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„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt Hertha BSC das Jahreszeugnis aus. Klassenziel erreicht?

Verein: Hertha BSC
Bundesliga: Platz 16
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale

Zielsetzung: Der sichere und frühzeitige Klassenerhalt wurde nach dem direkten Wiederaufstieg als das einzige Ziel ausgerufen - ganz wie es sich für die Sprachregelung eines Aufsteigers gehört. Insgeheim mag der ein oder andere aber schon wieder von oberen Tabellenregionen geträumt haben.

LIGA & POKAL - Note: mangelhaft (5)

Die Hinrunde, die mit Tabellenplatz 11 und 20 Punkten beendet wurde, verlief noch äußerst passabel. Das Wort Abstieg war vor dem Jahr 2012 noch lange nicht in aller Munde. Was folgte, war die Entlassung von Trainer Markus Babbel im Dezember, das Engagement von Michael Skibbe, und dann - der freie Fall: Eine katastrophale zweite Halbserie, in die man mit sechs Niederlagen in Folge startete. Am Ende waren es derer zwölf, bei gerade mal drei Siegen. Dazu gesellten sich Undiszipliniertheiten, Eigentore und schockierend schwache Auftritte in entscheidenden Partien.

Im Pokal schaffte es die Hertha immerhin erstmals seit fünf Jahren wieder ins Viertelfinale, wo man etwas unglücklich ausschied. Gladbachs Igor de Camargo nutzte in der Endphase der Partie eine geringe Berührung von Roman Hubnik zu einer oscarreifen Schauspieleinlage, Schiri Brych fiel darauf rein und zeigte dem Tschechen Rot. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ging schief, was schief gehen konnte. Das insgesamt gute Abschneiden im Pokal verhindert aber gerade noch die Gesamtnote Sechs. 



UNTERHALTUNG - Note: mangelhaft (5)

Einige gute Spiele gab es sogar: Der 2:1-Sieg in Dortmund, das 3:0 gegen Köln oder die beiden Torschlachten gegen Bayer Leverkusen (3:3), die durchaus einen hohen Unterhaltungswert hatten. Ebenso wie das 3:1 gegen Hoffenheim am letzten Spieltag, das erst die Relegation sicherte. Dies sind allerdings nur wenige lichte Momente in einer Reihe teilweise grottiger Spiele, in denen Herthas Team ein ums andere Mal kraft-, saft- und völlig mutlos agierte und die Fans durch Platzverweise und Eigentore eher schockierte, denn amüsierte. Absolute Tiefpunkte waren die 0:5-Klatsche in Stuttgart, das 0:6 gegen die Bayern oder die bittere 1:2-Heimniederlage gegen den Absteiger aus Kaiserslautern - zu einem Zeitpunkt, als es für die Hertha noch um alles ging.

Das muss man zugestehen: Es blieb spannend bis zum Ende. Was aber weniger an den Herthanern lag, als an der Tatsache, dass der FC Köln nahezu synchron noch einen Tick schlechter spielte und sich noch vor der Hertha für den Direktabstieg qualifizierte. Was aber vor allem den Fans schwer im Magen gelegen haben dürfte, ist Herthas Heimkomplex: Nur vier Siege gab es im meist gut gefüllten Olympiastadion vor dem eigenen Anhang und der Ostkurve! Dazu war auch die mentale Verfassung der Mannschaft äußerst mangelhaft: Hertha konnte keinen einzigen Rückstand in dieser Saison drehen. Bei Rückschlägen brach das Team mit erschreckender Regelmäßigkeit ein.

TRANSFERMARKT - Note: mangelhaft (5)

Im Sommer kamen mit Thomas Kraft und Andreas Ottl nach Christian Lell zwei weitere Spieler mit dem Bayern-Gen. Ottl spielte eine solide Hinrunde, verlor aber vor allem im Abstiegskampf immer mehr an Standing und wurde zuletzt von Rehhagel, der ihm mangelnde Körpersprache attestierte, gänzlich aussortiert. Offensiv kam fast gar nichts von Ottl, der insgesamt nur einen einzigen Assist beisteuerte. Kraft hingegen kann als der einzige Transfer-Volltreffer bezeichnet werden: Der Keeper zeigte konstant gute Leistungen, hielt sein Team mehrmals im Spiel und ging voran, als die Zeiten rauer wurden.

Tunay Torun und Änis Ben-Hatira, beide vom HSV gekommen, zeigten viel Schatten, aber auch etwas Licht. Beide galten lange Zeit als reine Mitläufer. Torun kam aber wenigstens auf vier Treffer. Ben-Hatira mauserte sich zum Saisonabschluss nochmal zum entscheidenden Mann, als er am letzten Spieltag den wichtigen Doppelpack beim Sieg über Hoffenheim erzielte, dazu in der Relegation eine Vorlage und einen Treffer beisteuerte. Im zweiten Relegationsspiel gegen Düsseldorf leistete er mit seinem Platzverweis dem Team gegenüber aber einen Bärendienst.

