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Das Bundesliga-Zeugnis: Eintracht Frankfurt
Das Spieljahr ist vorbei, und die Bundesliga geht in die Sommerpause. Goal.com rechnet ab und stellt die Saison-Zeugnisse aus. Wer hat bestanden, wo herrscht Nachholbedarf?
Von Rafael Corradino
Verein: Eintracht Frankfurt
Bundesliga: 17. Platz
DFB-Pokal: Achtelfinale
Zielsetzung: Nach einer erfolgreichen Vorsaison wollte Eintracht Frankfurt in der Saison 2010/2011 der Bundesliga 50 Punkte erreichen und sich so für das europäische Geschäft qualifizieren. Die Hinrunde bestätigte dieses Anliegen. Zur Rückrunde folgte jedoch der Einbruch, unter Christoph Daum sollte einfach nur noch der Abstieg verhindert werden.
LIGA & POKAL – Note: mangelhaft (5)
Eintracht Frankfurt spielte eine erfolgreiche Hinrunde in der Bundesliga und setzte sich überraschend gegen einige Mitkonkurrenten um Europa durch. Der absolute Höhepunkt war der 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund am 17. Spieltag. Die Euphorie war groß, das internationale Geschäft schien näher als je zuvor. Vor der Winterpause mussten sie noch gegen Alemannia Aachen im DFB-Pokal ran und schieden in der Verlängerung aus. Diese Partie darf als Knackpunkt gewertet werden, denn im Anschluss wurden magere acht Punkte in der Rückrunde geholt, die Eintracht blieb neun Spiele in Folge sieglos, bevor nach dem Sieg gegen St. Pauli weitere sieben Partien ohne Dreier folgten.
UNTERHALTUNG – Note: ausreichend (4)
Für die Hinrunde darf eher vom Erfolg als von der Unterhaltung gesprochen werden. Die Eintracht siegte, überzeugte aber nicht durch schnelles, direktes Kurzpassspiel sondern durch lange Bälle auf Theofanis Gekas. Der Grieche führte die Torjägerliste an, vergab in der Rückrunde gegen den FC Bayern München jedoch den Bigpoint. Der Wille war in den letzten Partien zu sehen, doch er fungierte nicht „als drittes Bein“. Spannung war immer vorhanden und wusste die Zuschauer zu fesseln.

TRANSFERMARKT – Note: ausreichend (4)
Verstärkung: Theofanis Gekas, Georgios Tzavellas, Sebastian Rode, Sonny Kittel
Mitläufer: Petkovic
Enttäuschung: Christoph Daum
Transferbilanz: -1,4 Milllionen Euro
Auch hier darf nur auf die erfolgreiche Hinrunde verwiesen werden. Theofanis Gekas schlug ein, dabei kostete er nur eine Millionen Euro Ablöse. Insgesamt traf er 16 Mal, nur zwei Treffer davon wurden in der Rückrunde verbucht. Sein griechischer Kollege Georgios Tzavellas wusste auch zu überzeugen, ihm mangelte es jedoch an der Arbeit nach hinten. Auch Sebastian Rode avancierte zu einem Gewinner der Saison. Mit seinem ersten beiden Toren in der Bundesliga sorgte er bei den Fans gegen Bayern und Dortmund für Hoffnung.
Zumindestens enttäuschte kein Transfer, was aber daran lag dass kaum welche getätigt wurden und diese mit möglichst geringem Risiko behaftet waren. Trainer Christoph Daum darf als große Enttäuschung bezeichnet werden. Der ehemalige Coach der Kölner stieg mit der Eintracht zum ersten Mal in seiner Karriere ab und fand mit seinem Pathos nicht den Weg zur Mannschaft. In sieben Matches holte er zwei Punkte und „avancierte“ so zum schlechtesten Eintracht-Trainer aller Zeiten.

GEWINNER DER SAISON: Ralf Fährmann
Der Keeper musste lange hinter Oka Nikolov zurückstecken, in der Rückrunde etablierte er sich jedoch als Stammkraft zwischen den Pfosten der Hessen und festigte diese Position unter Christoph Daum. In der letzten Partie gegen Borussia Dortmund hielt er zwei Elfmeter und überzeugte durch weitere Glanzparaden. Der 22-Jährige hat keinen Vertrag für die 2. Bundesliga.
VERLIERER DER SAISON: Patrick Ochs
Patrick Ochs ist keinesfalls der Verlierer der Saison, weil er seine Leistung nicht gebracht hat oder auf der falschen Position nicht zur Geltung kam. In der Hinrunde gehörte er zu den erfolgreichsten aller Offensivspieler, ging jedoch mit der Mannschaft in der Rückrunde unter. Von ihm haben die großen Worte gefehlt, in der langen Phase der Krise meldete er sich kaum einmal zu Wort und schritt ein. Bezeichnend sein Wechsel kurz vor Ende der vergangenen Spielzeit. Beinahe wäre er sogar mit dem VfL Wolfsburg in die 2. Bundesliga gegangen.
DER EMOTIONSGELADENE: Maik Franz
Der deutsche Innenverteidiger wusste tatsächlich durchweg zu überzeugen, fiel jedoch zuweilen durch seinen großen Einsatz in den Zweikämpfen negativ auf. Spieler beschwerten sich von Beginn an, forderten schon in den ersten Minuten die Karte und die Schiedsrichter reagierten prompt: „Die Unparteiischen denken sich wohl ‚Ich gebe ihm direkt die gelbe Karte und er ist ruhig gestellt‘, das ist unfair“, sagte er gegenüber Goal.com. Für die letzten Partien fiel er als Leader aus, ein weiterer Grund für den Abstieg.
TRAINER & UMFELD – Note: mangelhaft (5)
Heribert Bruchhagen entschied sich nach dem ersten Sieg der Rückrunde gegen den FC St. Pauli zu einem Trainerwechsel. Michael Skibbe musste das Handtuch werfen, der Retter Christoph Daum wurde verpflichtet. Der ehemalige Kölner Coach konnte die Wende nicht einleiten. Das Team kämpfte unter seiner Leitung, siegte beinahe gegen den FC Bayern München, ging gegen Borussia Dortmund in Führung, holte jedoch keinen einzigen Sieg. Zur Debatte steht, ob Michael Skibbe eine ebenso erschreckende Bilanz in den letzten sieben Matches hingelegt hätte.

GESAMTNOTE: mangelhaft (5)
Die Notenvergabe für die Eintracht gestaltet sich äußerst schwierig. Für die Hinrunde dürfen gute Noten verteilt werden, die Rückrunde war jedoch in allen Belangen unzureichend. Unter dem Strich bleibt der Abstieg, weshalb die Noten eher in den negativen Bereich tendieren. Die Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach waren schmerzlich, beide Trainer konnten in ihrem Part der Rückrunde nicht überzeugen und auch Christoph Daum wird den Klub letztendlich verlassen.
Der Knackpunkt der Saison scheint eindeutig das Aus im DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen zu sein. Haben die Spieler ihre einzige Chance auf Europa im Pokalfinale gesehen und anschließend den Mut für die Liga verloren? Die fehlende Doppelbelastung sorgte zumindestens nicht für einen Vorteil. Als Absteiger und einer der wenigen Mannschaften haben sie Borussia Dortmund in dieser Spielzeit geschlagen und nochmal für einen Funken Spannung zum Ende der Hinrunde gesorgt. Der Druck wurde anschließend zu groß und ließ den Klub, auch ob mangelnder Alternativen im Spielaufbau und großer Verletzungssorgen, am Klassenerhalt zerbrechen.
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