Das Bundesliga-Zeugnis: FC Schalke 04

„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt dem FC Schalke 04 das Zwischenzeugnis der Hinrunde aus. Konnte Königsblau überzeugen?

Von Felix Landmesser

Der FC Schalke 04 jubelt im Kollektiv
Bongarts

Verein: FC Schalke 04

Bundesliga: Platz 3

DFB-Pokal: Ausgeschieden im Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach

Europa League: Runde der letzten 32

Zielsetzung: Nach der insgesamt durchwachsenen Vorsaison gab man sich auf Schalke zu Saisonbeginn betont kleinlaut. Dem sensationellen Erreichen des Halbfinales in der Champions League und dem Gewinn des DFB-Pokals stand nämlich in der letzten Saison im Tagesgeschäft Bundesliga der Kampf gegen den Abstieg gegenüber. Die Ansprüche wurden von den Verantwortlichen zum Start der neuen Spielzeit daher gehörig korrigiert. Man wolle die Fans mit Offensivfußball begeistern, gleichzeitig solle Konstanz im Ruhrgebiet einkehren.

Das Wort Meisterschaft wollte nach den Enttäuschungen der letzten Jahre keiner mehr in den Mund nehmen – stattdessen gab man zu Beginn der Hinrunde das Ziel aus, sich abermals für den internationalen Wettbewerb qualifizieren zu wollen. Im Idealfall sollte dies die Qualifikation zur Champions League bedeuten. In DFB-Pokal und Europa League wollte man indes so weit wie möglich kommen, die genaue Zielsetzung blieb offen.

LIGA & POKAL  – Note: befriedigend plus (3+)

Vergleicht man die Ansprüche mit dem bislang Erreichten in der Hinrunde, so fällt das Ergebnis ausgesprochen positiv aus. Gerade in der Liga wurden die Erwartungen übertroffen. Obwohl der Saisonstart eher holprig war, hat sich die Mannschaft unter Trainer-Rückkehrer Huub Stevens stabilisiert und findet sich folgerichtig in der Spitzengruppe der Bundesliga wieder. Bemerkenswert: Obwohl Königsblau sowohl gegen Bayern München als auch Borussia Dortmund jeweils verdient verlor, beträgt der Rückstand auf die Bayern lediglich drei Punkte, mit Meister Dortmund ist man sogar punktgleich. 34 Punkte zur Winterpause bedeuten Platz 3 – ein Ergebnis, das die Erwartungen übertroffen hat. 

Die Leistung im DFB-Pokal ließ dagegen zu wünschen übrig. Als amtierender Titelträger ist das Ausscheiden im Achtelfinale eindeutig eine Enttäuschung. Gegen Mönchengladbach fand Schalke nie ins Spiel, wer eine Darbietung wie beim berauschenden 5:0 gegen Bremen kurz zuvor in der Bundesliga erwartet hatte, musste sich erstaunt die Augen reiben. Lediglich in den letzten 20 Minuten gaben die Gelsenkirchener Vollgas, vorher wirkte die Elf müde und kraftlos. Am Ende schied der Pokalsieger mit 1:3 aus und verpasste damit eine mögliche Titelverteidigung. Schon eine Runde zuvor hatte Schalke sich gegen Karlsruhe gequält und erst in der Schlussphase den Zweitligisten bezwungen.

EUROPA LEAGUE - Note: gut (2)

In der Europa League blieb S04 im Soll. Die Stevens-Schützlinge konnten sich frühzeitig einen Spieltag vor Ende der Gruppenphase den ersten Platz in ihrer Gruppe sichern. Das gelang weitestgehend souverän. Lediglich die mageren Nullnummern zuhause gegen den zypriotischen Underdog Larnaca und auswärts bei Steaua Bukarest schmälern den positiven Gesamteindruck leicht. In der nächsten Runde wartet der tschechische Vertreter Viktoria Pilsen. 

Noch mehr Schalke: Zur Teamseite

UNTERHALTUNG – Note: noch gut (2-)

Die große Befürchtung vieler Fans, Huub Stevens würde defensiv mauern, frei nach der Losung „die Null muss stehen“, hat sich nicht bewahrheitet. Zwar setzt Stevens auf Kompaktheit und installierte mit Jermaine Jones einen reinen Zerstörer vor der Abwehr, doch zeigt die Mannschaft mittlerweile nicht nur spielerische Linie, sondern brennt bisweilen ein wahres Offensivfeuerwerk ab. 38 Tore in 17 Bundesligaspielen sprechen eine deutliche Sprache. Höhepunkt war zum Hinrundenabschluss das 5:0 gegen den direkten Konkurrenten Werder Bremen, doch auch gegen Köln oder Helsinki gelangen ähnlich hohe Siege.

