Günter Netzer: „Ein bisschen Egoismus gehört zu einem Stürmer“

In seiner Kolumne schrieb Günter Netzer am Sonntag über den FC Bayern München, der den Schwung aus dem wichtigen Sieg im Pokal in Stuttgart mitnehmen konnte und in der Liga siegte.

Von Fabian Zahner

Zur Zeit nur Reservist: Bayerns Arjen Robben
Getty Images
München. Günter Netzer ist bekannt für seine Kolumne, in der er aktuelle Geschehnisse aus der Welt des Bundesligafußballs behandelt. Am Sonntag stand der FC Bayern München, der seine kleine Schwächephase überwunden hat, im Mittelpunkt.

Mängel beseitigt

Unter der Woche stand ein enorm wichtiges Spiel gegen Stuttgart im Pokal an, welches die Bayern für sich entscheiden konnten. Den Schwung haben sie in die Bundesliga mitgenommen und dort Kaiserslautern besiegt und dabei zuletzt vorhandene Mängel wie fehlende Laufarbeit beseitigt.

„Kroos hat seine Rolle gefunden“

Gemäß Netzers Kolumne in der Bild am Sonntag hat dabei David Alaba eine belebende Rolle gespielt, war immer anspielbar und hatte ein großes Laufpensum. Auch Luiz Gustavo habe mit seinem Spiel stabilisierend auf die zuletzt unsicher scheinende Mannschaft gewirkt. Netzer findet, dass vor allem Toni Kroos im aktuellen Spielsystem seine Rolle gefunden hat, „denn man sieht, dass die Mannschaft von einem offensiven Kroos profitiert, seine individuellen Fähigkeiten kommen dort wesentlich besser zur Geltung als in einer defensiveren Rolle. Und auch den Stürmern Mario Gomez und Franck Ribéry tut ein offensiver Kroos gut.“

Knopf bei Müller gelöst?

Eine schwierige Phase hat zuletzt auch Thomas Müller durchgemacht, doch in den letzten beiden Spielen sah man wieder den Müller, den aus der vorletzten Saison kennt. Netzer schrieb: „Seine Torlosigkeit hat auf ihm gelastet, er hat in letzter Zeit sehr unglücklich und unter seinen Möglichkeiten agiert. Trotzdem hat er sich hochprofessionell verhalten und nie aufgegeben.“ Jupp Heynckes sei auch in der Erfolglosigkeit zu ihm gestanden und dafür wurde am Samstag beide belohnt.

„Egoismus gehört zu einem Stürmer“

Die Diskussionen um Arjen Robben haben sich in den letzten Wochen vermehrt. Der Niederländer ist nicht zufrieden mit der Reservistenrolle in den letzten Spielen und zeigte das auch an seiner Mimik. Jedoch durchläuft er nach seiner Verletzung eine schwierige Phase und konnte seine Fähigkeiten noch nicht wieder voll entfalten. Netzer glaubt, dass die Diskussion um seinen Egoismus Robben auf dem Feld verunsichert. Er möchte zeigen, dass die Vorwürfe nicht stimmen und dass er teilweise sein Spiel verändert hat, wodurch er nicht mehr so instinktiv agiert. „Er überlegt zu viel und sieht mehr seine Mitspieler als früher. Das ist prinzipiell zwar nicht schlecht, Robben aber geht dadurch seine Ursprünglichkeit verloren,“ meint Netzer und er findet, dass eine gehörige Portion Egoismus zu einem Stürmer gehört.

Vergleich mit eigener Situation

Netzer vergleicht Robbens Situation mit seiner eignen, als er noch bei Gladbach gespielt hat: „Wenn ich nicht gespielt habe und die Mannschaft trotzdem hoch gewann, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruckt vermittelt, mit mir hätte Gladbach dieses Spiel verloren. Deshalb finde ich die Robben-Diskussion teilweise unfair, weil sie an der Realität vorbeigeht.“ Für Netzer ist unbestritten, dass der Niederländer seinen Weg zurück in die Mannschaft finden wird. Seine Fähigkeiten und sein Ehrgeiz seien zu groß, als dass er aufgeben würde. Es sei aber auch eine Aufgabe von Jupp Heynckes, seinen Star bei Laune zu halten. Er traut es ihm auf jeden Fall zu, diese Situation zu lösen, „weil er ein respektierter und gerechter Trainer ist, der sehr viel Erfahrung im Umgang mit großen Spielern besitzt. Und Robbens Wert für die Mannschaft richtig einschätzen kann.“

Eure Meinung: Sollte Robben wieder etwas eigensinniger spielen?



 
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