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Der 40-Jährige hat in seiner kurzen Zeit als Trainer so einiges erlebt. Immer wieder gab es jedoch Komplikationen mit seinen Arbeitgebern – folgt nun auch das Chaos im Kraichgau?

Sinsheim. Bei der TSG 1899 Hoffenheim stehen die Zeichen auf Sturm. Nach der blamablen 0:4-Klatsche beim Regionalligisten Berliner AK 07 und dem damit verbundenen Erstrunden-Aus im Pokal folgte mit null Punkten und 4:11 Toren der Katastrophenstart in die Bundesliga. So winken die Sinsheimer mit der roten Laterne vom Tabellenende. Mitten drin ein ratlos wirkender Markus Babbel, der immer noch vollmundig den Europapokal als Saisonziel ausgibt. Allerdings stellt sich die Frage, ob und wie lange der Trainer noch weiter wurschteln darf oder ob er erneut einen Scherbenhaufen hinterlassen wird. Es wäre nicht das erste Mal.

Zwei Heimspiele als Chance

Die Chance auf eine Trendwende im Kraichgau ist da. Mit den Eurofightern aus Hannover und dem FC Augsburg hat die TSG Hoffenheim in der Wirsol Rhein-Neckar-Arena hintereinander zwei Gegner vor der Brust, die ihre Punkte vorzugsweise zuhause einfahren. Hannover muss den Europapokalauftritt von Donnerstag verdauen, Augsburg hat den Saisonauftakt ebenfalls vergeigt und sucht noch nach der richtigen Form.  Zudem wurde mit Andreas Müller ein neuer Manager verpflichtet, der den auf diesem Posten gescheiterten Markus Babbel ersetzt und ihn nun entlasten will. Noch ist Müller optimistisch und hat „die gleiche Vorstellung von Fußball“ wie der Trainer, der sich wiederum über das Vertrauen des neuen Sportdirektors freut. Doch nun muss der Coach endlich Ergebnisse vorweisen, die seichte Aufbruchsstimmung nutzen und die nächsten beiden Heimspiele gewinnen. Andernfalls kann er bereits bei seinem dritten Arbeitgeber auch zum dritten Mal den Hut nehmen.

Als Manager überfordert

Dass Mäzen Hopp beziehungsweise irgendwer aus der Vereinsführung seinerzeit Babbel auch den Managerposten übertrug, erwies sich im Nachhinein als keine besonders pfiffige Idee. Der gebürtige Münchner sollte den Umbruch vorantreiben, holte zu diesem Zweck einige Spieler ablösefrei und auf Leihbasis, gab auf der anderen Seite aber auch über 13 Millionen Euro an Ablösesummen aus. Dabei unterschätze er die Unwägbarkeiten eines Umbruchs ebenso, wie er die Qualität seines zusammengestellten Kaders überschätzte. Überdies fügte der hoffnungslos überforderte Manager Babbel der Großbaustelle Hoffenheim noch weitere hinzu und wurde nicht müde Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen.

Falsche Personalentscheidungen und öffentliche Spielerschelte

Lange vor dem Beginn der aktuellen Spielzeit sägte der Trainer den Publikumsliebling, Leader und kritischen Zeitgenossen Tom Starke ab und installierte dafür ausgerechnet den jüngst in der Nationalmannschaft aussortierten Tim Wiese. Mit dem beim Sinsheimer Publikum verhassten Ex-Bremer brachte er dieses schnell gegen sich auf. Zudem bringt der Torhüter keine Qualität mit, die einem Tom Starke besonders abging. Vielmehr patzte sich Wiese bislang durch den Saisonstart und war als neuer Kapitän nicht in der Lage die Mannschaft zu führen. Dem sensiblen Andreas Beck wurde dafür erst die Binde weggenommen, dann wurde er vom Trainer öffentlich kritisiert und schließlich zum Ersatzspieler degradiert. 

