Spielbericht Bundesliga: Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg

Wie gerne hätte der VfL Wolfsburg an diesem Spieltag mal dem FC Bayern München geholfen und sich gegen Bayer 04 Leverkusen duchgesetzt. Am Ende sollte aber Trainer Lorenz-Günther Köstner erneut verzweifeln, weil seine Mannschaft in der ersten Halbzeit noch taktisch klug stand, dann aber im zweiten Durchgang durch zwei Fehler und Missgeschicke von Keeper André Lenz ins Hintertreffen geriet. Dennoch ist der 2:1 (0:0)-Erfolg am Ende absolut gerechtfertigt, weil Leverkusen spielerisch überzeugte und die Niedersachsen insgesamt nicht.

Von Dennis WEINACHT

Bundesliga: Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg, Kroos und Schindzielorz im Luftduell (Bongarts / Getty Images)

Leverkusen. André Lenz war der Unglücksrabe des Spieltages. Er hielt insgesamt noch ordentlich, hatte aber einen Fehler und ein Missgeschick zu Gunsten von Bayer 04 Leverkusen zu verbuchen. Der VfL Wolfsburg zeigt erneut gute Ansätze, agiert weitgehend taktisch klug. In Sachen spielerische Klasse und Konsequenz fehlt es der Mannschaft aber noch gehörig.

PERSONAL & TAKTIK

Im Vergleich zu den erfolgreichen letzten Wochen musste Trainer Jupp Heynckes die Mannschaft aus Leverkusen auf einer Position verändern. Für den gesperrten Arturo Vidal durfte Lars Bender beginnen. Lorenz-Günther Köstner war auf der Gegenseite sogar zu zwei Wechseln gezwungen. Auch er musste mit Hasebe einen gesperrten Kicker ersetzen. Für ihn stand Sebastian Schindzielorz in der Startelf. Zudem reiste Andrea Barzagli vor dem Spiel ab, weil seine hochschwangere Frau in absehbarer Zeit ihr Kind bekommen sollte. Für ihn stand Jan Simunek in der ersten Mannschaft bei den Niedersachsen.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

In den ersten Minuten egalisierten sich beide Teams noch weitgehend. Das lag vor allem daran, dass Leverkusen geduldig begann, wie man es von der Mannschaft von Jupp Heynckes gewohnt ist. Der VfL Wolfsburg wollte nach vorne spielen, schaffte dies aber nicht, weil die Gastgeber ordentlich standen in der Defensive. Erst zur Mitte der ersten 45 Minuten hin wurden die Rheinländer dominanter, als Toni Kroos etwa seine Gegenspieler aussteigen ließ, mit einem ordentlichen Schuss aber am starken André Lenz scheiterte (24). Aus ähnlicher Position scheiterte anschließend auf der Gegenseite Edin Dzeko am schnell reagierenden René Adler, der zur Ecke klärte (27.).

Weil auch Stefan Kießling nach 38 Minuten mit seinem Kopfball am Keeper scheiterte, blieb es bis zur Pause bei diesem torlosen Remis. Noch war nicht allzu viel in der BayArena passiert, noch wollten beide Mannschaften nicht volles Risiko gehen. Bei der Partie zwischen dem Tabellenführer und dem amtierenden deutschen Meister war bisher die Taktik das überwiegende Thema. Wolfsburg ließ den Gegner erstmal kommen und darauf wollte sich Bayer noch nicht einlassen. Die Fans hofften auf bessere zweite 45 Minuten.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Und die zweite Halbzeit begann gut! Nach einem Freistoß ließ André Lenz, der bisher so gut gehalten hatte, den Ball nach vorne abprallen, obwohl er ihn schon sicher in den Händen hatte. So kam Stefan Reinartz an den Ball. Er lupfte das Leder über die Gegenspieler hinweg ins Tor (47.). Nun sollte das Spiel doch bitte besser werden. Wolfsburg musste jetzt weiter aufmachen und selbst kommen. Das würde auf der anderen Seite aber wieder Räume für Leverkusen eröffnen. In jedem Fall waren die Zuschauer nun guter Dinge, dass die kommenden Minuten spannenden Fußball zu bieten haben würden.

Und so war es dann auch. Die Niedersachsen spielten etwas bemühter nach vorne, konnten aber den letzten Pass nie beim Mitspieler unterbringen, die Konsequenz im Gang nach vorne fehlte. Stattdessen boten sich nun auch Leverkusen mehr Räume. Der Tabellenführer spielte schnell, zielstrebig und attraktiv nach vorne, brachte aber den Abschluss zu selten gefährlich aufs Tor. Sowohl der Ausgleich als auch das 2:0 schienen nun möglich zu sein. Denn eines war auch klar: Generell war die spielerische Klasse beim VfL Wolfsburg schon vorhanden, um vielleicht doch einen Angriff ganz präzise auszuspielen.

