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„Nur der HSV“ – Frieden in Hamburg
Optimismus statt Grabenkampf – der Hamburger SV blickt optimistisch in die Zukunft. Die Mitgliederversammlung könnte eine neue Ära eingeläutet haben.
Von Daniel Jovanov
Hamburg. Man muss einen langen Atem haben, wenn man die gesamte Prozedur einer ordentlichen Mitgliederversammlung durchstehen möchte. Vorweg: Keine Angst, dieser Beitrag wird nicht ganz so lang wie die gestrige Veranstaltung im Hamburger Congress Center (CCH).
Aufsichtsratchef Rieckhoff mahnt zur Ruhe
Eigentlich sind ordentliche Mitgliederversammlungen selten spannend oder gar skandalös. Nicht so beim Hamburger SV. Die können ein Lied davon singen. Im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung wurde die Stimmung durch diverse Medienberichte ordentlich aufgeheizt. Im Blickpunkt standen das vergangene Geschäftsjahr 2010/2011 und die vorzeitig endende Amtszeit der Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus, die es sich mit dem geschwätzigen Aufsichtsrat verscherzt hatten. Der Saal, gefüllt mit etwas mehr als 1000 Mitgliedern, suchte jedoch vergeblich nach ihnen. Trotz vorheriger Verlautungen erschienen Hoffmann und Kraus nicht zu einer Stellungnahme. Zum Glück.
Keine Regressforderungen
Die im März 2011 frei gewordenen Stellen im Vorstand der Hamburger übernahmen Carl-Edgar Jarchow, zunächst als kommissarischer Präsident, und Joachim Hilke. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen ließen sie die Arbeit ihrer Vorgänger prüfen und stellten fest, dass „das Verhalten der ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann nicht in allen Aspekten angemessen und dem Vereinsinteresse zuträglich erscheint“, wie es Rieckhoff fast zynisch formulierte. Konkret geht es um sechs dubiose Verträge mit einem Volumen von 1,7 Millionen Euro, dessen Gegenwert der Dienstleistung im Verhältnis der gezahlten Honorare nicht jedem auf Anhieb nachvollziehbar war. Doch der HSV verzichtet auf Empfehlung der Wirtschaftsprüfer auf Regressansprüche gegen ihre ehemaligen Vorstände. Der Aufwand einer zähen Verhandlung stünde nicht im Verhältnis zu der Summe, die der Verein in einem Verfahren mit positivem Ausgang zugesprochen bekommen hätte, so der Aufsichtsratchef.
Arnesen als Gewinner des Abends
Die finanzielle Situation wird sich allerdings auch im neuen Geschäftsjahr nicht entspannen, auch wenn Jarchow und Hilke zum Beispiel Prämien und Boni für die Verlängerung eines Catering-Vertrages geschickt in ihre Amtszeit verschoben haben. Das macht man wohl so, war der Tenor der Chefetage. Schwarze Zahlen wird der HSV dennoch nicht schreiben. Daran etwas ändern könnte die Teilnahme am europäischen Wettbewerb, an dem der HSV laut Sportchef Frank Arnesen in Zukunft jedes Jahr teilnehmen muss. Doch der 55-Jährige erhielt nicht erst nach diesen Worten tosenden Beifall, sondern schon auf seinem Weg zum Rednerpult. Arnesens Worte waren Balsam für die HSV-Seele. Als er seine Pläne und Visionen für die nächsten Jahre beschrieb, waren die unschönen Themen endgültig vergessen. Der Blick geht nur nach vorne.Entlastung für Hoffmann und Kraus
Um die Vergangenheit dann auch pragmatisch abzuhaken, stand die Entlastung der Vorstände bevor. Einige kritische Redner hatten sich stark gemacht, dies nicht zu tun. Immerhin ginge es um 1,7 Millionen Euro, sagte einer unter ihnen, die dem HSV jetzt für einen neuen Transfer fehlen. Den Hamburgern fehlen aber weit mehr als 1,7 Millionen in den Kassen, sodass es in diesem Winter auch keine Transfers geben wird. Und weil der Vorstandsvorsitzende Jarchow das Investor-Modell mit Klaus-Michael Kühne, auch als Kühne-Deal bekannt, nicht „gut findet“, wird es auf diesem Wege auch kein neues Geld geben.Nach zähen und kontroversen Wortbeiträgen vieler engagierter und einiger Unruhe stiftender Mitglieder, entschieden sich fast alle für die Entlastung der ausgeschiedenen Vorstände. Die ganz unter dem Motto „Nur der HSV“ stehende Mitgliederversammlung fand ein versöhnliches Ende. Der Rest der Veranstaltung war nur noch Formsache. An dieser Stelle endet die Sitzung mit einem Zitat von Frank Arnesen: „Erfahrung sammelt man, wenn man etwas falsch macht."
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