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Bruno Labbadia – vom Gescheiterten zum Hoffnungsträger
In der Bundesliga galt der Trainer Labbadia nach Stationen in Leverkusen und Hamburg als gescheitert. Beim VfB Stuttgart ruhen nun sämtliche Hoffnungen auf ihm.
Von Dirian El Amine
Stuttgart. Am Samstag dann ist es soweit: Bruno Labbadia trifft mit dem VfB Stuttgart auf seinen Ex-Klub, den Hamburger SV. Vom Hass-Duell in der Bundesliga ist die Rede. Die Begegnung Labbadias mit den Hanseaten hat es in sich! Denn es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass Labbadia in Hamburg entlassen wurde. Nun das Wiedersehen.
Talfahrt in Leverkusen und Hamburg
Sowohl in Leverkusen als auch in Hamburg hatte die Verpflichtung Labbadias als neuen Cheftrainer viele Hoffnungen geweckt: ein frischer, dynamischer Trainer, der offensiv spielen lässt – endlich! Die Klubs frohlockten, doch die Freude über Labbadias Arbeit währte nicht lange. In Leverkusen startete der gebürtige Darmstädter zwar fulminant, führte die Werkself in der Hinrunde bis an die Tabellenspitze, doch dann folgte der Absturz. Platz neun am Saisonende war ein ernüchterndes Ergebnis. Labbadia war gescheitert, hatte es verpasst, die kurzweilig vom Erfolg geblendete Truppe rechtzeitig wachzurütteln. Ein Jahr später als Coach des Hamburger SV das gleiche Bild: Labbadia begann überragend, vier Spieltage in Folge sonnten sich die Hanseaten gar auf Rang eins und überwinterten auf einem starken vierten Platz. Doch dann ging es bergab. Bei Platz sieben angekommen, stellten die Hamburger Verantwortlichen Labbadias Koffer vor die Tür.
Erinnerungen werden wach
Auch Goal.com-Redakteur Sebastian Heier erinnert sich an Labbadias Aus beim Hamburger SV: „Am Ende war es ein 1:5-Debakel gegen die TSG 1899 Hoffenheim, das dafür sorgte, dass Bruno Labbadia beim Hamburger SV entlassen wurde. Klubchef Bernd Hoffmann teilte damals mit, dass man die Situation genau analysiert habe und zu dem Entschluss der Trennung gekommen sei. Der Vorstand war damals zum Handeln gezwungen, denn die anhaltende Talfahrt in der Liga konnte nicht gestoppt werden.“ HSV-Experte Heier unterstreicht dabei auch Labbadias Schwierigkeiten im Umgang mit den Spielern: „Die Klub-Verantwortlichen vertrauten nicht mehr in die Arbeit von Bruno Labbadia, der vor allem bei seiner Mannschaft einen ganz schweren Stand hatte. Labbadia erreiche sein Team nicht mehr, so der Vorwurf. Der öffentliche Disput zwischen Labbadia und Torwart Frank Rost war der Höhepunkt. Am Ende zeigten die HSV-Kicker auf dem Feld, dass sie gegen den Trainer spielen und sorgten schließlich dafür, dass Bruno Labbadia nach nur wenigen Monaten wieder gehen musste!“ Revolte gegen Labbadia beim HSV – das sollte ihm nicht noch einmal passieren.
Beim VfB endlich Konstanz?
Seine dritte Chance in der Bundesliga erhielt Labbadia schließlich diesen Winter. Der im Abstiegssumpf steckende VfB Stuttgart rief den heute 45-Jährigen um Hilfe. Eine riskante Liaison, hatte Labbadia doch – wie auch die Schwaben – als Trainer noch keine Erfahrungen im Abstiegskampf gesammelt. Nun war Krisenmanagement gefragt, der Motivator Labbadia sollte die schwächelnden Schwaben zum Klassenerhalt führen. Und Labbadia wirkte tatsächlich Wunder, von der ersten Minute an. Das zerrissene Band zwischen Fans und Mannschaft stellte er im Nu wieder her, forderte den Anhang zu bedingungsloser Unterstützung auf. Worte, die Wirkung zeigten. Auch das in der Hinserie desolate Team stabilisierte er, ließ hart trainieren, redete seine Truppe auch nach Rückschlägen wieder stark und erbat sich von den Spielern Durchhaltevermögen. Ein Akt der Wiederbelebung – und genau daran war Labbadia noch in Leverkusen und Hamburg gescheitert. Auch VfB-Verteidiger Boulahrouz sieht nun „Konstanz und Kontinuität“. Ganz klar ein Verdienst von Bruno Labbadia.
Kapitel HSV ist „abgeschlossen“
In Stuttgart ist Bruno Labbadia inzwischen der Hoffnungsträger im Abstiegskampf. Und gelingt am Saisonende tatsächlich der Erhalt der Erstklassigkeit, dann wird sich Labbadia durchaus zurecht in heroischer Manier feiern lassen dürfen. Doch zuvor steht das Duell mit dem Ex-Klub an. Der Hamburger SV ist in Stuttgart zu Gast, ein besonderes Spiel für Bruno Labbadia, könnte man meinen. Der 45-Jährige aber betont: „Wenn ich etwas abgeschlossen habe, dann ist es abgeschlossen.“ Auf Hamburger Gegenwehr kann er sich jedoch am Samstag gefasst machen: Torwart Frank Rost, den Labbadia dereinst hatte demontieren wollen, steht dann nämlich zwischen den Pfosten beim HSV. Es brodelt vor dem Duell in der Mercedes-Benz-Arena. Und man darf gespannt sein, ob Bruno Labbadia dem Hamburger SV die Teilnahme an der Europa League heute wie damals verwehrt. So oder so geht es dabei auch um seine Zukunft.
Eure Meinung: Was denkt Ihr über Labbadias Wiedersehen mit dem HSV und über seine Arbeit in Stuttgart?
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