Der ebenfalls empfindsame Leistungsträger und Standardspezialist Sehad Salihovic hätte das Kapitänsamt gerne übernommen, doch auch ihn stellte Babbel ebenso lieber öffentlich an den Pranger.Das gleiche geschah mit dem niederländischen Star Ryan Babel, dessen Potenzial der Trainer nicht herauskitzeln konnte und den er gemeinsam mit dem erfahrenen Kollegen Edson Braafheid zu den Amateuren schickte. Nachdem Babels Vertrag verlustreich aufgelöst wurde, zeigte dieser unter der Woche, dass er gegen Borussia Dortmund mit seinem neuen Arbeitgeber Ajax Amsterdam zumindest in der Champions League mithalten konnte. Unterm Strich steht eine Bilanz des Grauens für Manager und Trainer Markus Babbel und in Sinsheim hofft man nun auf Andreas Müller, der dringend regulativ eingreifen muss.

Entlassung beim VfB Stuttgart

Der 40-Jährige hat sich die Suppe in Hoffenheim selbst eingebrockt und es bleibt abzuwarten, ob er sie auch selbst auslöffeln darf. Bei seinen bisherigen Arbeitgebern VfB Stuttgart und Hertha BSC durfte er dies freilich nicht. Auch dort war Babbels Arbeit allenfalls durch erfolgreiche Zwischenhochs geprägt und es folgte später die Entlassung. So beerbte der Münchner bei seiner ersten Trainerstation Meistercoach Armin Veh, der mit dem VfB nach dem 14. Spieltag in der Saison 2007/2008 lediglich Rang 11 belegte. Babbel leistete zunächst gute Arbeit und führte die Schwaben noch auf den dritten Tabellenrang. Doch dann ging es auch schnell wieder bergab. Die Hinrunde der folgenden Spielzeit zeigte eine deutliche Parallele zur Vorsaison und so musste Babbel nach dem 15. Spieltag beim VfB Stuttgart die Segel streichen, der sich zu diesem Zeitpunkt in akuter Abstiegsnot befand.

„Rosenkrieg“ bei der Hertha

Den bisherigen Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Babbel bei Hertha BSC, wo er am 18.12.2011 besonders medienwirksam entlassen wurde. Hier gelang ihm mit der „alten Dame“ zunächst der direkte Wiederaufstieg in die erste Bundesliga. Das war allerdings angesichts des hohen Etats und des erstklassigen Kaders auch ein absolutes Muss. Den Start in die Spielzeit 2011/2012 darf man durchaus als gelungen bezeichnen, auch wenn sich der durch Manager-Novize Michael Preetz und Markus Babbel zusammengestellte Kader im Nachhinein nicht eben als erstligatauglich erwies. Es folgte zwar eine Niederlagenserie, doch trotzdem war man in der Hauptstadt um Klarheit bezüglich der Zukunftsplanung bemüht und somit auch gewillt den auslaufenden Vertrag mit dem Trainer zeitnah zu verlängern.

Doch es kam zu einem öffentlichen „Rosenkrieg“ zwischen Sportdirektor und Trainer, dessen Rückhalt bei den Hertha-Anhängern bröckelte, nachdem er den typischen Berliner zuvor als „Größenwahnsinnigen“ titulierte, der laut wäre, viele redete, aber wenig täte. Bei dieser Schlammschlacht ließ sich der Schuldige kaum ausmachen, da sich alle Parteien  nicht eben mit Ruhm bekleckerten. Doch noch heute ranken sich in der Hauptstadt viele schlimme Gerüchte um Babbels Privatleben, die -richtig oder falsch- schwer an der Reputation des eigenwilligen Coaches kratzen.

Letzte Chance Hoffenheim?

Ohne Frage steht der 40-Jährige gerade am Scheitelpunkt seiner noch jungen Trainerkarriere. Seinen Fokus sollte er auf die intensive Arbeit mit der TSG Hoffenheim legen, um dort die Karre zeitnah aus dem Dreck zu ziehen. Das öffentliche Polarisieren sollte Babbel dabei lassen und sich nicht, wie zuletzt, in die Belange des Bundestrainers einmischen. Denn sonst droht nicht nur der Verlust seines bis dato noch komfortablen Arbeitsplatzes, sondern auch ein dauerhafter Verbleib auf dem Arbeitsmarkt. Markus Babbel sollte also die Trendwende gegen Hannover 96 einleiten, andernfalls könnte ausgerechnet das zuletzt tätowierte Hertha-Wappen das vorerst letzte Vereinsemblem auf seinem prächtig schillernden Arm sein.

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