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Hertha ist abgestiegen, Fortuna ist in der Bundesliga. Diese sportlichen Entscheidungen gingen am Dienstag unter. Es herrschte ein Chaos, das noch für Diskussionen sorgen wird.

Berlin. Es war ein Abend, der viele Geschichten zu erzählen hatte. Wie Hertha BSC im Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf schon nach 25 Sekunden In Rückstand geriet; wie die Berliner den Ausgleich zum 1:1 erzielten, danach fast in Führung gingen; wie Änis Ben-Hatira seine Mannschaft durch eine Gelb-Rote Karte schwächte; wie das Spiel nach einer Stunde unterbrochen werden musste, weil beide Fanlager Feuerwerkskörper auf den Rasen warfen; wie Fans der Fortuna das Spielfeld vor Ablauf der Nachspielzeit stürmten und es wieder zu einer Unterbrechung kam; wie Hertha BSC am Ende als Absteiger feststand – oder doch nicht?

1:0, 1:1, danach regierte das Chaos

Aber der Reihe nach. Nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel war Hertha zum Siegen verdammt, mindestens zwei Tore waren schon mal Voraussetzung. Nach 25 Sekunden dann der Schock: Maximilian Beister ließ Roman Hubnik und Andre Mijatovic alt aussehen und traf zur 1:0-Führung für Düsseldorf. Es war der Beginn eines enttäuschenden Abends für die Berliner. Dabei kam Hertha nach 22 Minuten durch Ben-Hatira zum Ausgleich, nach einem Freistoß von Ronny. Vor Ende der ersten Hälfte boten sich weitere gute Gelegenheiten, aber weder Ben-Hatira noch Ronny konnten den Ball im Tor unterbringen.

Ben-Hatira schwächt Hertha

Zu Beginn der zweiten Hälfte ließen es beide Klubs ruhiger angehen, doch einmal mehr in dieser Saison schwächte sich Hertha BSC nach 54 Minuten selbst. Änis Ben-Hatira legte sich den Ball bei einem Sololauf zu weit vor und ging danach mit gestrecktem Bein gegen Adam Bodzek vor. Der Flügelflitzer bekam Gelb-Rot und der Bundesligist musste zum wiederholten Male ein Spiel zu zehnt zu Ende bringen. Trainer Otto Rehhagel war nach dem Spiel erzürnt über diese erneute Unbeherrschtheit eines seiner Spieler. „Wenn wir komplett gewesen wären, hätten wir Düsseldorf noch mehr Schwierigkeiten machen können. Das war ein unnötiger Platzverweis, so gewann der Gegner an Selbstvertrauen“, sagte Rehhagel. „Wir haben versucht, die Klasse zu halten, aber es haben Zentimeter gefehlt.“

„Fans“ sorgen für Spielunterbrechung

Was kurz nach dem Platzverweis passierte, stellte alles andere an diesem Abend in den Schatten und wird noch für viel Gesprächsstoff in den nächsten Tagen sorgen. Ranisav Jovanovic hatte gerade das 2:1 für Düsseldorf gemacht, da drehten sogenannte „Fans“ beider Mannschaften durch und sorgten durch das Abbrennen von Bengalos und dem Werfen von Feuerwerkskörpern auf den Platz für eine minutenlange Spielunterbrechung. Es war zunächst völlig unklar, ob Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel überhaupt wieder anpfeifen würde. Er tat es. Nach dem 2:2 für Hertha in der 85. Minute durch Raffael war Stark allerdings erneut dazu gezwungen, die Partie zu unterbrechen.



Rehhagel übt Kritik an den „Fans“

„Das waren katastrophale Begleiterscheinungen, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Otto Rehhagel. „Unglaublich, dass diese Leute inzwischen so einen immensen Einfluss auf das Spiel nehmen können. Man muss dem entgegenwirken, damit das nicht noch größere Ausmaße annimmt.“ Sportlich war die Partie nach dem Ausgleich gelaufen, denn immer wieder musste das Spiel wegen fliegender Feuerwerkskörper unterbrochen werden. Wolfgang Stark wollte sieben Minuten nachspielen lassen, allerdings musste er 2 Minuten vor Ablauf der Zeit das Relegationsspiel erneut unterbrechen, weil einige Fans von Fortuna Düsseldorf den Rasen stürmten und zu feiern anfingen. Was nun? Kompletter Abbruch? Beide Mannschaften gingen zunächst in ihre Kabinen, doch Stark entschied sich, das Spiel noch einmal für die letzten zwei Minuten anzupfeifen.

Böse Worte Richtung Schiedsrichter

Unglaubliche Szenen spielten sich ab. Der Platz musste geräumt werden, zwischen Christian Lell und Assani Lukimya kam es zu einem heftigen Wortduell und die Berliner überlegten sogar, nicht wieder anzutreten. Dabei dachten sie wohl schon an einen möglichen Protest. Sie kamen zurück aus der Kabine, allerdings ließ Wolfgang Stark nur 90 Sekunden nachspielen, was die Berliner mit bösen Worten Richtung Schiedsrichter bedachten. Unmittelbar nach dem Spiel ging Hertha-Verteidiger Mijatovic auf Stark los. „Das waren aber keine zwei Minuten“, beschwerte er sich. Christian Lell ging sogar noch weiter: „Du feiges Schwein, dann brauchst du auch gar nicht mehr anpfeifen!“ Das Chaos war nun endgültig perfekt. Dass Düsseldorf nach 15 Jahren wieder zurück in der ersten Liga ist und Hertha zum zweiten Mal in drei Jahren abgestiegen ist, ging dabei völlig unter und glich einer Randnotiz.

Legt Hertha Protest ein?

„Das ist sehr bitter für uns und den Verein“, ließ Peter Niemeyer wissen. „In der Kabine war es sehr still.“ Allerdings auch danach, von den Berlinern äußerten sich später nur noch Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz. „Heute Abend müssen wir den Abstieg erst mal verarbeiten und die Spieler wieder aufrichten“, sagte Gegenbauer, der harsche Kritik an beide Fanlager richtete: „Es gab auf beiden Seiten Leute, die sich daneben benommen haben. So sollten Fußballspiele nicht zu Ende gehen.“ Ob Hertha Protest gegen die Chaos-Partie einlegen wird, ließ Gegenbauer offen. Vor Donnerstag wird dazu keine Entscheidung fallen. „Wir werden uns am Donnerstag dazu äußern und bis dahin eine Entscheidung treffen.“

Michael Preetz wurde dagegen schon deutlicher. „Wir gratulieren Düsseldorf zum sportlichen Aufstieg. Aber es gibt auch noch die andere Seite der Medaille. Wir schlafen eine Nacht drüber und sehen dann weiter", ließ er gegenüber Goal.com verlauten. Das letzte Wort scheint also noch nicht gesprochen

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