Spielbericht Bundesliga: 1. FC Nürnberg – Bayer Leverkusen

Leverkusen hätte wieder Platz 1 erobern können, doch stattdessen rutschten die Rheinländer auf Platz 3. Nürnberg gewann in einem dramatischen Spiel mit 3:2 (2:0) und kam erst mit dem Anschlusstreffer wirklich ins Schwimmen. Der Club verließ damit die Abstiegsränge.

Von Christoph VOGEL

Reinartz verletzt Breno bei dieser Grätsche schwer (Getty Images)

Nürnberg. Bayer Leverkusen konnte den Ausrutscher vom FC Bayern in Köln nicht nutzen und holte selbst keinen Punkt beim 1. FC Nürnberg. Der Außenseiter zeigte über 60 Minuten eine starke Leistung, erst viel zu spät wachte die Werkself auf. Nürnberg gewann zwar die Partie, verlor aber auch Breno mit Verdacht auf Kreuzbandriss.

PERSONAL & TAKTIK

Jupp Heynckes veränderte seine Mannschaft gegenüber den letzten Spielen auf zwei Positionen und brachte Renato Augusto sowie Kadlec. Der Brasilianer durfte zum ersten Mal in der Rückrunde von Anfang an spielen. Patrick Helmes und Tranquillo Barnetta mussten auf der Bank Platz nehmen. Dieter Hecking musste im Sturm umstellen, da Toptorjäger Albert Bunjaku gesperrt fehlte. Eric Maxim Choupo-Moting bildete die einzige Spitze im 4-3-2-1 vor Mike Frantz und Marcel Risse. Bayerns Leihgabe Breno und Andreas Wolf stemmten die Innenverteidigung hinter Mickael Tavares auf der 6er-Position.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Bei bestem Sonnenschein und entsprechender Stimmung rollte der Ball in Nürnberg. Die Gastgeber waren in der Anfangsphase die bessere Mannschaft und ließen Leverkusen zunächst nicht ins Spiel kommen. Die Werkself war nur selten zu sehen, stattdessen spielte Nürnberg: Über Tavares, Gündogan und Choupo-Moting wurde Risse auf rechts freigespielt, doch Adler spielte sehr gut mit und machte den Winkel zu spitz für die Leihgabe aus Leverkusen (18.) Kurz darauf war es der sehr auffällige Tavares, der knapp am rechten Eck vorbei schoss (19.).

Aber plötzlich war Leverkusen da: Castro chippte toll in den Lauf von Kroos, der den Ball über Schäfer lupfte, aber doch so weit, dass das Leder im Aus landete (24.). Erst in dieser Phase bekamen die Gäste das Spiel in den Griff. Doch dann der große Schock für Nürnberg: Breno blieb nach einem Foul von Reinartz gekrümmt auf dem Rasen liegen und musste auf der Trage vom Feld gebracht werden. Für den Brasilianer, beim dem Verdacht auf Kreuzbandriss besteht, kam Maroh (33.). Nürnberg verlegte sich aufs Kontern, da Leverkusen zwar optisch überlegen, aber nicht unbedingt herausragend war.

Und so kam es, dass Nürnberg nicht ganz unverdient in Führung ging: Castro verlor das Kopfballduell gegen Frantz und der Ball landete bei Choupo-Moting, der aus kurzer Distanz zum 1:0 einschob (42.). Leverkusen war nun völlig von der Rolle und fiel hinten auseinander: Unter gütiger Mithilfe von Friedrich und Hyypiä konnte Choupo-Moting aus 16 Metern abziehen und zum Doppelpack vollenden (46.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Nürnberg konnte sich im zweiten Abschnitt vollends aufs Kontern verlegen. Für Leverkusen entwickelte sich das Spiel zum Debakel: Nach einer Ecke von Risse traf Tavares mit dem Fuß zum 3:0 (55.). Heynckes musste reagieren und brachte Helmes und Barnetta für Reinartz und Derdiyok (59.). Leverkusen fehlte eindeutig die Leichtigkeit, die Mannschaft spielte mit dem sprichwörtlichen Klotz am Bein. Mit dem ersten guten Angriff in den zweiten 45 Minuten kam Leverkusen zum ersten Tor: Vidal spielte Castro auf rechts frei, der zum ersten Mal etwas Platz hatte und zu Kiessling zurück in die Mitte gab. Der Stürmer verwertete das Zuspiel zum 3:1 (66.).

Mit Barnetta war mehr Zug drin im Spiel nach vorne. Bayer hatte Lunte gerochen, während Nürnberg in dieser Phase offensiv einfach zu wenig tat. Leverkusen kam und traf zum Anschluss: Helmes kam nach einem Nürnberger Abwehrfehler frei zum Schuss und erzielte das 3:2 (73.). Bayer warf nun alles nach vorne.

Nur noch selten verschafften sich die Hausherren Entlastung. Bayer suchte die Lücken. Vidal wuselte sich mit Gewalt durch mehrere Gegenspieler und steckte durch zu Barnetta, dessen Schuss Schäfer jedoch parieren konnte (86.). Die Zeit lief gnadenlos runter und Gygax verpasste bei einem Konter die Entscheidung (91.). Doch am Ende reichte es für Nürnberg zum ersten Heimsieg unter Dieter Hecking.

SCHLÜSSELSPIELER

Tavares und Choupo-Moting waren beim Club die besten Akteure, während erst die Einwechslung von Barnetta bei Bayer für Schwung sorgte. Weiter konnten Vidal und Castro überzeugen.

SCHLÜSSELSZENE

Andreas Wolf holte im Duell mit Kiessling den Stürmer im Strafraum von den Beinen, doch Drees pfiff nicht. Es hätte das frühzeitige 3:1 sein können.

SPIELER DES SPIELS: Eric Maxim Choupo-Moting

Die Leihgabe des HSV erzielte seine Saisontreffer zwei und drei und legte mit seinem Doppelpack vor der Pause den Grundstein für den Heimsieg.

SCHIEDSRICHTER: Dr. Jochen Drees – Note: 5

Die Entscheidung, Reinartz bei seinem Foul gegen Breno nur Gelb zu zeigen, war vertretbar. Anders dagegen bei der Aktion von Wolf im Strafraum gegen Kießling, als Drees hätte Elfmeter für Bayer geben müssen. Ansonsten entschied er korrekt.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 8

Die Schlussphase war höchst dramatisch und endete mit einem Sieg für den Außenseiter. Fünf Tore sorgten für ausreichend Unterhaltung.

STATISTIK

Viele Fans hatten sich am Anfang Sorgen gemacht, wie Albert Bunjaku ersetzt werden könne. Der Schweizer ist in den Castrol Rankings zweitbester Spieler des Clubs (Rang 1175, 361 Punkte). Choupo-Moting jedoch machte seine Sache bestens und darf sich Hoffnungen machen, dass es für ihn vom aktuellen Platz 1949 weit nach oben geht.

FAZIT

Ein aufgrund der starken ersten Hälfte nicht völlig unverdienter Sieg der Clubberer, die sich dadurch von den Abstiegsplätzen schieben konnten. Leverkusen wachte viel zu spät auf und muss in der Tabelle auch den FC Schalke vorbeiziehen lassen.

Eure Meinung: Hat Leverkusen in den letzten Wochen die Meisterschaft verspielt?



 
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