Der „kleene“ Herrmann: Wie eine Randfigur ins Rampenlicht rückt

Durch eine Verletzung des eigentlichen Sturmführers in die Stammelf gespült, zeigt der 20-Jährige seit Wochen gute Leistungen. Der Boulevard schwärmt schon vom „neuen Reus“.

Von Patrick Niedel

Patrick Herrmann, Borussia Mönchengladbach
Bongarts
Mönchengladbach. Es passierte im Laufe der vergangenen Saison. Die Fans von Borussia Mönchengladbach bereiteten sich auf den scheinbar unvermeidbarenn Abstieg aus der Bundesliga vor und in einer Fankneipe der Borussia in Berlin wurde darüber diskutiert, wer von den Spielern denn helfen sollte, den Wiederaufstieg zu schaffen. „Der kleene Herrmann“, sagte dann einer, „det wird mal Eener!“ Patrick Herrmann ist mittlerweile einer. Eine der Stützen, auf die die Gladbacher Fans ihre Träume vom Europapokal bauen.

„Flaco“, der Schmächtige

Dabei ist Herrmann gar nicht einmal so klein. 1,77 Meter misst der gebürtige Saarländer. Doch er wirkt eben doch etwas kleiner, schmächtiger. Nicht umsonst bekam er von seinen Mitspielern den Spitznamen „Flaco“ verpasst, was aus dem Portugiesischen kommt und eben soviel wie „der Schmächtige“ heißt. Und auch sein Spiel erinnert an das von eher kleinen, wuseligen Flügelflitzern.  

Startelfdebüt im rheinischen Derby

Sein Debüt in der Startelf der Borussia feierte Herrmann im März 2010 beim 1:1 beim 1. FC Köln. Dort überraschte er durch seine Unbekümmertheit und seinen Mut, immer wieder 1:1-Situationen zu suchen. Der damalige Kölner Verteidiger Pierre Wome wirkte oft hölzern und überfordert gegen den flinken Herrmann. Von nun an war er fester Bestandteil im Profikader und wurde oft eingewechselt, um noch einmal Schwung ins Gladbacher Offensivspiel zu bringen.

Zwei Tore in Leverkusen

Erstmals in den Fokus spielte sich der U-21-Nationalspieler, als er in der vergangenen Saison zwei Tore beim 6:3 bei Bayer Leverkusen erzielte. Doch so, wie es mit der gesamten Mannschaft bergab ging, konnte auch Herrmann dieses Level nicht halten. Oft wirkte er zu nervös, zu hektisch, zu unkonzentriert, auch und gerade im Torabschluss.

Im Sommer kein Startelf-Kandidat

In der Vorbereitung auf die aktuelle Spielzeit waren sich viele Beobachter sicher, dass Herrmann es sehr schwer haben würde, sich im Kader der Borussia zu behaupten. Die Flügelzange mit Juan Arango und Marco Reus schien gesetzt, dahinter war die Konkurrenz mit Yuki Otsu, Lukas Rupp, den vielseitig einsetzbaren Matthiew Leckie, und Raul Bobadilla oder Nachwuchskräften wie Elias Kachunga und Amin Younes nicht nur zahlreich.

Favre lobt die Qualität

Doch Herrmann zeigt sich in jedem Training und in jedem Testspiel. Trainer Lucien Favre erklärte schon vor dem Spiel gegen die Bayern, dass Herrmann spielt, „weil er im Training Qualität gezeigt hat“. Erstmals im September letzten Jahres, beim 1:0-Sieg beim Hamburger SV in der Anfangsformation, wurde Herrmann durch die Verletzung Igor de Camargos in die Startelf gespült. Favre beorderte Reus in die Mitte und so wurde der Platz im rechten Mittelfeld frei. Und Herrmann spielte sich fest.

Bereits fünf Treffer in der laufenden Saison

Zu seinen technischen Fähigkeiten und seiner Schnelligkeit gesellten sich nun immer mehr taktisches Spielverständnis und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Und auch in Sachen körperlicher Robustheit hat der Mann, der mit 17 Jahren vom 1. FC Saarbrücken zur Borussia kam, immer mehr dazugelernt. Fünf Tore erzielte Herrmann bisher. Dazu bereitete er fünf Tore vor. Herrmann ist immer in Bewegung, arbeitet defensiv sehr gut und mittlerweile versteht er sich mit Mike Hanke oder eben Reus nahezu blind. Überraschend ist sicher die Konstanz seiner Leistungen.

Herrmann als Reus-Nachfolger?

Und wenn eben jener Reus im Sommer den Borussiapark in Richtung Dortmund verlässt, soll Herrmann in dessen Fußstapfen treten. Der Boulevard bastelt seit geraumer Zeit an mehr oder weniger fantasievollen Überschriften und Artikeln, dass Borussia mit „Flaco“ den legitimen Reus-Nachfolger bereits in den eigenen Reihen hat.

Vorsicht mit zu hohen Ansprüchen

Doch Herrmann bleibt auch in dieser Hinsicht auf dem Teppich, reagiert auf etwaige Fragen genauso vorsichtig und besonnen, wie seine Vorgesetzten bei der Borussia. „Wir werden noch viel Freude an ihm haben. Aber der Vergleich mit Marco Reus scheint mir übertrieben“, so sein Trainer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Hanke schätzt Lernwilligkeit Herrmanns

Herrmann selbst spricht angesichts seiner Leistung fast schon kokett davon, „von Spiel zu Spiel immer besser in die Mannschaft“ zu kommen. Und Kollege Hanke schätzt an Herrmann, dass dieser „immer dazulernen wolle“. Die Borussia tut gut daran, den eigenen Höhenflug sowie den von Patrick Herrmann weiterhin nüchtern und bescheiden zu begleiten.

Beste Voraussetzungen bei Herrmann und Borussia

Beherzigt Herrmann dies weiter, geht er mit Formschwankungen und Leistungsabfällen gut um, dann kann aus dem „Kleenen“ wirklich ein großer Bundesligaspieler werden. Die Voraussetzungen dazu bringt er allemal mit. Dazu spielt er in einem Verein, bei dem man weiß, wie man mit Spielern der Güteklasse Herrmann umzugehen hat.

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