daher seinem Unmut Luft.

Die Posse um Voronin stört die Konzentration des Aufsteigers enorm. Meier sagt: „Es wurmt mich, dass ich mich damit auseinandersetzen muss.“

Ein vorzeitiger Abschied des Ukrainers in der Winterpause wird immer wahrscheinlicher. Aus Moskau war wiederholt zu hören, dass der Klub Interesse an einer zeitnahen Rückkehr Voronins hat. Auf der anderen Seite kann Fortuna nichts mit einem Spieler anfangen, der sich auf und neben dem Platz wie eine Diva aufführt.

Düsseldorf wird leidenschaftlich kämpfen müssen, um den Klassenerhalt zu packen. Ein Spieler wie Voronin, der völlig überrascht zu sein scheint, dass er bei dem Aufsteiger mit Schönspielerei nicht punkten kann, ist für diese Mission wertlos. Seine Analyse, dass er nicht zu Fortuna passe, trifft zu. Nur: Was hat er im Vorfeld gedacht, was ihn in Düsseldorf erwartet?

Noch lassen Fortunas Entscheidungsträger Voronin nicht fallen. Der Klub entschied sich am Donnerstagabend gegen eine Suspendierung und sanktionierte den Party-Ausflug mit einer Geldstrafe und Abmahnung.

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