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Watzke äußert sich nicht nur zum Titelkampf, sondern auch zur Mannschaft des BVB: Neuzugang Reus habe „sich clever entschieden“, Lewandowski wechselt nicht. Geht Kagawa im Sommer?

Dortmund. Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle zaubert BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dieser Tage ein Lächeln ins Gesicht. Vier Punkte Vorsprung hat Borussia Dortmund auf Rekordmeister und Verfolger Bayern München, knapp dahinter folgen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04. Laut Watzke seien die Bayern aber weiterhin Favorit auf den Meistertitel, aber auch die „Fohlen“ aus Gladbach und den Erzrivalen aus Gelsenkirchen will der 52-Jährige im Rennen um die Deutsche Meisterschaft nicht abschreiben.

Bayern habe „überragende individuelle Qualität" im Endspurt

Der aktuelle Vorsprung sei jedoch nur „eine Momentaufnahme“, die „Wahrscheinlichkeit, dass es Bayern macht“ sei „am größten“, so Watzke im Interview mit der Sport Bild, „denn im Endspurt werden sie ihre überragende individuelle Qualität abrufen“, die Stärken seiner Mannschaft dagegen seien „Leidenschaft, Laufbereitschaft und eine gut aufeinander abgestimmte Defensive.“

Bei aller Euphorie um den Zweikampf an der Spitze dürfe man aber den Überraschungsdritten „Gladbach nicht vergessen“, Watzke sieht große Parallelen zwischen dem Gladbacher Auftreten in dieser Saison und dem der Dortmunder in der vergangenen Saison. „Sie funktionieren perfekt, schwimmen auf einer Welle der Euphorie.“ Auch den Ruhrgebiets-Nachbarn Schalke „würde ich nicht abschreiben“, will Watzke seine Borussia noch nicht in Sicherheit wiegen.

Wirtschaftliche Möglichkeiten: Bayern mit Standortvorteil

Die wirtschaftliche Stärke des Hauptkonkurrenten Bayern München begründet Watzke mit erheblichen Standortvorteilen der Süddeutschen: Der Vorteil des FCB wäre demnach, „dass sie in diesem Land sind, das unendlich reich ist. Und dass sie da keine Konkurrenz haben. Der Sponsorenkuchen, der in Bayern gebacken wird, ist doppelt so groß wie der in Nordrhein-Westfalen. Und wenn der dann auf den Tisch kommt, dann sitzt der Uli da und verspeist ihn.“ Die große Anzahl von Spitzenklubs aus NRW sorge laut Watzke dafür, dass die Sponsorengelder für einen einzigen Verein übersichtlich bleiben, Dortmund könnte „50 bis 60 Millionen Euro mehr umsetzen, wenn wir der einzige Klub in NRW wären.“

Reus „hat sich clever entschieden“

Ziel sei es, „200 Millionen Euro Umsatz zu machen“, gelinge das, „können wir auch einen Etat von 50 Millionen darstellen“, so Watzke zu den langfristigen Plänen, allerdings werde man niemals „so wie Bayern 100 Millionen in die Mannschaft stecken.“ Trotzdem schränkt er ein, dass auch beim BVB mittlerweile wieder größere Summen für Transfers in die Hand genommen würde. Bestes Bespiel ist der Transfer von Nationalspieler Marco Reus: „Wir zahlen auch in Euro und nicht in Drachmen. Aber er hätte bei Bayern wesentlich mehr verdient. Die Jungs hier sind so eng miteinander, die würden das mitkriegen. Er hat sich clever entschieden. Es ist ein Unterschied, ob 80 000 Leute nach dem ersten Fehlpasse Mut machen – oder ob sie stöhnen“, kann sich Watzke eine einen Seitenhieb aufs Münchener Publikum nicht verkneifen.


Lewandowski-Wechsel mache „null Komma null Sinn“

Watzke fürchtet nach dem Transfer-Coup mit Reus keine „Rache der Bayern“, der Konkurrent sei „clever genug, sein Ding zu machen.“ Daher ergäbe ein Wechsel von Robert Lewandowski zu den Bayern, wie von einigen Medien zuletzt spekuliert, „null Komma null Sinn. Wenn er allen Ernstes im Hinterkopf haben sollte, zu Bayern zu gehen, um dann neben Arjen Robben auf der Bank zu sitzen, dann würde ich an ihm zweifeln. Unsere Spieler neigen zu einer gewissen Intelligenz. Er ist schlau und wird wissen: Mario Gomez ist ein Weltklasse-Stürmer, an dem er nur schwer vorbeikommen würde“, schließt der BVB-Chef im Sport Bild-Interview einen Wechsel seines momentan treffsichersten Stürmers aus.

Bei Kagawa „gedämpft zuversichtlich“

Anders verhalte es sich im Falle Shinji Kagawas. die Situation sei beim Japaner ob seines im Sommer 2013 auslaufenden Vertrages anders als bei Lewandowski, auch wenn man durchaus mit im verlängern wolle, er sei „gedämpft zuversichtlich.“ Kommen die Gespräche, „die Michael Zorc führen wird, zu keinem Ergebnis“, dann, so Watzke weiter, „müssten wir alle gemeinsam überlegen, wie man die Situation löst. Wir müssen ganz klar auch erkennen: Diese Mannschaft wird nicht die nächsten fünf Jahre genau so zusammenspielen!“

„Warum sollten wir Schalke etwas leihen?“

Auch wenn Bayern dem BVB 2004 zwei Millionen Euro geliehen habe, „eine noble Geste“ wie Watzke sagt, dem Erzrivalen Schalke würde er nichts leihen: „Schalke hat uns noch nie etwas geliehen. Warum sollten wir denen also etwas leihen? Außerdem haben die ja Clemens Tönnies, der immer da ist, wenn es eng wird.“ Angesprochen auf die Tatsache, dass Schalke-Boss Tönnies 2005 bei Schalke mit seinem Privatvermögen haftete, wäre das auch für Watzke vorstellbar, vorausgesetzt, er hätte „die finanzielle Situation von Clemens Tönnies. (…) Verrückt genug wäre ich“, so der Unternehmer.

„Hummels der beste Verteidiger in Deutschland“

Watzke ist überzeugt, dass aus der Dortmunder Mannschaft Spieler nicht nur im Kader für die Europameisterschaft im Sommer in Polen und der Ukraine stehen, sondern dass sich diese auch in der Startelf widerfänden. So sei Mats Hummels „mit Abstand der beste Verteidiger in Deutschland. An ihm kommt man nicht vorbei.“ Auch andere BVB-Akteure dürften sich laut Watzke berechtigte Hoffnungen machen, „Mario Götze, Sven Bender, Marcel Schmelzer“ seien da zu nennen, „auch Kevin Großkreutz klopft wieder an.“

Götze könne „eine zusätzliche Waffe“ werden

Jungstar Mario Götze habe alle Zeit der Welt, um wieder fit zu werden, der Mittelfeld-Künstler habe den Kopf erst einmal frei kriegen müssen: „Er musste sich komplett herunterfahren, war im Urlaub. Wir geben ihm alle Zeit, die er braucht. Er wird kommen diese Saison. Gut möglich, dass er noch eine zusätzliche Waffe wird“, freut sich Watzke auf die Rückkehr des Juwels in die Mannschaft der Borussia.

Eure Meinung: Watzke sieht einen offenen Titelkampf - was glaubt Ihr?

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