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Beim VfB gibt es nach dem Fehlstart nicht nur sportliche, sondern auch strukturelle Probleme. Sponsoren beobachten die Entwicklung inzwischen mit Sorge.

Molde/Stuttgart. Es gibt immer mehr Sorgen beim VfB Stuttgart. Nach der Niederlage in der Europa League gegen Molde FK (0:2) liegen die Nerven allmählich blank im schwäbischen Land.

Zu Fuß zum Hotel

Kurz nach Mitternacht verschwanden die Stuttgarter Spieler im Dunkel der Nacht von Molde. Nicht im Bus fuhren sie nach der deprimierenden 0:2-Niederlage in der Europa League zum Hotel, sondern sie gingen zu Fuß. 120 Schritte. Wie einige errechneten. Eine Strafaktion war das allerdings nicht, sondern dem Umstand geschuldet, dass das die Herberge direkt neben dem Stadion lag. Eigentlich schreibt die europäische Fußballverband UEFA die Busfahrt vor. Doch die Stuttgarter hielten sich nicht dran. „Dann hätten wir nämlich 20 Minuten gebraucht“, sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic.

Der frühere Nationalspieler würde sich wünschen, wenn doch alles so einfach zu regeln wäre. Aber das Spiel beim norwegischen Meister Molde FK offenbarte einmal mehr, dass sich die Krise beim VfB mit Platz 15 in der Bundesliga und nur einem Punkt aus zwei Europapokalspielen verfestigt hat. Und ein Gegenmittel scheint nicht so schnell in Sicht zu sein.

„Der letzte Pass“ und „die Zielstrebigkeit“ fehle

Es zeigt sich vielmehr, dass der 2:0-Sieg zuletzt beim 1. FC Nürnberg nur ein positiver Ausrutscher war. Mehr nicht. Schon seit Wochen reden VfB-Trainer Bruno Labbadia und Bobic unisono davon, dass im Angriff „der letzte Pass“ oder „die Zielstrebigkeit“ fehle. Dass die Chancen nicht verwertet würden. Dass der Kader ob des von oben verordneten Sparzwangs zu klein sei. In Molde begann der VfB trotz einiger Verletzungssorgen ordentlich, schwungvoll und erspielte sich zahlreiche Gelegenheiten. Doch nach dem Gegentor „aus dem Nichts“, wie Kapitän Serdar Tasci befand, war es mit dem Eifer schnell vorbei. Man sah niemanden, der der drohenden Niederlage mit Leidenschaft und Wucht begegnet wäre. „Ich bin brutalst enttäuscht“, sagte Labbadia deshalb auch. „Wir haben gewusst, dass durch den Sieg nicht sofort alles wieder gut ist.“



Keine einheitliche Philosophie zu erkennen

Doch beim VfB Stuttgart drängt sich abseits der sportlichen Schwankungen, denen jeder Klub mal mehr oder weniger stark unterworfen ist, vielmehr die Frage auf, welcher Linie, welcher Philosophie die Macher eigentlich folgen. Der VfB steckt mitten in einer Identitätskrise.

Anzeichen dafür gibt es genügend. So wollen viele im Klub nicht wahrhaben, dass es aus der vielfach prämierten Nachwuchsarbeit keine Alternativen für den Profikader geben soll. Wenn man Labbadia ärgern möchte, muss man den 46 Jahre alten Fußballtrainer nur auf dieses Thema ansprechen. Er atmet dann erstmal einmal tief durch und antwortet , dass er einen Plan mit den Spielern habe. Doch wenn es stimmt, dass er bei einem Treffen im Sommer nur über die Schwächen von Jungprofis wie Raphael Holzhauser oder dem in Molde debütierenden Antonio Rüdiger gesprochen hat, sagt das viel aus über deren Stellenwert.

Jugendarbeit gerät ins Wanken

Da passt es auch ins Bild, dass zwei bundesweit renommierte Talentförderer den Verein in Kürze verlassen werden. Frieder Schrof und Thomas Albeck folgen dem ehemaligen VfB-Trainer und Nachwuchskoordinator Ralf Rangnick zu RB Leipzig. Sie hatten großen Anteil daran, dass aus begabten Nachwuchskickern wie Kuranyi, Hinkel, Hildebrand, Hleb, Gomez und Khedira große Nationalspieler geworden sind. „Der Verein tut unheimlich viel, aber das sollte sich auch in der Aufstellung der ersten Mannschaft niederschlagen“, sagte Albeck.

Für Verwirrung bei den Sponsoren sorgt zudem VfB-Präsident Gerd Mäuser, der für ein Konzept der „Jungen Wilden“ wirbt, obwohl dieses Konzept nur auf dem Papier oder in seinem Kopf zu existieren scheint. Eines ist sicher: Es wird ein ungemütlicher Herbst werden in Stuttgart. Nicht nur für Trainer Bruno Labbadia, sondern für den ganzen Klub. Am Sonntag steht schon das nächste Spiel gegen Bayer Leverkusen an.

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