Bei aller Lobhudelei darf aber nicht vergessen werden, dass Schalke auch einige Ausreißer nach unten hatte. Da fallen besonders die blutleeren Auftritte gegen die Spitzenteams aus München und Dortmund ins Gewicht – beide Male war man chancenlos. Die optisch guten Eindrücke überwiegen jedoch deutlich, die Offensive um die beiden Stars Raul und Huntelaar wusste zu unterhalten!

TRANSFERMARKT – Note: voll befriedigend (3+)

Die Devise auf dem Transfermarkt lautete diesmal Bescheidenheit. Unter Felix Magath wurde das Geld noch mit großen Händen ausgegeben, die Verantwortlichen setzen nun vermehrt auf Schuldenabbau. Auf große Stars wurde verzichtet, stattdessen gelang es Horst Heldt, Magath’sche Altlasten loszuwerden, sodass der Kader erfolgreich entschlackt wurde. Mit viel Vorschusslorbeeren war Marco Höger im Vorfeld bedacht worden, der Ex-Aachener konnte sich unter Rangnick auf der rechten Abwehrseite etablieren, Huub Stevens bevorzugt jedoch den aus dem Abwehrzentrum heraus beorderten Kapitän Benedikt Höwedes. So reicht es für Höger nur zum Ergänzungsspieler, er vertritt die gesetzten Kräfte mal hinten rechts, mal im defensiven Mittelfeld.

Neuzugang Pukki hat bei S04 voll eingeschlagen

Der für Manuel Neuer als Nummer Eins im Tor geholte Ralf Fährmann zeigte zum Teil starke Leistungen, war aber nicht frei von Patzern. Nach den zuletzt überzeugenden Darbietungen von Ersatzmann Unnerstall muss sich der von einem Kreuzbandriss gebeutelte Fährmann wohl erst wieder hinten anstellen, zumal die Schalker auch Ex-Nationaltorhüter Timo Hildebrand holten, der zumeist im Reserveteam spielte, in der Europa League in Haifa mit einem gehaltenen Elfmeter aber überzeugte.

Zwei Kracher gelangen Horst Heldt auf dem Transfermarkt dennoch: Der auf den letzten Drücker geholte Finne Teemu Pukki schlug voll ein, der Durchbruch gelang dem 21-Jährigen in Hannover, als er für den verletzten Huntelaar in die Bresche sprang und direkt einen Doppelpack schnürte. Teuerster Neuzugang war Christian Fuchs. Für geschätzte fünf Millionen Euro Ablöse aus Mainz gekommen, trat der österreichische Nationalspieler vor allem offensiv in Aktion. Schwächen im Defensivverhalten bügelte Fuchs mit starken Angriffsaktionen über die linke Seite sowie brandgefährlichen Standards aus.

Transfermarkt: Alle Bundesliga-Wechsel im Überblick

TRAINER & UMFELD – Note: noch sehr gut (1-)

Der krankheitsbedingte Rücktritt von Ralf Rangnick sorgte kurzzeitig für Unruhe im Schalker Umfeld, doch die Verpflichtung von Huub Stevens, von einigen als „bequeme“ Lösung belächelt, erwies sich als Glücksgriff. Der Holländer erfreut sich bei den Fans ungebrochen großer Beliebtheit und hat es geschafft, der Mannschaft ein Gesicht zu verpassen. Auch Horst Heldt genießt bei den von Natur aus kritischen Anhängern ein hohes Standing, seineTransferpolitik hat ihm viel Wohlwollen eingebracht. Kurzum – auf Schalke ist es ungewöhnlich ruhig momentan. Sollte die sportliche Leitung Rauls Vertragssituation zur Zufriedenheit aller klären und nebenher noch die „Causa Farfan“ lösen, wird die Winterpause fast schon langweilig. Langweilig im positiven Sinne, Trainer und Umfeld arbeiten hervorragend!

GESAMTNOTE: gut (2)

Zur Winterpause liegt Schalke in der Liga auf Champions League-Kurs, in der Europa League setzte sich der Ruhrgebiets-Verein souverän in einer zugegebenermaßen schwachen Gruppe letztlich souverän durch. Enttäuschend dagegen das frühe Ausscheiden im Pokal. Wenn S04 die aktuelle Form auch zur Rückrunde auf den Platz bringen kann, muss man die Jungs von Huub Stevens im Kampf um die vorderen Plätze absolut auf der Rechnung haben. Insgesamt eine starke Hinrunde.

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