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In seinem ersten Jahr in der Bundesliga lief nicht immer alles nach Plan, doch Ivan Perisic deutete mehr als nur einmal an, welchen Wert er für Borussia Dortmund haben kann.

Dortmund. Die Jubelszenen vom Samstag sind noch frisch und der eine oder andere Fan kuriert wohl noch immer seinen Meister-Kater aus. Wie schon ein Jahr zuvor verwandelten die Borussen-Fans ihre Stadt in ein schwarz-gelbes Fahnenmeer, nachdem ihr Team ihnen den insgesamt achten Meistertitel der Vereinsgeschichte geschenkt hatte. Dass Borussia Dortmund schon am 32. Spieltag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach den zweiten Meistertitel in Folge klarmachen konnte, lag nicht zuletzt auch an Ivan Perisic. Der Kroate, der lange Monate wie ein Fremdkörper in Jürgen Klopps Truppe wirkte, ebnete mit seinem Kopfballtreffer in der 23. Spielminute den Weg zum Titel und scheint spätestens jetzt vollständig im Ruhrpott angekommen.

Ein ganz feines Füsschen

Jürgen Klopp frohlockte im Mai 2011, als der BVB die Verpflichtung Ivan Perisics bekanntgab. Mit dem Kroaten würde seine junge Mannschaft in der Offensive um eine hochklassige Option bereichert, die zudem noch flexibel einsetzbar sei. Klopp sprach von einem hochtalentierten Jungen mit einem ganz feinen Füsschen, der exakt in unser Gefüge passt. Die Eckdaten des Spielers schienen diese These zu bestätigen, kam Perisic doch mit der Empfehlung von 22 Toren und zehn Vorlagen aus dem belgischen Brügge an die Strobelallee. 5,5 Millionen Euro war der Mittelfeldspieler den Westfalen wert und man versprach sich von ihm nicht weniger, als dass er den mittlerweile arrivierten Kräften im BVB-Mittelfeld Dampf machen sollte. Perisic wurden dabei von Beginn an gute Einsatzchancen eingeräumt ­– seiner ungeheuren Flexibilität auf dem Feld sei Dank. Am liebsten sieht er sich selbst zwar auf der linken Außenposition im offensiven Mittelfeld, kann bei Bedarf aber auch auf die "Sechs" oder gar ins Sturmzentrum rücken. Klopp liebt solch vielseitig einsetzbare Spieler. Die Voraussetzungen für eine gelungene Spielzeit waren also eigentlich gegeben.

Verpatzter Start

Doch dann geschah in den harten Wochen der Saisonvorbereitung das, was auch Ilkay Gündogan widerfahren sollte: Perisic musste sich erst einmal an die hohe Intensität des Dortmunder Spiels gewöhnen und fiel noch während des Sommertrainingslagers der Borussen in ein Leistungsloch. Folglich verbrachte der Hochveranlagte die ersten Wochen der neuen Saison zumeist auf der Bank. Kevin Großkreutz, Dortmunder Urgestein mit riesigem Kämpferherz, hatte die Nase mit wenigen Ausnahmen in der Hinrunde einfach vorn. Perisic blieb, nachdem er sich akklimatisiert hatte, zumeist nur die Rolle des undankbaren zwölften Mannes, der zwar in fast jedem Spiel eingesetzt, meist aber nur für die letzten Minuten gebracht wurde.

Unmutsäußerungen und wichtige Tore

Da sich an seiner persönlichen Situation auch in der Rückrunde nicht viel änderte und eine Besserung lange Zeit nicht in Sicht war, machten im Februar erstmals Aussagen des Kroaten die Runde, nach denen er nicht nach Dortmund gekommen ist, um auf der Bank zu schmoren. Die kurze Unruhe um den 23-Jährigen legte sich jedoch schnell wieder, auch wenn Perisic erst am 29. Spieltag beim 3:1-Auswärtserfolg in Wolfsburg wieder in der Dortmunder Startformation stehen sollte. In der Zwischenzeit war es aber keineswegs so, dass der Kroate im BVB-Kollektiv überhaupt keine Rolle gespielt hatte: Vielmehr deutete er ein ums andere Mal an, dass er der Mann für die besonderen Momente sein kann: Angefangen beim letztlich wertlosen 1:1-Ausgleich im Champions League-Match gegen den FC Arsenal über das Führungstor in Bremen am 9. Spieltag bis hin zum zwischenzeitlichen 4:3 im Wahnsinns-Duell mit den Stuttgartern – Klopp weiß, dass er sich in den entscheidenden Momenten auf seinen Edeljoker stets verlassen kann. So auch am vergangenen Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, als Perisic in Vertretung von Großkreutz das Tor zur Meisterschaft mit seinem 1:0 weit aufstieß. Nach dem Abpfiff tollte er ausgelassen und mit kroatischer Fahne um die Schultern über den Platz und frohlockte mit leuchtenden Augen in die Mikrofone, dass ich genau das einmal erleben wollte. Mit diesen 80.000 Fans gemeinsam zu feiern, ist einfach fantastisch.

Perspektive Stammelf?

Das erste Jahr des Ivan Perisic in Dortmund war geprägt von Startschwierigkeiten und einer längeren Findungsphase, aber oft auch von Aufblitzen eines großen Talents. Doch wie sieht es im kommenden Jahr aus, wenn der BVB in eine nicht minder lange Saison geht, in der die Erwartungen - auch an Perisic - nochmals steigen? Das System Klopp lebt nicht zuletzt davon, nicht von einzelnen Spielern abhängig zu sein. Gerade im Mittelfeld wird, Stand jetzt, das Gedränge um die fünf zu vergebenen Plätze riesig sein. Leonardo Bittencourt und Königstransfer Marco Reus stehen als Zugänge bereits fest, wohingegen Shinji Kagawa und Jakub Blaszczykowski den Verein noch verlassen könnten. Für Perisic wird es also keinesfalls leichter, in der kommenden Spielzeit dauerhaft in der Startformation der Borussen aufzutauchen. Viel wird davon abhängen, wie sich Kevin Großkreutz schlagen wird, denn augenscheinlich plant Klopp beide auf Links ein. Bisher hatte der Ur-Borusse die Nase stets ein bisschen vorn, wenn er nicht außer Form war oder eine Pause brauchte. Die Gretchenfrage in der offensiven Dreiherreihe hinter Stoßstürmer Robert Lewandowski wird sein, wie Klopp mit Reus plant - und ob Kagawa den Club noch in diesem Sommer verlassen wird. Für Ivan Perisic wird das zweite Jahr in Dortmund also nicht minder schwer, aber er wird den Kampf annehmen, so viel ist sicher.

Eure Meinung: Setzt Perisic sich in Dortmund durch?

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