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Linksverteidiger sind eine rare Spezies und Marvin Plattenhardt vom 1. FC Nürnberg gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchspielern. Goal.com mit einem Blick auf den „Clubberer“

Nürnberg. Nein, Heimweh habe er nicht, erklärt Marvin Plattenhardt. Zu lange schon lebt der Linksverteidiger in Nürnberg und hat sich dort hervorragend eingelebt. Außerdem fahre er oft nachhause, vor allem an den Sonntagen nach Punktspielen. Wie so einige Spieler, die in den letzten beiden Jahren beim 1. FC Nürnberg groß aufspielten – beispielsweise Julian Schieber, Dominic Maroh oder Daniel Didavi – stammt auch Marvin Plattenhart aus dem „Ländle“, wo er 1992 in Filderstadt südlich der würtembergischen Landeshauptstadt Stuttgart geboren wurde.

2008 zog es den Verteidiger dann nach Franken – zum 1. FC Nürnberg. Seitdem ging es kontinuierlich vorwärts: Von der Jugend in Nürnbergs Zweite, von dort 2010 sogar in die Bundesligamannschaft der „Clubberer“, wo er zu den ersten Einsätzen im deutschen Oberhaus kam. Gleichzeitig feierte Plattenhardt seine größten Erfolge mit dem Junioren-Nationalteam.

Im Sommer 2009 gewann Plattenhardt an der Seite von Mario Götze und Marc-Andre ter Stegen die U-17 Europameisterschaft in Deutschland. Der damals 17-Jährige bestritt alle Partien des Turniers, nahm anschließend noch an der U-17 Weltmeisterschaft teil, bei der die Deutschen Junioren allerdings im Achtelfinale scheiterten. Seitdem hat Plattenhardt alle anschließenden Jugendmannschaften des DFB durchlaufen und ist derzeit Teil des U-21 Teams unter Rainer Adrion.

 Marvin Plattenhardt | Bundesliga-Blianz für den 1. FC Nürnberg
Saison Spiele
Tore / Assists
Minuten Startelfeinsätze
 2011-2012 9 0 / 3
1107 8
 2010-2011 9 0 /0
363 4
Gesamt 18 0 / 3
1470 12


Kein Wunder: Gute Linksverteidiger haben heute europa- und weltweit einen gewissen Seltenheitswert und Plattenhardt gehört den vielversprechendsten deutschen Nachwuchskräften auf dieser Position. Beim „Club“ reichte es für den talentierten Linksfuß bisher dennoch nicht für einen festen Stammplatz. Obwohl Plattenhardt sich als 17-jähriger Europameister empfahl und in der Saison 2010/11 bereits 363 Minuten Bundesliga-Erfahrung sammelte, kam er in der letzten Spielzeit noch nicht am erfahrenen Publikums-Liebling Javier Pinola vorbei. Erst als das argentinische Rauhbein mit einer Schambeinentzündung ausfiel, durfte Plattenhardt zum Ende der Hinrunde regelmäßig ran und kam auf neun Einsätze.

Zwei Spieltage dürften ihm dabei in Erinnerung bleiben: Am 10. Spieltag spielte Plattenhardt beim 2:2 gegen Stuttgart zum ersten Mal in der Saison über die volle Distanz. Dabei trat der Verteidiger die Ecke vor der 1:0-Führung durch Timothy Simons (10.). In der 71. Minute zirkelte er einen Freistoß auf den Kopf von Innenverteidiger Philipp Wollscheid, der zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung einköpfte. Allerdings ging nur der zweite Assist in die offizielle Statistik ein. Dafür steuerte Plattenhardt beim 3:0 gegen Leverkusen am 17. Spieltag zwei Vorlagen durch von ihm getretene Ecken bei – die Kollegen Hegeler und Pekhart verwerteten zum 2:0 und 3:0.

Drei Tore nach Hereingaben des Außenverteidigers zeigten zum Einen seine Stärken: Neben seiner Schnelligkeit ist Plattenhardt ein mehr als ordentlicher Flankengeber. Dabei behauptet er von sich, gerade in der Vorwärtsbewegung noch Verbesserungspotential zu besitzen. Rückblickend erinnert er sich aber auch an schwächere Momente. Während den beiden 0:4-Klatschen in der Münchner Allianz-Arena oder auf Schalke stand auch Plattenhardt das ein oder andere mal falsch. „Die haben uns gut ausgespielt. Die Schnittstelle war da vielleicht zu weit offen, da hätte ich weiter einrücken müssen“, erinnert sich der 20-Jährige im exklusiven Gespräch mit Goal.com selbstkritisch an das 2:0 auf Schalke durch Raul.



Nürnberg-Coach Dieter Hecking setzte seinen Youngster trotz insgesamt vorzeigbarer, aber auch schwankender Leistungen zu Beginn der Rückrunde dennoch erst einmal auf die Bank und gab Neuzugang Adam Hlousek den Vorzug links hinten. Später war Pinola wieder einsatzbereit. „Ich bin ein junger Spieler, auch Tiefen gehören zur Entwicklung“, resümierte Plattenhardt die Auszeit im kicker. Weil Hlousek sich Ende der Saison jedoch einen Kreuzbandriß zuzog, sah man am Valznerweiher aber von einer Ausleihe für Plattenhardt ab, der nun wieder als einziger Backup für Pinola in den Startlöchern steht. Zu Beginn der Spielzeit 2012/13 läuft also alles wieder auf den Zweikampf Pinola – Plattenhardt hinaus.

Gut möglich zwar, dass Pinola erst mal die Nase vorne hat. Dran bleiben will Marvin Plattenhardt aber trotzdem: „Ich lauere auf meine Chance, will mich im Training reinhängen und meine Chance nutzen, wenn sie kommt“, sagt er im Gespräch mit Goal.com. Noch sind es mehr als vier Wochen und ein Trainingslager bis zum Bundesligabeginn – jede Menge Zeit, sich zu empfehlen. Und auch wenn der Startelfplatz erstmal an Pinola gehen sollte, Plattenhardt wird es verkraften können: Mit 20 steht der gebürtige Schwabe erst am Anfang seiner Karriere.

 Marvin Plattenhardt bei den DFB-Junioren
Team Spiele
Tore / Assists
 U 21 3 0 /0
U 19 12 0 / 3
U 18 6 0 / 0
U 17 24 0 / 1
Gesamt 45 0 / 4


Ein klares Ziel hat Nürnbergs Nummer 21 aber für die kommende Spielzeit: Die 1107 Bundesliga-Minuten der letzten Saison toppen. Auch in der U-21 Nationalmannschaft will er weiter Zeichen setzen. Sollte es so weitergehen wie bisher, könnte der Nürnberger irgendwann auch zum Perspektivspieler für die A-Mannschaft werden. Hinter Lahm, Schmelzer und Aogo gibt es nicht mehr allzu viele Nachrücker.

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