Spielbericht Bundesliga: Bayer 04 Leverkusen – VfB Stuttgart

Mit einem 4:0-Festival unterstreicht Bayer 04 Leverkusen seine Titelambitionen deutlich. Gegen herz- und lustlose Stuttgarter traf Kießling dreimal. Auch Derdiyok war erfolgreich. Nach seinem Kreuzbandriss im Sommer feierte Patrick Helmes ein kurzes Comeback.

Bayer 04 Leverkusen: Stefan Reinartz, Eren Derdiyok, Stefan Kießling (Bongarts/Getty-Images)
Von François DUCHATEAU

Leverkusen.
Bayer Leverkusen bleibt in der Liga weiter ungeschlagen.

PERSONAL & TAKTIK

Nach dem Remis beim Rekordmeister sah Jupp Heynckes keinen Grund, etwas an seiner Aufstellung zu ändern. Bemerkenswert war die Tatsache, dass Patrick Helmes nach seinem Kreuzbandriss bereits auf der Bank Platz nahm.
Markus Babbel musste den gesperrten Kuzmanovic ersetzen und entschied sich für Timo Gebhart als Stellvertreter. Im Vergleich zum Champions-League-Sieg gegen die Glasgow Rangers rückte Serdar Tasci in die Startelf, in der auch wieder Sebastian Rudy stand.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Munter starteten beide Mannschaften in die Partie. Bis auf einen klugen Hleb-Pass zu Beginn, der das Ziel Cacau jedoch ebenso überraschte wie die Bayer-Abseitsfalle (2.) und einen Hyypiä-Fehler, den Manuel Friedrich jedoch gegen den hereinstürmenden Pavel Pogrebnyak überlaufen konnte (8.), waren es viel mehr die Hausherren, die mit breitem Spiel aus der Defensive heraus drückten. Eine Hereingabe von Eren Derdiyok nach toller Eröffnung von Reinartz, wusste Delpierre vor Stefan Kießling zu klären (5.). Nach einem verzogenen Risikoschuss aus zweiter Reihe von Vidal (11.), ließ Schiedsrichter Meyer nach einem Foul von Delpierre Vorteil laufen, doch Tasci konnte den Versuch des heranflitzenden Derdiyok zur Ecke abfälschen (12.). Diese sah zunächst harmlos auch, doch gut, dass Lehmann bei Reinatz’ Bogenkopfball noch die Hand unter die Latte hielt, denn der hätte gepasst. Beim zweiten Eckstoß hatte Pogrebnyak Glück, dass Hyypiä trotz aller Freiheiten den Kopfball nur neben das Gehäuse wuchten konnte.

Die Werkself spielte wie ein echter Tabellenführer. Wie viel Selbstvertrauen die Heynckes-Elf derzeit hat, zeigte sich nach gut einer Viertelstunde, als Kießling eine Kopfballangabe seines Schweizer Kollegen per Volley nahm, wobei Ballan- und Mitnahme eine Bewegung darstelle (17.). Der VfB hingegen schien sein Erfolgserlebnis in Schottland vergessen zu haben, ließ sich förmlich vorführen. Zwischen zwei Derdiyok-Möglichkeiten (18., 20.) konnte Toni Kroos Jens Lehmann erstmals überwinden, traf allerdings nur den Pfosten (19.) aus 14 Metern. Der Führende der Torschützenwertung war gefragt und half direkt aus: Kroos’ Freistoß lenkte Hyypiä per Kopf in die Mitte, wo Stefan Kießling dem halbherzigen Delpierre entwischte und im Lauf das Bein richtig hinhielt -  das 13. Tor nach Standards für die Rheinländer!

