|
|
Der Leidensweg des Ciprian Marica
Nach vier Jahren endete Ciprian Maricas Intermezzo beim VfB Stuttgart. Es sind vier Jahre voller Höhen und Tiefen, voller Freude, voller Angst. Doch am Ende stand das Scheitern.
Von Dirian El Amine
Stuttgart. Gestern Nacht ächzte das Dach der Mercedes-Benz-Arena unter den Regenmassen, die schonungslos auf die Spielstätte des VfB Stuttgart niederprasselten. Nur Tage vorher war es die sengende Sonne, die die Stuttgarter Akteure beim nachmittäglichen Training quälte. Das Wetter dieser Tage ist unbeständig im Schwabenland, ein buntes Wechselspiel aus Sonnenschein und Graupelschauer. So wie die Ära Ciprian Marica, die am vergangenen Dienstag zu Ende ging.
Marica bricht unter dem Druck anfangs zusammen
Im Sommer 2007 konnte man in Stuttgart noch Berge versetzen. Der VfB war gerade Deutscher Meister geworden. Thomas Hitzlsperger hatte per Traumtor den VfB zur Meisterschale geschossen. Fernando Meira streckte die Trophäe vor der frenetisch jubelnden Kurve in die Höhe. Und Armin Veh erlebte auf dem Stuttgarter Schlossplatz die wohl geilste Party seines Lebens. Als Ciprian Marica in diesem besagten Sommer für sieben Millionen Euro als damals teuerster Spieler der Vereinsgeschichte nach Stuttgart kam, da herrschte Euphorie. Er konnte nur verlieren. Denn besser als die Deutsche Meisterschaft ging es einfach nicht mehr. Doch in Stuttgart war man überzeugt: Der schüchterne Mann mit dem schmalen Gesicht ist sein Geld wert. Ein paar Videos später war Marica verpflichtet, ein hoch besoldeter Fünfjahresvertrag war unterschrieben. Es war der Deal, an dem Ciprian Marica über seine komplette Amtszeit beim VfB gemessen werden sollte. Die Erwartungen waren riesig. Erfüllen konnte er sie in seiner ersten Saison mit nur zwei Ligatoren nicht einmal ansatzweise.
Das gute Ende war immer in Sicht
Warum, fragte man sich, konnte das Talent seine Fähigkeiten nicht abrufen? Die Verantwortlichen waren von der Begabung des noch jungen Rumänen überzeugt – doch die schüchternen, unauffälligen Auftritte blieben ihnen ein Rätsel. Erst im Nachhinein wird klar: Marica fühlte sich damals nicht wohl in Stuttgart. Durch seine Sprachprobleme war er in der Mannschaft isoliert. Nun nahm er die Arbeit auf – um unter Trainer Christian Gross endlich aufzublühen. Bis dahin aber waren schon zweieinhalb Jahre vergangen. Das Bild des Söldners Marica hatte sich unter den Fans verbreitet. Nur wenige glaubten, dass der Rumäne den Durchbruch noch packen könnte. Doch er kam, wenn auch reichlich verspätet. Das gute Ende war in Sicht.

Aufgeblüht: Ciprian Marica (rechts) klatscht mit Sami Khedira ab
Blütezeit unter Gross – dann folgte Maricas Passion
Ganze zehn Tore erzielte Ciprian Marica in der Saison 2009/2010, davon allein neun in der Rückrunde. Denn der Trainer Christian Gross gab ihm eine neue Chance, setzte auf den Rumänen im Sturm. Marica zahlte das Vertrauen zurück, war wesentlich am Aufschwung des VfB und der sensationellen Europacup-Qualifikation nach einer ziemlich miesen Hinrunde beteiligt. Ein halbes Jahr lang blieb Maricas Achterbahn ganz oben stehen. Im Fernsehen beantwortete der Rumäne nun die Fragen auf Deutsch, war gern gesehener Gast. Sein Stern schien über Stuttgart aufzugehen. Bis im Herbst 2010 die Supernova folgte – auch wenn Marica eine wirklich ordentliche Hinrunde spielte. Drei Tore, ganze sieben Vorlagen – und das in nur zwölf Spielen! Die Statistik zeigt: Marica machte gute Spiele. So auch am 27. November in Hamburg. Nach neun Minuten trifft der Angreifer zum Ausgleich. Doch der Jubel erstarb nur wenig später, als Schiedsrichter Wolfgang Stark den Rumänen wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz stellt. Was folgte, war eine öffentliche Hexenjagd: Fredi Bobic stellte Marica an den Pranger, verurteilte ihn öffentlich scharf. Seine sportlichen Verdienste um den Verein im abgelaufenen Jahr gerieten da urplötzlich in Vergessenheit.

Ciprian Marica: Elegant und technisch versiert
Ciprian Marica ist Sportler – durch und durch
Danach spielte Marica nur noch 70 Minuten lang für den VfB. Die Berichte rumänischer Gazetten, wonach Marica Wechselwünsche äußere, sowie ein persönliches Gespräch waren dann Anlass genug für eine Suspendierung Maricas. Eine Begnadigung gab es bis heute nicht. Der Vertrag wurde aufgelöst. Die Trennung erfolgte kurz und schmerzlos. Doch der Abgang von Ciprian Marica, das darf an dieser Stelle nicht außer Acht gelassen werden, stellt einen sportlichen Verlust für Stuttgart dar. „Cipi, spiel“, riefen die Mitspieler beim Training inmitten des Saisonfinales und motivierten den suspendierten Kollegen. Beim Weg in die Kabine grüßt Marica die Fans freundlich. Er hätte gerne mitgeholfen bei der Operation Klassenerhalt. Das Söldner-Image passt nicht zu ihm. Ciprian Marica ist Sportler. Durch und durch. Ansonsten hätte er finanziell lukrative Angebote aus Moskau wohl kaum ausgeschlagen.
Eure Meinung: Was haltet Ihr von Ciprian Marica? Wer ist schuld an seinem Scheitern?
-
Teenager-Tränen: Als Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 nur Zweiter wurde
EXKLUSIV - Goal.com veröffentlicht exklusive Inhalte aus Luca Caiolis Buch „Ronaldo: Leidenschaft zur Perfektion“. Heute dreht sich alles um das Finale der EM 2004.
-
EXKLUSIV - Higuain-Berater stellt klar: „Gonzalo wird Real Madrid nicht verlassen.“
EXKLUSIV – Der Agent von Stürmerstar Gonzalo Higuian schiebt den Wechselspekulationen um seinen Schützling gegenüber Goal.com einen Riegel vor.
-
Sieger, Enttäuschungen, Torschützenkönig: Die Goal.com-Redaktionstipps zur EM
Bald geht es endlich los - der Startschuss zur Euro fällt! Die Goal.com-Redaktion hat im Kicktipp-EM-Spezial einmal einige Szenarien durchgespielt und diverse Tipps abgegeben.
-
Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!
Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde