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Borussias Mönchengladbach testet weiter für die kommende Saison in der Bundesliga und Europa. Gegen den FC Sevilla wurde deutlich, dass dabei noch einiges an Arbeit wartet.

Mönchengladbach. Zum ersten Mal in der Saisonvorbereitung wurde Borussia Mönchengladbach ernsthaft gefordert. Der FC Sevilla, neunter der vergangenen Spielzeit in der Primera Divison, war zu Gast im Borussia-Park. Gegen die Spanier, die nach eigenen Angaben in der kommenden Runde einen Platz unter den ersten sechs anpeilen, offenbarten die Fohlen zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel gegen Alemannia Aachen einige Schwächen.

Fehlende Offensivkultur

„Luuk kam nach seiner Mandel-OP zu uns ins Trainingslager und hat gut trainiert, auch in der letzten Woche. Aber er braucht einfach noch Zeit. Es kann nicht sein, dass er schon fit ist.“ - Lucien Favre über Neuzugang Luuk de Jong.




Die Zuschauer rieben sich teils verwundert die Augen. Von der Borussia aus der vergangenen, so erfolgreichen Saison, war nichts mehr zu sehen. Keine Offensivpower. Keine Spielzüge zum mit der Zunge schnalzen. Die erste Erklärung dafür ist ganz einfach: Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre befindet sich aktuell rund zwei Wochen vor dem Beginn der neuen Saison und somit noch in der Vorbereitung. Dem VfL fehlt also noch die nötige Spritzigkeit und Feinjustierung im spielerischen Bereich.

Eine Erklärung, die der aktuellen Lage der Fohlen allerdings nicht vollends gerecht wird. Gladbach hat aktuell noch große Probleme im Offensivbereich. Was sich nach der Verpflichtung Luuk de Jongs als ein schlechter Witz anhört, ist für Trainer Lucien Favre nicht verwunderlich. „Für mich kam das heute nicht überraschend“, sagte der Romand nach dem 0:0 gegen Sevilla und zeigte sich dabei alles andere als zufrieden mit dem Spiel nach vorne. „Verteidigen, das können wir“, meinte Favre. „Aber du kannst nicht nur verteidigen. Du musst Fußball spielen. Nur zurücklehnen und warten, das geht nicht.“

Die Suche nach der Handlungsschnelligkeit

Die 90 Minuten seines Teams waren in der Offensive gelinde gesagt eine Katastrophe - der Fingerzeig auf die noch andauernde Vorbereitungszeit entlastet die Mannschaft dahingehend nur wenig. Wir haben zu langsam gespielt, weil die Ballannahme und die Bewegung zu langsam war, resümierte der Romand. „Du brauchst Durchschlagskraft, sonst ist es schwer. Punkt.“

Der Schweizer Erfolgscoach fasste den Status quo seiner Mannschaft in nur wenigen Sekunden zusammen. Du brauchst diese Durchschlagskraft. Die kann man nicht einfach so erfinden. Ansonsten ist es unmöglich im 4-4-2 zu spielen. Jenes 4-4-2, das die Borussia in der abgelaufenen Spielzeit so erfolgreich machte, könnte ihr nun zum Verhängnis werden. Es sei denn, Favres Schützlinge finden schnellstens zu einer verbesserten Handlungsschnelligkeit.

Reus hinterließ ein „Geschwindigkeitsvakuum“

Gegen einen Gegner wie dem FC Sevilla wird erst das große Loch sichtbar, welches Marco Reus mit seinem Weggang zu Borussia Dortmund hinterlassen hat. Einen Spieler zu finden, der den Nationalspieler 1:1 ersetzt ist unmöglich. Jemanden zu finden, der einen ähnlichen Ideenreichtum entwickelt und eine Extraportion Schnelligkeit mit einbringt, sollte jedoch die Aufgabe in den kommenden Wochen sein.
Gladbachs Spiel wirkt ohne ihren einstigen Star statisch, durchsichtig und langsam. „Marco ist weg“, blockte Führungsspieler Mike Hanke sämtliche Anspielungen ab. „Wir müssen jetzt andere Lösungen finden. Und zwar schnell.“

Eine Abkehr vom 4-4-2 zum 4-2-3-1 könnte dem Spiel der Gladbacher unter Berücksichtigung des vorhandenen Spielermaterials dabei durchaus gut tun. Dabei würde dem hochtalentierten Amin Younes eine tragende Rolle als beinahe klassischen „Zehner“ zuteilwerden, alternativ hat auch Neuzugang Granit Xhaka in der Schweizer Nationalmannschaft bereits sein Können auf der offensiveren Position nachgewiesen. Ein kompaktes defensives Mittelfeld sowie ein offensiver Feingeist, flankiert von zwei spielstarken Außen, könnte das Angriffsspiel der Borussia neu beleben – auch ohne die sicherlich arg vermissten Qualitäten eines Marco Reus.

Favrei zeigt sich unbeeindruckt

 „Ich suche die Effizienz“, gab Lucien Favre zu Protokoll. Gleichzeitig beteuerte er aber „einen Plan zu haben“ und in den kommenden Tagen an der Feinjustierung im Offensivspiel zu feilen. So war er 10 Minuten nach dem Spiel auch nicht mehr allzu arg angesäuert: „Am Ende gab es diese große Torchance für Sevilla nach der Flanke, das darf nicht passieren. Aber ansonsten haben wir nicht viel zugelassen. Das war für mich wichtig gegen diese Mannschaft.“

Hinten ordentlich, nach vorne mehr als ausbaufähig – Lucien Favre wirkt nicht so als würde ihn diese Tatsache zwei Wochen vor Saisonbeginn allzu sehr bedrücken. Angesprochen ob er sich Sorgen mache sagte der Schweizer gewohnt süffisant: „Ich mache mir immer Sorgen. Gestern war ich in Aachen. Dritte Liga, das Stadion war voll. Das ist immer gefährlich.“ „Aber“, sagte er, „bis dahin sind es noch zwei Wochen“.
In dieser Zeit dürfte das „Superhirnli“ auch die letzte Baustelle in der Offensive abgeschlossen haben. Einem Systemwechsel ist der Schweizer dabei nicht gänzlich abgeneigt. „Wir müssen die nächsten Tage schauen. Ob 4-4-2 oder 4-2-3-1 – viel Unterschied besteht ohnehin nicht. Wichtig ist, dass wir nach vorne Durchschlagskraft erzeugen.“

EURE MEINUNG: 4-4-2 oder 4-2-3-1 - was ist das vielversprechendste System für die Borussia?
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