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Das Aus von Felix Magath: Die logischste Trainer-Entlassung seit langer Zeit

Die „Wölfe“ haben am Donnerstag ihr Alpha-Tier verloren: Felix Magath wurde in der Autostadt entlassen. Für alle Seiten scheint dieser Schritt sinnvoll zu sein.

KOMMENTAR |
Von Dennis Weinacht

Wolfsburg. „Ich kann dazu nichts sagen. Machen Sie es gut“, mehr hatte Felix Magath gegenüber den Wolfsburger Nachrichten am Donnerstag nicht zu erklären. Der Trainer war wenige Stunden zuvor von seinen Ämtern als Trainer und Manager beim VfL Wolfsburg freigestellt worden. Es war ein Aus mit viel Anlauf. So schnell alles am Ende ging, so wenig überraschend kam der Schritt.

Für alle Seiten ist es zudem eine sinnvolle Trennung. Der VfL Wolfsburg zog einen Schlussstrich, der gezogen werden musste. Über 70 Millionen Euro investierte Magath seit 2011 in die Mannschaft. Er hatte die Rückendeckung der Vereinsführung sehr lange. Auch von Seiten der Fans hielt sich der Gegenwind außergewöhnlich lange in Grenzen. Rundum: Magath hatte beim VfL tolle Voraussetzungen, aus denen er in seiner zweiten Amtszeit wenig machen konnte.

Wende war nicht mehr möglich

Oft scheitern Trainer an den wirtschaftlichen Zwängen der Klubs oder an der Nervosität der Bosse. Das war hier nicht der Fall. Dass es dennoch schlecht lief, zeigt eines: Die Wende unter Magath war nicht mehr möglich. Zu zerrüttet schien am Ende das Verhältnis zur Mannschaft, zu schlecht war die Grundstimmung.

Aber auch für Felix Magath ist diese Trennung besser. Er war mit dem VfB Stuttgart sehr erfolgreich, wurde mit dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg Meister. Er hat großen Anteil am Riesen-Erfolg des FC Schalke 04 vor zwei Jahren in der Champions League. Magath ist einer der größten deutschen Trainer-Persönlichkeiten. Das sollte jederzeit Respekt abnötigen.

Magaths Chancen bleiben erhalten

Hat es aber zuletzt nicht getan. Die Arbeit von „Quälix“ in Niedersachsen wurde oft genug ins Lächerliche gezogen. Auch die Reaktionen am Donnerstag waren bezeichnend, etwa vom weit entfernten Hans Sarpei. Felix Magath will sicherlich bald wieder bei einem Klub arbeiten. Durch das gerade noch rechtzeitige Aus in Wolfsburg stehen seine Chancen weiter gut. Wäre es aber zur absoluten Eskalation gekommen, hätte auch sein Ruf viel größeren Schaden genommen.


FELIX MAGATH UND DER VFL WOLFSBURG |
Chronologie einer wechselhaften Zusammenarbeit (dapd)

15. Juni 2007: Felix Magath wird erstmals Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg. Der Sportdirektor und Trainer baut die Mannschaft neu auf und verpflichtet in der Sommertransferperiode unter anderem die Stürmer Edin Dzeko und Grafite. In der ersten Saison erzielt das Sturmduo insgesamt 19 Tore.

16. September 2007: Der VfL startet schlecht in die Saison. Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC fällt das Team nach fünf Spielen auf Rang 16 zurück.

17. Mai 2008: Dank eines 4:2-Auswärtssieges bei Borussia Dortmund sichert sich Wolfsburg am letzten Spieltag der Saison 2007/2008 Rang fünf und die Teilnahme am UEFA Cup. In der zweiten Halbserie belegt die Magath-Elf mit 34 Punkten Rang drei der Rückrundentabelle.

Sommer 2008: Magath baut das Team erneut um. Er verpflichtet 15 neue Spieler, darunter die italienischen Nationalspieler Andrea Barzagli und Cristian Zaccardo sowie Spielmacher Zvjezdan Misimovic. Der Bosnier wird zum absoluten Leistungsträger.

13./14. Dezember 2008: Wolfsburg beendet die Vorrunde der Saison 2008/2009 als Neunter und weist neun Punkte Rückstand auf Überraschungstabellenführer und Herbstmeister 1899 Hoffenheim auf.

4. April 2009: Dem VfL Wolfsburg gelingt ein spektakulärer 5:1-Erfolg gegen Titelverteidger Bayern München. Am 26. Spieltag übernehmen die Wolfsburger erstmals die Tabellenführung.

6. Mai 2009: Nach zahlreichen öffentlichen Medienberichten bestätigen Wolfsburg, Schalke 04 und Magath selbst, dass der damals 55-Jährige zum 1. Juli als Trainer und Manager zu Schalke wechselt.

23. Mai 2009: Durch ein 5:1 gegen Werder Bremen wird der VfL Wolfsburg zum ersten und bisher einzigen Mal Deutscher Fußballmeister. In der Rückrunde holt die Mannschaft überragende 43 Punkte. Dzeko und Grafite erzielen 54 Tore, so viele wie nie zuvor ein Offensivduo.

18. März 2011: Nur zwei Tage nach seiner Entlassung bei Schalke kehrt Magath nach Wolfsburg zurück. Er übernimmt den VfL in Abstiegsgefahr, mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz liegt das Team auf Rang 17.

20. März 2011: Magath holt im ersten Spiel nach seiner Rückkehr ein 1:1 beim VfB Stuttgart. Der Manager und Trainer kritisiert anschließend den Fitnesszustand der Mannschaft.

14. Mai 2011: Wolfsburg schafft durch ein 3:1 bei 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag Platz 15 und den Klassenerhalt.

Sommer 2011: Nachdem Magath Spielmacher Diego in Hoffenheim nicht berücksichtigt hat, reist der Brasilianer aus dem Mannschaftshotel ab. Es kommt zum Zerwürfnis. Anschließend leiht der VfL Diego für ein Jahr zu Atletico Madrid aus.

Sommer 2011: Magath baut das Team erneut komplett um, verpflichtet 20 neue Spieler und trennt sich von zwölf Akteuren.

5. Mai 2012: Die Wolfsburger verpassen die Qualifikation für die Europa League und beenden die Saison als Achter.

20. Oktober 2012: Durch eine 0:2-Heimniederlage gegen den SC Freiburg rutscht der VfL unter Magath auf den letzten Tabellenplatz ab.

25. Oktober 2012: Der VfL trennt sich von Magath als Trainer und Geschäftsführer (dapd)


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