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Willkommen im 21. Jahrhundert. Auch die Zunft der Fußballer hat die Zeichen der Zeit erkannt und nutzt technische Hilfsmittel, um die Spieler bestmöglichst auszubilden.

Manchester. Alles bei Jürgen Klopp muss im Training bei Borussia Dortmund in hoher Geschwindigkeit ablaufen. Dabei sind Technik, Präzision und vor allem Handlungsschnelligkeit gefragt. Der 45-Jährige will den Deutschen Meister und Pokalsieger schließlich dauerhaft in der Spitze etablieren - und damit regelmäßig die Teilnahme an der lukrativen Champions League garantieren. Für dieses Ziel übernimmt bei der Borussia seit kurzem ein Roboter einen Teil der Trainingsarbeit - der sogenannte Footbonaut.

„Das ist das beste Fußball-Trainingsgerät, das ich je gehabt habe“, sagte Klopp zu der Erfindung des Berliners Christian Güttler. Dafür hat der BVB eigens auf dem Trainingsgelände in Brackel eine Halle bauen lassen. In dieser wurde ein 14 mal 14 Meter großer Käfig installiert. An jeder der vier Seitenwände, die sich aus insgesamt 72 Quadraten zusammensetzen, sind jeweils zwei Ballmaschinen installiert. In der Mitte des Kunstrasen-Bodens ist ein Kreis, in dem ein Spieler steht. Auf ein Piepsignal bekommt dieser aus einer der vier Richtungen einen Ball zugeschossen, den er dann in eines der 1,4 mal 1,4 Meter großen Quadrate an den Wänden spielen muss. Das entsprechende Ziel-Quadrat wird erleuchtet.

Bälle bis zu 120 Stundenkilometer schnell

Dem Spieler fordert das hohe Konzentration, Gedankenschnelligkeit und Zielgenauigkeit ab. „Der Footbonaut hilft dir, persönliche Schwachstellen abzubauen oder zu beseitigen, er macht dich schneller und präziser in deinem Spiel“, sagte Dortmunds aus Australien stammender Nachwuchsmann Mustafa Amini bei der Vorstellung in der vergangenen Woche. Das Tempo der Ballmaschinen ist variierbar, auf bis zu 120 Stundenkilometer. Auch der Spin des Balls ist veränderbar, was dann den Schwierigkeitsgrad bei der Annahme erhöht. Pausenlose Wiederholungen sollen bewirken, dass der Spieler die Aktionen zunehmend im Schlaf absolviert und entsprechend auch im Wettkampf anbringt.

„Die Maschine ist dem Menschen überlegen, zumindest was die Regelmäßigkeit in der Passfolge angeht. Man bräuchte 16 Trainer und einen Spieler in der Mitte, um das darstellen zu können“, sagte Klopp. Mit den Daten aus dem Gerät können die Trainer beim BVB die persönliche Entwicklung der Spieler festhalten. Chefscout Sven Mislintat ist überzeugt davon, dass man mit dem Footbonaut die Realität im Wettkampf nahezu erreichen kann, also unter Stressbedingungen Bälle schnellstmöglich sauber zu verarbeiten. „Warum sollte ein Akteur, der Bälle im Footbonaut sukzessive schneller spielt und sie mit zunehmender Sicherheit im Ziel unterbringt, dies nicht auch unter realen Bedingungen auf dem Rasen machen?“, fragt Mislintat.

Entwicklungskosten von 3,8 Millionen Euro

Eingesetzt werden soll das Gerät ganz besonders im Nachwuchsbereich. Doch auch die Stars sollen sich in diesen Käfig stellen, um ihr hohes Niveau zu halten oder noch zu verbessern. „Ich finde das sehr interessant“, sagte Dortmunds Fußballer des Jahres Marco Reus. Tüftler Güttler hat die Fußball- Maschine mit seiner Firma CGoal entwickelt. Ballmaschinen gehören im Tennis und US-Baseball zu Standard-Trainingsgeräten. Die zahllosen Wiederholungen fördern die Verfestigung der Bewegungsabläufe. „Wenn ein Spieler fünfzehn Minuten da reingeht, hat er fast so viele Ballkontakte wie sonst in einer normalen Trainingswoche“, sagt Güttler.

2008 stand der erste Prototyp, die Entwicklungskosten haben damals 3,8 Millionen Euro betragen. Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs hatten Interesse, zugeschlagen nach langen Gesprächen und Testphasen seit 2010 hat nun Borussia Dortmund. Der achtmalige Meister hat sich dieses Gerät eine Million Euro kosten lassen. „Wir haben auf Jahre hinaus extreme Effekte für die Spieler“, sagt Klopp. „Das heißt nicht, dass man auf einmal 20 anstatt zehn Tore erzielt. Die technische Ausbildung wird aber auf eine andere Basis gestellt. Damit ist jeder Euro perfekt investiert.“

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