Maik Franz (Eintracht Frankfurt) fiel seit Mitte der Hinrunde aus und ist daher nicht zu bewerten. Felix Bastians, der zu Beginn der Rückrunde vom SC Freiburg, dem damaligen Abstiegskandidaten Nummer Eins, an die Spree wechselte, enttäuschte hingegen auf ganzer Linie. Vor allem in den Rückrundenspielen gegen Wolfsburg und Schalke zeigte sich der 24-Jährige komplett indisponiert. Dafür hinterließen Nachwuchskräfte aus der eigenen Jugend wie Fanol Perdedaj und Fabian Holland zumindest in den letzten Spielen einen ordentlichen Eindruck.

Die Saison hat auch gezeigt, dass man auf unerwartete Leistungstiefs, wie das von Stürmer Adrian Ramos, keine wirklichen Alternativen hatte. Auf die Verletzung von Franz und Mijatovic wurde in der Winterpause überhaupt nicht reagiert. Folge war die zwischenzeitliche Innenverteidiger-Misere im neuen Jahr, als neben Franz und Mijatovic auch noch Hubnik und Neumann ausfielen und Außenverteidiger Bastians oder Sechser Niemeyer in der zentralen Defensive aushelfen mussten.



TRAINER & UMFELD - Note: ungenügend (6)

Trainer? Welcher denn? Manager Michael Preetz sägte wegen persönlicher Differenzen im Dezember Aufstiegstrainer Markus Babbel ab, der mit der Hertha bis dahin 20 Punkte und manch einen Achtungserfolg eingefahren hatte. Die Auswirkungen auf die fortan völlig verunsicherte Mannschaft waren kaum zu übersehen. Der von Preetz schnell installierte Michael Skibbe kassierte fünf Niederlagen nacheinander. Für ein Spiel übernahmen die Co-Trainer Tretschok und Covic, bevor Preetz PR-reif Otto Rehhagel aus dem Hut zauberte. Der Altmeister, der weder mit der Mannschaft noch mit dem Umfeld richtig vertraut schien, konnte den freien Fall aber auch nicht verhindern. Elf Punkte gab es nur noch in der Rückrunde - und erst am letzten Spieltag rettete sich die Hertha in die Relegation.

Insofern ist es schwer, eine einzelne Trainerleistung zu bewerten. Das Kommen und Gehen liegt in erster Linie am chaotischen Umfeld, für das nunmal Manager Preetz verantwortlich ist. Vier Trainer hat Preetz seit seiner Amtsübernahme verschlissen: Favre, Funkel, Babbel und Skibbe. Was fast noch schwerer wiegt, sind die image-schädlichen Schlammschlachten, die es mit Favre und Babbel gab. Dabei hatte sich der frühere Hertha-Stürmer vor allem Kontinuität und mehr Volksnähe auf die Fahnen geschrieben. Am Ende hat er, anders lässt sich das kaum sagen, das genaue Gegenteil erreicht und den Verein zumindest für das Verständnis der meisten Fans völlig unnötig und mit hausgemachten Problemen an Rande des Abgrunds geführt. Nun steht der zweite Abstieg seiner Amtszeit und innerhalb von drei Jahren bevor.

DER BEGEHRTE
DER KÄMPFER
DAS RÄTSEL


GESAMTNOTE - Note: mangelhaft (5)

Völlig unabhängig davon, wie das DFB-Urteil über ein mögliches Wiederholungsspiel in der Relegation ausfällt: Diese Saison war für „alte Dame“ völlig verkorkst, ein möglicher Abstieg völlig unnötig. Angesichts der oftmals beschworenen Qualität des Berliner Kaders und der guten Hinrunde kann ein Sturzflug wie in der zweiten Saisonhälfte nur als Desaster bewertet werden. Zu dem sportlichen Niedergang kam auch noch eine mangelhafte Außendarstellung und Kommunikation mit den Fans und Medien. Höhe- oder besser gesagt Tiefpunkt war der offene Brief von Michael Preetz an die Öffentlichkeit, in der sich der Manager die Fragen gleich selber stellte und beantwortete. Gegen Ende verfielen die Verantwortlichen zudem in eine trotzige Wagenburg-Mentalität: Die Mannschaft wurde abgeschirmt, öffentliche Trainingseinheiten weitestgehend gestrichen und Interviews gab nur noch Otto Rehhagel. Es ist was faul im Verein Hertha BSC...

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