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Die effektive Transfer-Politik von 96-Manager Jörg Schmadtke hat zur Folge, dass Trainer Slomka aus gleich fünf ähnlich starken Stürmern wählen kann - keine einfache Situation.

Hannover. Alles begann 2009: Jörg Schmadtke, der kurz zuvor an die Leine zu Hannover 96 gewechselt war, verpflichtete Didier Ya Konan, ein weitgehend unbeschriebenes Blatt unter den meisten Fußball-Kundigen, für „läppische“ 550.000 Euro. Sonderlich groß waren die Erwartungen an den wendigen und dribbelstarken Stürmer nicht; in Norwegen bei Rosenborg Trondheim galt der damals 25-Jährige, der in 76 Pflichtspielen für den norwegischen Rekordmeister nur 19 Mal einnetzte, nicht als großer Goalgetter. Doch der Ivorer hatte mit 14 Scorerpunkten in 25 Bundesliga-Spielen großen Anteil daran, dass Hannover 96 nach einer schwierigen Saison die Klasse halten konnte.

Schmadtke legt nach


Im Sommer 2010 folgte Mohammed Abdellaoue, ebenfalls verpflichtet aus Norwegen, ebenfalls, mit einer Ablösesumme von rund einer Million Euro, vergleichsweise günstig. Auch er sollte sich als Volltreffer erweisen. Zusammen mit Ya Konan bildete „Moa“ ein brandgefährliches Sturm-Duo, das die „Roten“ mit insgesamt 24 Toren in die Europa League schoss.
2011/2012 schlossen sich Hannover gleich zwei neue Stürmer an: Im Sommer holte Jörg Schmadtke Artur Sobiech, einen 21-Jährigen Polen, der in seiner Heimat als großes Talent gilt und mit 19 Toren und 13 Vorlagen in zwei Jahren „Ekstraklasa“ auf sich aufmerksam machte.

Diouf ohne Anlaufprobleme

Im Winter folgte dann Mame Biram Diouf, der aus der Reserve von Manchester United an die Leine wechselte und mit 1,8 Millionen Euro Ablöse den bis dato teuersten Transfer der Ära Schmadtke darstellte. Während Sobiech mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte, fügte sich Diouf ohne Probleme bei 96 ein und markierte bereits in seinem dritten Bundesliga-Spiel sein erstes Tor in Deutschlands höchster Spielklasse – es sollten noch fünf in der Bundesliga und vier in der Europa League folgen, bis ihn eine schwere Verletzung vorerst außer Gefecht setzte.

Konkurrenz im Angriff

Zusammen mit Jan Schlaudraff, dem Mann für die besonderen Momente bei Hannover, verfügt Erfolgstrainer Mirko Slomka in der laufenden Saison nun also über fünf starke Stürmer, zumal auch Artur Sobiech seine anfänglichen Probleme überwunden zu haben scheint. Sind alle fit, besitzt 96 vor allem in der Breite eine der besten Sturmreihen der Bundesliga, eine Situation, die jedoch nicht nur Vorteile birgt. Der Konkurrenzkampf in Hannovers Sturmspitze ist enorm; steckt jemand in einem Formtief, wie derzeit Mohammed Abdellaoue, in der vergangenen Saison noch bester Torjäger der Niedersachsen, findet man sich ganz schnell auf der Bank oder sogar auf der Tribüne wieder.

Schlaudraff gesetzt

Wirklich gesetzt ist zurzeit nur Jan Schlaudraff, der als hängende Spitze mit seiner Kreativität und seiner Dribbelstärke eine ständige Gefahrenquelle für den jeweiligen Gegner darstellt. Daneben streiten sich gleich vier Spieler um den Platz als zweiten Stürmer. Die besten Karten hat aktuell Didier Ya Konan: Der ivorische Nationalspieler brillierte beim 4:1-Erfolg am 5. Spieltag gegen Nürnberg und erzielte ein Doppelpack. Beim Sieg in der Europa League markierte der 28-Jährige das Siegtor und scheint inzwischen seine alte Form wiedergefunden zu haben. Ya Konans größte Stärke ist seine Beweglichkeit; durch seine Geschwindigkeit und seine Stärke im Dribbling setzt der trickreiche Stürmer seinen Gegenspieler ständig unter Druck. Auf der anderen Seite hat der nur 1,74 Meter große Spieler allein durch seine körperlichen Gegebenheiten Defizite im Kopfballspiel, dazu verheddert sich Ya Konan nicht selten im Dribbling und bleibt an seinem Gegenspieler hängen.

Sobiech im Aufwind


Sein größter Konkurrent ist in der aktuellen Situation Artur Sobiech. Im Gegensatz zum Ivorer entspricht der großgewachsene Pole eher dem Bild eines klassischen Mittelstürmers und kann vor allem auf seine Kopfball- und Abschlussstärke bauen. Dazu zeichnet den 22-Jährigen aus, dass er viel arbeitet, sich auch in der Defensive einschaltet und sich Bälle erkämpft. Dagegen verfügt Sobiech im Gegensatz zu Ya Konan nicht über dessen Fähigkeiten im Dribbling und gehört nicht zu den schnellsten Akteuren im Kader von Hannover. 

Diouf komplett - und fit


Nach seiner auskurierten Verletzung rückt nun auch Mame Diouf wieder in den Fokus. Im Vergleich zu seinen Mitspielern im Sturm ist Diouf der vielleicht kompletteste Spieler. Er ist beweglich, verfügt über einen starken Abschluss mit Fuß und Kopf und schaltet sich auch oft im Spielaufbau ein. Der Senegalese ist im Rückwärtsgang genauso zu finden wie im Spiel nach vorne und zeigt an beiden Enden großen Einsatz. Offensichtliche Schwächen zeigt der 24-Jährige nicht, fraglich ist jedoch, ob er nach seiner Verletzung an seine alte Form anknüpfen und konstant gute Leistungen abliefern kann.
Düster sieht es derzeit bei Mohammed Abdellaoue aus.

Abdellaoue mit Problemen

Der Norweger mit marokkanischen Wurzeln gehörte in den vergangenen beiden Spielzeiten zu den Leistungsträgern. Agierte er auf dem Feld meist unauffällig, war er urplötzlich da, wenn sich die Chance ergab. 21 Bundesliga-Tore erzielte der 26-Jährige so in zwei Jahren. Sein gutes Stellungsspiel und seine große Stärke im Abschluss aus allen Lagen zeichnen Abdellaoue aus, während er sich ansonsten weitgehend aus dem Spielgeschehen raushält. Doch nun befindet sich der norwegische Nationalspieler seit über einem halben Jahr im Formtief und wartet inzwischen acht Monate auf ein Bundeliga-Tor.

Wer sich letzten Endes im Sturm von Hannover 96 durchsetzt, bleibt offen, die Qualität, zum Stammspieler zu avancieren, haben alle Stürmer im Kader der Niedersachsen. Viel hängt dabei auch von Mirko Slomka ab. Er hat die Qual der Wahl, es liegt an ihm, wer spielt und wer die Chance erhält, sich zu zeigen. Es ist vor allem der Verein, der von dem Konkurrenzkampf profitiert, denn durch die hohe Zahl an Alternativen ist gegeben, dass immer der Beste auf dem Platz steht.

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