Siegenthaler sagt dem HSV ab, Hoffmann sauer

Urs Siegenthaler wird nun doch nicht wie zunächst geplant neuer Sportdirektor beim Hamburger SV. Nachdem sich bereits in den letzten Tagen ein Konflikt angebahnt hatte, entschied sich der Chef-Scout des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun für einen Verbleib beim Verband und gegen den Job beim Bundesligisten. Das bestätigte Bernd Hoffmann am Donnerstagabend auf der Homepage des Vereins.

Von Dennis WEINACHT

Ende einer Ära? Bernd Hoffmann könnte nach der Saison beim HSV aufhören (Getty Images/Bongarts)

Hamburg. Beim Hamburger SV will nach wie vor keine Ruhe einkehren. Nun hat Urs Siegenthaler dem Verein abgesagt. Er wird den Job des Sportdirektors nicht wie seit Monaten geplant antreten. Von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte es Bedenken bezüglich eines Interessenkonfliktes gegeben, da Siegenthaler beim Verband als Chef-Scout arbeitet. Nun hat sich der 62-Jährige für die Fortsetzung seiner Arbeit und gegen den Job in der Hansestadt entschieden. Bei Bernd Hoffmann, dem Vorsitzenden des HSV, stößt diese Entscheidung auf Unverständnis.

„Das ist nicht nachvollziehbar“

Er erklärte auf der Homepage des Klubs deutlich: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass Urs Siegenthaler nun zu einer Entscheidung gezwungen wurde. Die Absicht, eine Funktion beim HSV zu übernehmen, ist seit Februar bekannt und mit den verantwortlichen Leuten beim DFB abgestimmt. Dass eine Doppelfunktion nun vier Tage vor Arbeitsbeginn ein unlösbares Problem darstellen soll, ist nicht nachvollziehbar.“ Hoffmann verwies zudem darauf, dass es sowohl „bei der Nationalmannschaft, als auch bei der DFL“ immer wieder Doppelfunktionen gebe. Er kann deshalb diesen Schritt nur bedingt verstehen.

Verein ist gut aufgestellt

Dennoch ist diese Entscheidung kein Horror-Szenario, wie Hoffmann bekräftigt: „Wir werden die angestoßenen Maßnahmen fortsetzen. Dafür sind wir mit unserem Sportvorstand Bastian Reinhard und durch die mit Urs Siegenthaler getroffenen Personalentscheidungen in Nachwuchs und Scouting gut aufgestellt.“ Hoffmann selbst erklärte auch, dass er niemals versucht habe, Siegenthaler zu einer anderen Entscheidung zu bewegen: „Er bedauert diese Entwicklung genauso wie wir. Allerdings hat er seine uneingeschränkte Loyalität zu Joachim Löw von Beginn an unterstrichen und es wäre unredlich, ihn jetzt zu einer anderen Entscheidung zu drängen.“ Bundestrainer Löw hatte zuletzt seinen Vertrag beim DFB bis zur Europameisterschaft 2012 verlängert und danach seinen Stab komplett halten wollen.

Urs Siegenthaler hat dem Hamburger SV am Donnerstag abgesagt, bleibt beim DFB!

Siegenthaler ist enttäuscht

Urs Siegenthaler selbst bezog am Abend in einer Erklärung Stellung und wirkte dabei enttäuscht: „Mit großem Bedauern und schweren Herzens habe ich heute dem Vorstand und dem AR (Aufsichtsrat; Anm. d. Red.) des HSV meine Absage der Zusammenarbeit übermittelt.“ Er habe in den letzten Monaten beim Hamburger SV „außergewöhnliche Menschen und Persönlichkeiten kennen gelernt“, was für ihn ein „bleibender Gewinn“ sei. Und weiter erklärte er: „Ich stehe diesem Verein und den dort handelnden Personen mit größtmöglichem Respekt und Anerkennung gegenüber. Ich hatte mich sehr auf meine Arbeit mit dem HSV gefreut.“ Offenbar wollte er sich selbst auch nicht zwischen den beiden Jobs entscheiden, vor allem nicht gegen eines dieser Ämter.


Kann weiter auf seinen Scout setzen: Joachim Löw hat die volle Loyalität von Siegenthaler!

„Eine emotional unüberbrückbare Hürde“

Aber eine Wahl hatte er sich selbst nicht gelassen: „Aufgrund von mir nicht beeinflussbaren Umständen stand ich jetzt aber vor der Alternative einer Tätigkeit für den HSV oder den DFB. Aufgrund meiner von Anfang an auch gegenüber dem HSV betonten Loyalität zum DFB, zum Bundestrainer Joachim Löw und zum Team der Nationalmannschaft – wir sehen und sahen uns dort immer als Einheit – habe ich jetzt diese Entscheidung getroffen.“ Ein Ausscheiden aus dieser Einheit sei für ihn eine „eine emotional unüberbrückbare Hürde“ gewesen. Deshalb habe er sich gegen den HSV entschieden. Der Verein sei für ihn aber weiterhin ein „europäischer Spitzenclub mit einem großen Entwicklungspotenzial“. Nur zu gerne hätte er an diesem Projekt mitgewirkt...

Eure Meinung: Siegenthaler darf nicht zum HSV! Könnt Ihr diese plötzliche Wende beim DFB nachvollziehen? Und ist es sinnvoll, dass man ihn so kurz vor dem ersten Arbeitstag zum Ausscheiden drängt?



 
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