Spielbericht Bundesliga: 1. FC Köln – Hamburger SV

In einem sensationellen Bundesligaspiel teilen sich der 1. FC Köln und der Hamburger SV die Punkte. Nachdem die „Geißböcke“ den Start beider Halbzeiten völlig verpennten, kämpfte die Soldo-Elf sich jedoch noch zum 3:3-Ausgleich kurz vor Spielende heran. Die kurze Premiere von Ruud van Nistelrooy blieb eine Randnotiz an diesem Nachmittag.

Von Francois DUCHATEAU

Petric entwischt Wome (Bongarts/Getty)
Köln. Die Partie zwischen Köln und dem HSV war so ereignisreich, dass der Hype um Ruud van Nistelrooy in den Hintergrund geriet.

PERSONAL & TAKTIK

Wie angekündigt standen beim 1. FC Köln neben Fabrice Ehret Lukas Podolski und Maniche nicht zur Verfügung. Zvonimir Soldo nutzte die Gelegenheit, um von seinem zuletzt erfolgreichen 4-3-3 abzuweichen und im 4-4-2 auf die Spitzen Sebastian Freis und Milivoje Novakovic zu setzen. Adil Chihi und Zoran Tosic bildeten die Flügelzange im Mittelfeld, bei der Petit und Kevin Pezzoni im Zentrum für Ordnung sorgen sollten.
Nach der Knöchelverletzung von Jerome Boateng vertraute Bruno Labbadia in der Abwehr auf Guy Demel. Marcus Berg und Mladen Petric begannen im Sturm und lauerten auf Vorlagen der Außenspieler Marcell Jansen und Eljero Elia. Superstar Ruud van Nistelrooy saß erstmals auf der Bank.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Der Hamburger SV legte einen regelrechten Blitzstart hin: Nach einem ersten Ausrufezeichen von Eljero Elia erwischte Marcell Jansen die „Geißböcke“ dann folgenschwer auf dem falschen Fuß. Nach einem Ballverlust von Pierre Womé bekam Mladen Petric den Ball von Rincon, Faryd Mondragon konnte den Schuss nur schlampig abprallen lassen, sodass der entwischte Ex-Gladbacher nur noch einschieben musste (2.). Den 1. FC Köln schien dieses frühe Gegentor nicht wachgerüttelt zu haben, Stellungsfehler häuften sich. Einen aussichtsreichen Pass in den Lauf konnte Marcus Berg nur neben’s Tor lupfen (8.). Die Hausherren rückten einzig durch einen Freistoß von Petit nach vorne, den Milivoje Novakovic knapp am Tor vorbei bugsierte (10.). Demel verpasste fünf Minuten später auf der anderen Seite nach Elia-Zuspiel aus ähnlicher Situation (15.).
Allmählich fanden die Domstädter in die Partie und hatten fast die Möglichkeit zum Ausgleich. Frank Rost zeigte jedoch gleich dreimal seine blendenden Reflexe gegen Sebastian Freist, der von Petit frei gespielt wurde (18.). Das Match ebbte ab, da die „Rothosen“ den 1. FC Köln aus der Reserve locken wollte. Da aus dem Spiel heraus nicht viel passierte bei der Soldo-Elf mussten erneut die Standards herhalten: Wieder war es Petit, der das Leder hineinbrachte, Kapitän Youssef Mohamad gewann gegen Joris Mathijsen das Duell und netzte per Kopf zum Ausgleich ein (31.).
Nun ging es Schlag auf Schlag. Nachdem eine Freistoßvariante an der Torauslinie der Kölner in die Hose ging, antwortete der Hamburger SV mit einem Weltklasse-Spielzug: Der formstarke Jansen ließ Wome ein weiteres Mal alt aussehen und bediente Petric, der den Ball wunderschön über Mondragon zum 1:2 hinüberlupfte (36.). Die Gäste zwar dominant, aber der FC fightete. Ein Lattenkracher von Novakovic aus 18 Metern war das letzte Highlight einer fantastischen ersten Hälfte (44.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Die zweite Halbzeit begann ebenso Turbulent wie die erste. Nach eine Flanke von Aogo sah Schiedsrichter Weiner eine unnatürliche Handbewegung von Pedro Geromel und entschied nach Rücksprache mit dem Assistenten auf Elfmeter, den Petric eiskalt verwandelte (50.). Im Gegenzug meldete sich jedoch der 1. FC Köln in Form von Zoran Tosic, der im Sprint abzog, doch sein Schuss wurde abgefälscht (53.). Individuelle Abwehrfehler verschafften den Hanseaten dennoch weiter Möglichkeiten, so wie durch den quirligen Jansen, der jedoch gegen Mondragon scheiterte, der den Winkel verkürzt hatte (55.).
Der FC riskierte mehr, doch scheiterte wieder an Rost, einmal nach einem Pezzoni-Kopfball nach Tosic-Freistoß (62.)., danach nach Versuch von Novakovic durch erneuter Vorarbeit der ManUnited-Leihe (64.). Nach einem Patzer von Mohamad, den Jansen nicht verwerten konnte (65.) suchten die „Geißböcke“ weiter den Weg nach vorne, kamen aber wieder nur durch Standards zum Erfolg. Milivoje Novakovic zirkelte aus 25 Metern wunderschön einen Freistoß direkt über die Mauer ins Tor (76.) und machte die Schlussphase noch einmal spannend. Die Hausherren drückten und kamen tatsächlich noch zum Ausgleich! Der Slowene legte schön auf den freien Chihi auf, der abzog. Da Rozehnal den Schuss jedoch in die andere Richtung unglücklich abfälschte, konnte Rost nur zusehen, wie der Ball links an ihm zum 3:3 einschlug (88.). Labbadia wollte mehr und brachte darauf dann doch noch Ruud van Nistelrooy (89.), doch der Holländer konnte eigentlich nur auf den Schlusspfiff warten.

SCHLÜSSELSPIELER

Marcell Jansen unterstrich wieder einmal eindrucksvoll seine Form und war größter Aktivposten der Hamburger, doch auch mit Eljero Elia hatte der FC seine Probleme. Geromel, Mohamad und allen voran Wome leisteten sich zudem einige Patzer, auch Mondragon erwischte nicht seinen besten Tag. Demel hatte zunächst Tosic gut im Griff, doch der Serbe wurde von Minute zu Minute stärker und zeigte ebenso wie Chihi ein hohes Laufpensum. Petits Standards sorgten stetig für Gefahr. Petric war als cooler Vollstrecker Gold Wert, auch Novakovic zeigte Zug zum Tor.

SPIELER DES SPIELS: Marcell Jansen

Der Nationalspieler war über die ganze Spieldistanz gesehen der aktivste Akteur auf dem Rasen. Doch auch andere, wie Chihi, Petit, Novakovic, Petric und Rost, zeigten eine gute Vorstellung.

SCHIEDSRICHTER – Michael Weiner Note: 5,5

Ein Spiel auf hohem Tempo, da kommen Fehlentscheidungen schon einmal vor. Gerade bei Hand-Entscheidungen wurde mit zweierlei Maß gemessen.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 9

Ein Spitzenspiel auf hohem Tempo. Spannend, dramatisch, mit permanentem Drang zur Offensive.

FAZIT

Der Hamburger SV gibt drei Punkte aus der Hand, die man eigentlich sicher in der Hand hielt, nachdem der FC den Start beider Halbzeiten verpennten. Nach einer leidenschaftlichen Aufholjagd kam der 1. FC Köln zum verdienten Ausgleich kurz vor Schluss.

Wie habt ihr das 3:3 zwischen Köln und dem HSV gesehen?


 
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