Aber es fiel dann eben doch das 2:0: Nach einem Freistoß kam der sehr bemühte und unglaublich starke Eren Derdiyok an den Ball. Er köpfte das Leder an die Unterkante der Latte und von dort aus an den Fuß von Lenz. Wieder sprang das Leder über die Linie, wieder war Lenz der Pechvogel (68.). Der Schlussmann konnte einem nun richtig Mitleid abgewinnen. Der Treffer wurde als Eigentor gewertet auch wenn Derdiyok gefeiert wurde. Das Skurrile: Lenz war einer der besseren Spieler im „Wöfe“-Dress. Und ausgerechnet er hatte nun seine Mannschaft komplett aus dem Takt gebracht. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.

Aber noch wollten sich die Gäste nicht aufgeben. So legte Misimovic toll quer zu Dzeko, der mit dem ersten Ball am sensationell reagierenden Adler scheiterte, dann aber den zweiten Versuch aus ungünstigem Winkel verwandelte (79.). Nun wurde es doch wieder spannend. Sollte in der Schlussphase etwa noch was passieren? Nein, denn Leverkusen spielte es sicher runter, hätte sogar noch treffen müssen, als etwa Derdiyok nach 88 Minuten freistehend das Tor nicht traf und knapp drüber schob, Kießling es ihm anschließend gleich tat (90.+2). Auch Adler rettete seiner Mannschaft in der Nachspielzeit noch den Sieg, als er einen Weitschuss mit all seiner Klasse parierte! So blieb es am Ende beim verdienten 2:1-Erfolg.

SCHLÜSSELSPIELER & - SZENEN

Die Tore sind anzuführen, aber auch die Angriffe, die der VfL Wolfsburg zwischenzeitlich nicht ordentlich ausspielte. Da wäre oftmals mehr möglich gewesen. Aber auch die mitunter tollen Paraden von André Lenz können als Schlüsselszenen gewertet werden. Er war in tragischer Weise auch ein Schlüsselspieler, ebenso wie der sehr starke Eren Derdiyok und die ungalublich laufstarken Bayer-Kicker Tranquillo Barnetta und Toni Kroos.

SPIELER DES SPIELS: Tranquillo Barnetta

Der Schweizer machte eine tolle Partie, war vor allem in der zweiten Halbzeit ein echter Aktivposten bei den Hausherren. Zudem suchte er selbst immer wieder den Abschluss aus der zweiten Reihe, was mitunter sehr stark aussah. Er ist ein Leistungsträger in dieser Saison und bewies das auch in diesem Spiel wieder. Sehr gute Leistung des Mittelfeldmannes, der seine spielerische Qualität nicht verstecken wollte.

SCHIEDSRICHTER: Thorsten Kinhöfer – Note: 7.5

Am Mittwoch stand er nach dem DFB-Pokal-Spiel in Augsburg noch mächtig in der Kritik. An diesem Spieltag war das alles bedeutend besser. Er machte keine Fehler, wirkte immer konzentriert und auf der Höhe des Geschehens. In der ersten Halbzeit wurde er dabei aber auch kaum gefordert, im zweiten Durchgang schaffte er sich in der heißen Phase durch eine konsequente Linie Ruhe in der Begegnung.

Anmerkung: Die Bewertungsskala reicht wie bei der Spielnote von einem Punkt (grottenschlecht) bis zehn Punkte (weltklasse).

SPIELNOTE: 7

So verschlafen die erste Halbzeit auch war, so attraktiv war der zweite Durchgang. Spielerisch war das besser, weil nach dem frühen Tor der Gastgeber mehr Räume entstanden. Zudem boten sich beide Teams auch kämpferisch die Stirn. Es schien jederzeit alles möglich zu sein. Die Spieler kämpften, spielten und trafen dann auch. Das Pech von Keeper Lenz tat sein Übriges zu der Unterhaltung der Zuschauer bei.

STATISTIK

Der VfL Wolfsburg bleibt die Mannschaft im deutschen Profifußball mit den meisten Gegentoren. 44 sind es nach diesem Spiel. Der Schlussmann André Lenz hielt über weite Strecken sehr ordentlich, sah aber bei dem Gegentor keineswegs gut aus. Er belegt im Castrol-Index derzeit den 1837. Platz. Damit liegt er trotz ordentlicher Leistungen rund 1500 Plätze hinter seinem Kollegen Diego Benaglio. Es liegt wohl aber mehr an der Abwehrleistung als an seiner eigenen. Denn abgesehen von dem Gegentor und seinem Fauxpas hielt er auch dieses Mal wieder ordentlich.

FAZIT

Leverkusen bleibt weiter oben, weil die Mannschaft gegen den VfL Wolfsburg eine tolle Leistung im Stile einer Spitzenmannschaft ablieferte. Zwar profitierten die Rheinländer am Ende auch von zwei Lenz-Ungeschicken. Die Niedersachsen hingegen bleiben im Mittelfeld der Tabelle hängen und müssen nach wie vor aufpassen: Die Rückrunde ist noch eine ganze Weile lang und die Abstiegsplätze sind nicht weit entfernt.

Eure Meinung: Was bringt Bayer 04 Leverkusen dieser Sieg im Kampf um die deutsche Meisterschaft? Und was wird aus dem VfL Wolfsburg?



 
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