Ciprian Marica? Hat denn Horst Heldt gar nichts verstanden?

Der rumänische Angreifer sucht einen neuen Verein. Dass nun ausgerechnet aus Gelsenkirchen das Interesse laut wird, kommt einer Sensation gleich.

Ein Kommentar von Dennis Weinacht

Ciprian Marica - Stuttgart (Getty Images)
Gelsenkirchen/Stuttgart. Es ist unfassbar, aber der Schrei eines Wales kann mehrere tausend Kilometer weit weg immer noch zu hören sein. Vielleicht bräuchte der FC Schalke 04 deshalb einen Walfisch, der schwäbisch sprechen kann. Dieser müsste dann nur in Stuttgart sitzen und die Message weitersagen, die offenbar in Gelsenkirchen auf taube Ohren stößt. 448,25 Kilometer liegen zwischen der Mercedes-Benz-Arena des VfB Stuttgart und der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Ein solcher Wal würde also reichen, um die Aussagen von Fredi Bobic zu den Schalkern zu senden. Warnen würde er den konkurrierenden Bundesligisten. Warnen vor Ciprian Marica. Aber sind wir ehrlich: Einen Wal benötigt man dazu nicht. In ganz Deutschland sind die Warnungen vor dem Rumänen-Rüpel in aller Munde.

Marica ist (nicht) dankbar

Aber von vorne: Marica ist seit vier Jahren in Stuttgart, hat in dieser Zeit einigen Mist verzapft, seine fußballerische Qualität dahinter aber geschickt verbergen können. Er ist der teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte des sparsamen VfB nach Zdravko Kuzmanovic. Wenn ein Verein aus dem „Schwabenländle“ schon sieben Millionen Euro für einen Spieler bezahlt, dann muss der Verantwortliche entweder bei dem ein oder anderen Weißwein seine angeborene Sparsamkeit ertränkt haben. Oder aber der Spieler besitzt in der Tat eine außergewöhnliche Klasse. Vier Jahre nach dem Transfer muss zugestanden werden: Ersteres war wohl eher der Fall. Interessant: Ein gewisser Horst Heldt lotste den Spieler 2007 nach Stuttgart. Er gab ihm großzügigerweise einen Vertrag für stolze fünf Jahre. Und Marica hat seine Dankbarkeit bis heute ständig zum Ausdruck gebracht.

Welch´ Dummheit...

So sagte er kürzlich in einem Interview fast euphorisch: „Ich bereue, dass ich 2007 die Dummheit gemacht habe, einen Fünfjahresvertrag zu unterschreiben. Ich bin unglücklich.“ In einer guten Ehe sind die Gefühle gleichermaßen auf beide Parteien verteilt. So gesehen war die Beziehung zwischen Marica und dem VfB gut. So gut, dass wohl auch die Schwaben den Vertrag mittlerweile als „Dummheit“ bezeichnen würde. Fünf Jahre hielt der Kontrakt ohnehin nicht. In der vergangenen Woche einigten sich beide Parteien auf eine sofortige Trennung. Nun sucht der Angreifer einen neuen Verein. Die passende Anzeige dazu könnte lauten: „Fußballprofi mit exklusivem Benehmen sucht reichen Verein mit toleranten Verantwortlichen. Alter: 25; vertragsfrei und ablösefrei, wenn das Geld stimmt auch treu.“

Schiedsrichterbeleidigung! Auch auf dem Rasen fiel Marica oft unangenehm auf!

Und immer diese Trainer...

In Stuttgart jedenfalls ist der Spieler selten durch Torjubel oder flotte Sprints aufgefallen. Flotte Sprüche und öffentliche Trainer-Schelten waren da schon eher seine Kategorie. Außerdem passten Marica und Defensivarbeit ungefähr so gut zusammen, wie Tobias Sippel und Führerschein. Bei seinen Trainern – und davon hatte der VfB in den vergangenen Jahren einige – eckte er fast durch die Bank weg an. Wenn ein Mensch in vier Jahren fünf verschiedene Chefs hat und dennoch immer scheitert, kann das nicht doch ein ganz kleines bisschen auch an der Person selbst gelegen haben? Nein! Im Fall Marica waren es immer die Trainer – immer! Hin und wieder auch die Mitspieler, aber meistens die Trainer.

Heldt braucht jetzt Glück

Im Schwabenland ging es nun also nicht mehr weiter, deshalb sucht er jetzt einen neuen Klub. Aus Russland besteht das Interesse und man kann sich eigentlich nur wünschen, dass er dort einen Vertrag unterschreibt. Denn wenn schon die ganze Welt den FC Schalke 04 vor diesem Spieler warnt, dann kann jetzt offenbar nur noch Glück den Transfer verhindern. Hat denn Horst Heldt gar nichts aus der gemeinsamen Zeit mit Marica gelernt? Selbst wenn der Manager einen guten Eindruck von dem Angreifer gewonnen hat, so hat er doch die Skandale und schwachen Leistungen zumindest teilweise miterlebt. Soll das nun alles komplett ignoriert werden? Oder hofft Heldt auf eine sensationelle Wende?

Horst Heldt (r.) und Ralf Rangnick (l.) wollen Marica holen - ein Fehler?!

Das Problem mit den Fans

Denn auch für Marica wäre Schalke die der letzte Schuss. Sitzt der, kann die Karriere eine positive Wende nehmen. Geht er daneben, wäre der europäische Top-Fußball so weit weg, wie Guido Westerwelle von einer Sympathieträger-Rolle. Á propos Sympathie: Auch das dürfte ein Problem für Marica werden. Das Schalker Publikum will Kämpfer, die sich für den Verein zerreißen und keine Rüpel, die nur neben dem Platz zu großer Form auflaufen. Hoffentlich geht das Heldt noch in den Kopf. Ansonsten würde ein Mensch eine Chance erhalten, der sich diese trotz 22 Scorerpunkte im Kalenderjahr 2010 nicht wirklich verdient hat. Denn für das Geld, das er kassiert, darf er auch gerne mal rennen, schwitzen und eventuell mal den Mund halten!

Eure Meinung: Heldt will Marica – gut so?



 
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