Kommentar: Christian Nerlinger, der verschollene Sohn des Uli Hoeneß?

Rund ein Jahr, nachdem Christian Nerlinger sein Amt als Sportdirektor aufgenommen hat und damit der legitime Erbe von Uli Hoeneß ist, beweist der 37-Jährige durchaus sein Potenzial als Führungsfigur. Und auch in Sachen Abteilung Attacke kommt er der Münchner Kultfigur immer näher.

Von Benjamin HOFMANN

Hitzig: Münchens Uli Hoeneß contra Bremens Klaus Allofs
München. Was haben wir alle getrauert, als Uli Hoeneß ankündigte, sich Schritt für Schritt aus dem operativen Geschäft beim FC Bayern München zurückzuziehen. Ohne die personifizierte Abteilung Attacke, die stets mit hochrotem Kopf neben den Hitzfelds, Trappatonis, Magaths und zum Ende Klinsmanns dieser Welt auf der Bayern-Bank mitfieberte, drohte mediale Langeweile. Doch in München wächst wieder etwas heran...

Christian Nerlinger schlüpft Schritt für Schritt in Hoeneß` Fußstapfen – er füllt sie von Monat zu Monat, Woche zu Woche, Tag zu Tag besser aus. Dabei bleibt er den bodenständigen Geschäftspraktiken seines Vorgängers treu. Keine horrenden Millionen-Beträge für einen Gregory van der Wiel, der zweifelsohne hoch talentiert ist – „das Thema hat sich für uns erledigt,“ sagte Nerlinger. Van Gaal setze mit Diego Contento auf einen jungen Mann – 20 Millionen gespart. Und die wandern direkt aufs Festgeldkonto.

Transferpolitik: Nicht teuer, aber sinnvoll

Denn anders als so mancher Bau-Monarch oder Öl-Milliardär neigt der gebürtige Dortmunder genau wie sein Lehrmeister nicht dazu, Transfers nur um der Medienwirksamkeit willen zu tätigen. „Wir sind mit Müller und Kroos auf dieser Position gut besetzt, wozu brauchen wir da Diego?“ Simpel und doch wirkungsvoll tat er öffentliche Spekulationen um die Rückkehr des Brasilianers in die Bundesliga ab. Und wer die Bayern kennt, der weiß, dass der Rekordmeister für die dünn besetzte Abwehr auch noch einen Kandidaten in der Hinterhand hat – unter Garantie.

Nachholbedarf als Abteilung Attacke...

Die Fächer Transfers und Medienwirksamkeit hat Nerlinger also in der imaginären Uli-Hoeneß-Management-School mit Bravour bestanden – nun gilt es, einen Intensivkurs in „Abteilung Attacke“ zu belegen. Die blieb bislang dem Altmeister vorbehalten, mit Recht. Denn wer denkt nicht gerne an die Duelle zurück. Ob gegen Bremens Willi Lemke, gegen Kölns und später Leverkusens Christoph Daum, gegen die Dormunder Meier und Niebaum. Diese Reibereien in der Öffentlichkeit genoß jeder Fan, da hat Nerlinger noch Nachholbedarf. Obwohl, beim Diego-Transfer hat er schon bewiesen, dass er Fortschritte gemacht hat. Sein bissiger Kommentar „Diego wurde mir jetzt schon von acht verschiedenen Agenten angeboten und jeder dachte, ich tanze im Dreieck vor Glück“ ging schon in die klassisch-zynische Hoeneß-Richtung...



Christian Nerlinger (re.) macht an der Seite von Louis van Gaal als Zögling von Uli Hoeneß eine gute Figur.


Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 20.07.2010 bis zum 26.07.2010
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