FC Bayern München: Konstanz statt punktueller Verstärkung
Das Transferfenster ist geschlossen und es steht fest: das Vertrauen des Rekordmeisters in den erfolgreichen Kader der vergangenen Spielzeit ist schier grenzenlos. Doch neben den Qualitäten des Vorjahres, bleiben auch die bekannten Schwachstellen erhalten.
von Nikolai MENDE
Durchwachsener Saisonstart
Zwei Spieltage in der noch jungen Bundesligasaison sind absolviert und der Rekordmeister findet sich auf Platz 12 der Tabelle wieder. Ohne Zweifel, spielerisch ist die Mannschaft von Louis Van Gaal weiter, als noch vor einem Jahr. Die erfolgreiche Spielanlage der letzten Saison ist dem Rekordmeister nicht abhanden gekommen. Die Auswärtsniederlage in Kaiserslautern (0:2) war unnötig und deshalb auch ärgerlich, doch wirft sie die Münchner keineswegs aus der Bahn. Zu offensichtlich ist das Potenzial der Mannschaft in der Offensive. „Wenn wir dieses Spiel anschauen, können wir sagen, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben in der zweiten Halbzeit alles getan, um zu gewinnen. Aber es ist uns nicht gelungen“, so Bayern-Trainer van Gaal nach dem Abpfiff.

Will an frühere Leistungen anknüpfen: Franck Ribéry
Hoffnungsträger Ribéry
Auf einem Mann lastet in dieser Saison ein ganz besonderer Erwartungsdruck. Nach dem Seuchenjahr in der vergangenen Saison und der langfristigen Verletzung von Arjen Robben, brauchen die Münchner ihren französischen Feingeist Franck Ribéry und seine überlegene individuelle Klasse. Der Franzose ist sich dessen bewusst, dass er seinen Status, den er trotz sportlicher Talfahrten und privatem Hickhack bei den Bayern-Fans inne hat, bestätigen muss. Noch im Mai, einen Tag nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Inter Mailand (0:2), kündigte der Superdribbler eine „große Saison, wie vor 2 Jahren“ an. Das sieht auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß so, der trotz aller Probleme in der Vergangenheit stets auf väterliche Art und Weise zu ihm gehalten hat: „Franck ist in einer gewissen Bringschuld, das weiß er selber“.
Die Qual der Wahl
Offensiv ist der FC Bayern so gut besetzt, wie schon seit Jahren nicht mehr. Neben einem Überangebot im Sturm , der überragenden Flügelzange Ribéry und Robben, sowie Shootingstar Thomas Müller, haben die Roten mit Rückkehrer Toni Kroos eine weitere hochkarätige Option für das offensive Mittelfeld dazugewonnen. Auch ohne den verletzten Arjen Robben, ist es schwer, dieses Angebot an Topleuten im Team unterzubringen. So muss Stürmer Ivica Olic vorerst auf die Position des Holländers im rechten Mittelfeld ausweichen, wo er auf dem Betzenberg jedoch blass blieb. Auch die Sorgenkinder der vergangenen Saison im Sturm, WM-Held Miroslav Klose und Mario Gomez, bekommen ihre Chancen. Beide weigerten sich im Sommer, den Verein zu verlassen und wollen um ihre Chance kämpfen. Auch ein Plus für den FC Bayern, obgleich beide Spieler mit Problemen zu kämpfen haben. Klose zeigt im Trikot der Roten zu selten die breite Brust, die er bei WM-Turnieren hat und Rekordeinkauf Mario Gomez passt von seiner Spielweise her nicht zum System von Louis Van Gaal und zur Flügelzange „Robbery“, von der man keine Flanken erwarten kann und deren schnellen Kombinationsfußball man mitspielen muss. Ebenso ist es notwendig, dass der Mittelstürmer im System des Holländers im Spiel auf alle Positionen in der Offensive ausweichen kann. Ein reiner „Knipser“ ist daher nicht vorgesehen, weswegen auch immer Klose Gomez vorgezogen wird, da dieser einfach mehr den „spielenden“ Stürmer verkörpert, trotz geduckter Haltung.

Genießt das volle Vertrauen des Trainers: Diego Contento
Neue Hoffnung und alte Schwächen
Auf Transfers verzichteten Trainer Louis Van Gaal und Manager Christian Nerlinger vollkommen. Außer den Rückkehrern Breno (Nürnberg) und Kroos (Leverkusen), gab es keine weiteren Neuzugänge an der Säbener Straße zu vermelden. Die Gerüchte um den Portugiesen Fabio Coentrao und den Holländer Van der Weil lösten sich in Rauch auf, scheiterten an zu hohen Ablöseforderungen der Portugiesen bzw. am Veto des Bayern-Trainers. „Die sind auch nicht besser als Contento“, kommentierte van Gaal die Alternativen auf dem Transfermarkt. Dieser setzt entschlossen auf die Eigengewächse Diego Contento und Holger Badstuber. Und auch Christian Nerlinger, der stets voll des Lobes für Linksverteidiger Contento war, verteidigt die passive Vorgehensweise auf dem Transfermarkt und vertraut voll und ganz dem aktuellen Kader und den großen Fähigkeiten des Trainers: „Einige konnten nicht verstehen, dass wir nicht aktiv geworden sind. Aber wir haben von Anfang an gesagt, dass wir Vertrauen in unsere Mannschaft haben“, so der Bayern Manager, der gleich noch ergänzte, dass man einen „guten und ausgeglichenen Kader und eine schlagkräftige Mannschaft habe“.
Mittelmäßige Abwehr
Bei vielen Bayern-Anhängern, die aufmerksam in der vergangenen Champions-League-Saison hingesehen haben, kommen jedoch Zweifel an der Richtigkeit dieser Passivität auf. Denn die Schwächen der vergangenen Saison, die Hintermannschaft, bleiben weiterhin bestehen. Als Ersatz für Phillip Lahm kommen nur die Mittelfeldakteure Hamit Altintop und Anatoli Timoshchuk in Betracht, auf links spielt Contento seine erste volle Profisaison, bei dem Niemand weiß, ob er das nötige hohe Niveau bringen kann und seine Ersatzleute sind mit Badstuber , David Alaba und Edson Braafheid ebenfalls nur Notlösungen. Der größte Schwachpunkt der Bayern-Mannschaft ist die Innenverteidigung, in der Daniel van Buyten weiterhin als Abwehrchef gesetzt bleibt, obwohl er bereits zu oft seine Chancenlosigkeit gegen aktionsschnelle Gegenspieler bewiesen hat. Der am Boden zweikampfstärkste Innenverteidiger, Martin Demichelis, wurde dagegen degradiert, da Holger Badstuber vom Trainer einen Freifahrtschein ausgestellt bekommen hat. Es ist zweifelhaft, ob der Rekordmeister international mit einer individuell so mittelmäßigen Abwehr noch einmal ins Finale der Königsklasse vorstoßen kann, denn unmittelbar nach dem verlorenen Finale von Madrid zeigte man sich noch demütig und gab zu, dass man personell nachlegen müsse, um auf Augenhöhe zu kommen. Die Hoffnung van Gaals liegt im Zentrum vor allem auf dem derzeit verletzten Brasilianer Breno, welchen er mittelfristig neben Holger Badstuber in der Innenverteidigung sieht.
Eure Meinung: Was denkt Ihr? Kann der FC Bayern mit diesem Kader die Erfolge der letzten Saison wiederholen?
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