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Fürth-Trainer Mike Büskens über seine Trainer-Zukunft, seine Heimat Düsseldorf und eine Millionenspende.

Fürth. Greuther Fürths Trainer Mike Büskens spricht im Exklusivinterview mit dapd über die finanziellen Möglichkeiten des nächsten Gegners Fortuna Düsseldorf, seine Trainer-Zukunft und eine Spende von vier Millionen Euro.

Am vergangenen Wochenende haben Sie mit Greuther Fürth bereits den vierten Punkt eingefahren, jetzt kommt die Fortuna aus ihrer Heimat Düsseldorf. Wäre der Klassenerhalt eine noch größere Leistung als der Aufstieg mit den vermeintlich „Unaufsteigbaren“?

Mike Büskens: „Definitiv. Wir haben uns von einer Mannschaft auf Platz 15 zu einer entwickelt, die völlig zu Recht die Zweitliga-Meisterschaft gewonnen hat. Aber jetzt sind die Hürden viel höher. Man muss nur schauen, was Düsseldorf machen konnte auf dem Transfermarkt. Oder auch Frankfurt, die konnten fünf Millionen investieren. Das sind Summen, die für uns weit weg sind. Da sehen wir rasch unsere Grenzen. Deshalb: Der Aufstieg war eine große Aufgabe. Drinzubleiben ist eine noch größere, der wir uns gern stellen.

Fürth baut ein neues Stadion. Ist das ein zusätzlicher Anreiz, Ihren 2013 auslaufenden Vertrag langfristig zu verlängern?

Büskens: „Als ich hier hinkam, Ende 2009, gab es zwischen dem Präsidenten und mir eine inoffizielle Absprache: Der Vertrag geht eineinhalb Jahre. Aber wenn ich merke, das funktioniert nicht, kann ich schon nach einem halben Jahr in die Tonne kloppen. Jetzt bin ich schon fast drei Jahre hier. Wir sind mit der Art und Weise, wie wir umgehen, sehr gut gefahren. Wir gehen immer Schritt für Schritt. Wir wissen, was wir aneinander haben. Ich weiß zu schätzen, dass der Verein sich positioniert hat: Wenn Sie für fünf oder mehr Jahre unterschreiben wollen, machen wir das auch.“

Können Sie sich vorstellen, irgendwann Ihre in Gelsenkirchen wohnende Familie nach Fürth zu holen?

Büskens: „Es funktioniert momentan sehr gut, wie es ist. Es ist halt die Frage, ob man die Kinder aus ihrem Umfeld raus reißen möchte. Beide sind in einem Alter, wo sie die gleiche Schule besuchen. Sie haben ihren Freundeskreis da. Es wäre riskant, wenn man sie aus ihrem Umfeld raus reißt. Und du weißt nie, was dieser Sport bringt.“

Sie hatten ja auch ein Angebot von Köln. Sind Sie mit Blick auf die Ereignisse der letzten Monate auch rund um den Fall Pezzoni froh, in Fürth geblieben zu sein?

Büskens: „Ich wünsche dem FC, dass er wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät. Das ist ein Traditionsverein, der sein Anrecht auf einen Platz in den Bundesligen hat. Ich wünsche dem Vorstand, dass er das Schiff durch unruhige Zeiten führen und stabilisieren kann. Die Schlagzeilen rund um den FC sind sehr bedauerlich. Ich bin definitiv ein großer Kritiker von Übergriffen. Ich finde es nicht gut, wenn Leute den Platz stürmen oder Spieler bis vor die Haustür verfolgt und Schläge angedroht werden. Das ist nicht mein Verständnis von Fußball erleben. Man sollte die Ziele des Vereins mit voller Leidenschaft verfolgen, das darf aber nie zu solchen Ereignissen führen.“

Sie haben am ersten Spieltag daheim gegen den FC Bayern gespielt, danach kam mit Schalke der nächste Verein, der in der Champions League spielt. Ist es ein Traum von Ihnen, mal bei einem Verein in der europäischen Königsklasse auf der Bank zu sitzen?

Büskens: „Vor fünf Jahren war es mein Ziel, bis zur Rente die U23 von Schalke zu trainieren. In der Aufgabe bin ich komplett aufgegangen. Das war die perfekte Symbiose zwischen Beruf und Familie. Ich konnte meine Kinder durch Krabbelgruppe, Babyschwimmen, Kindergarten, Grundschule live begleiten. Das habe ich als großen Luxus empfunden. Ich hätte mir damals nie vorstellen können, bei einem Bundesliga-Spiel auf der Trainerbank zu sitzen. Dann bekommst du einen Anruf von Andi Müller: Du musst uns jetzt helfen. Es gibt halt immer wieder Dinge, die man im Leben nicht eingeplant hat und die dann doch so kommen.“

So, wie das Angebot von Greuther Fürth...

Büskens: „Genau. Ich lebe immer in der Gegenwart: Die bedeutet für mich Greuther Fürth und das mit voller Leidenschaft und ganzem Herzen. Wenn ich diese Aufgabe noch zwei, drei Jahrzehnte habe, ist es schön. Wenn es irgendwann mal heißt: Mach was anderes, werde ich auch eine andere Aufgabe finden. Und wenn das irgendwann Champions League ist, dann ist es halt so. Aber das ist nicht der größte Wunsch, und das schließe ich auch nicht in mein Abendgebet ein. Ich habe Spaß an meinem Job. Das ist entscheidend. Auf welcher Ebene, spielt eine untergeordnete Rolle.“

Schaut man trotzdem manchmal neidisch zu Bayern München, die für einen Martinez 40 Millionen Euro ausgeben können?

Büskens: „Unser Etat liegt bei zwölf Millionen. Für 40 Millionen könnten wir als Verein drei Jahre locker bestehen. Und könnten noch vier Millionen spenden für einen guten Zweck (lacht). Das sind Bereiche, da werden wir uns nie wiederfinden. Deshalb brauchen wir da auch nicht neidisch rüber zu schauen. Es ist eine Auszeichnung für den deutschen Fußball, dass Spieler wie Afellay, van der Vaart, Martinez oder zuvor Raul in die Bundesliga kommen. Wenn wir hier in Fürth die kleinste siebenstellige Summe investieren wollen, da kriegen wir alle Schüttelfrost. Das ist die Realität und trotzdem müssen wir versuchen, in dieser Liga konkurrenzfähig zu bleiben.“

EURE MEINUNG: Büskens langfristig in Fürth - was haltet ihr davon?
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