Gebhart versuchte zwar eine Antwort auf den Rückstand zu geben (25.), doch der Bayer-Express dampfte weiter und traf erneut durch Kroos nur Aluminium (31.). Wie auch kurz zuvor sollte dies ein Vorbote zu einem Treffer sein: Der erneute Pechvogel spielte einen butterweichen hohen, langen Traumpass aus dem Fußgelenk steil in den Strafraum, wo Derdiyok im Lauf hochspringen und perfekt zu 2:0 einköpfen konnte. Stuttgart stand nicht neben dem Gegner, sondern auch neben sich: Als die Leverkusener Viererkette nach Abseitsverwirrung Progrebnyak gewähren ließ, scheiterte der Russe kläglich frei vor Adler. Gegenüber den Kollegen von Sky sprach VfB-Manager Heldt von einer „Katastrophe“ und hätte am liebsten „alle elf ausgewechselt.“

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Auch wenn Markus Babbel Cacau und Gebhart in der Kabine ließ, änderte sich nichts am Bild von Halbzeit eins. Kießling präsentierte sich nicht nur als kalter Vollstrecker, sondern als gefühlvoller Vorlagengeber. Jedoch weder Vidals Lupfer über Lehmann (48.), noch Kroos’ Volleyabnahme (50.) fanden den Weg ins Tor. Nach Hilberts Schuss von rechts ans Außennetz (52.) und Castros 25-Meter-Versuch in die Arme des Schwaben-Schlussmanns (58.) machte es Stefan Kießling einfach auf eigene Faust und verwertete eine der vielen mustergültigen Kroos-Angaben zum 3:0.

Der Sack war damit zu, also begann Leverkusen Kräfte zu schonen. Heynckes ermahnte seine Truppe einige Male, nur nicht nachlässig zu werden, so wie in der 60. Minute als Schieber gefährlich auftauchte oder in der 79. als der eingewechselte Marica sein Glück versuchte. Fast hätte Kroos seine Glanzleistung doch noch mit einem Treffer belohnt, doch Lehmann war zur Stelle (83.). In der nächsten, ähnlichen Szene stellte sich der Ex-Nationaltorhüter ungeschickter an und verursachte einen Foulelfmeter nach ruppigem Einsteigen gegen Derdiyok (87.). Kießling wollte zunächst nicht, verwandelte dann aber doch seinen dritten Treffer des Tages sicher. Nach seinem Dreierpack spendierte Jupp Heynckes seinem „Bomber“ einen Szenenapplaus und gab mit einer Einwechslung Patrick Helmes seine ersten Comeback-Minuten (89.). Den Beifall hatte sich nach dem 4:0 aber die ganze „Werkself“ verdient.

SCHLÜSSELSZENE

Das 1:0 war symptomatisch für den kompletten Spielverlauf: Bayer kombiniert sich mit Teamwork in einen Rausch, während der VfB, personifiziert von Delpierre, nicht einmal halbherzig bei der Sache war.

SCHLÜSSELSPIELER

Bei Leverkusen gab es niemanden, der leistungstechnisch aus der Reihe fiel. Toni Kroos spielte eine bärenstarke Partie, Reinartz war effektiv, Kießling und Eren Derdiyok harmonierten prächtig. Am Spielaufbau beteiligten sich Schwaab, Castro und Hyypiä erheblich. Viele Angriffe liefen über Bokas Seite.

SPIELER DES SPIELS:  Stefan Kießling

Drei Tore als Bewerbung für Südafrika. Derzeit führt kein Weg am Knipser vorbei.

SCHIEDSRICHTER: Florian Meyer – Note 7,5

Hatte nicht allzu viel zu tun, lag meist richtig, nicht jedoch immer sein Gespann an der Seite, wenn es um Abseitsfragen ging.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 6,5

Es herrschte eine Stunde lang ständig Betrieb vorm Stuttgarter Kasten, wenn auch dies sehr einseitig war, so war es dennoch schön anzuschauen den vielleicht kommenden Meister beim Zaubern zu beobachten.

FAZIT

Bayer 04 Leverkusen spielte wahrhaftig meisterlich. Zumindest die Herbstmeisterschaft ist greifbar nah. Da es die Rheinländer jedoch schaffen, sich sogar Woche für Woche noch zu steigern, ist dieses Jahr vielleicht endlich der große Coup für die Werkself möglich. Der VfB Stuttgart muss sich selbst hinterfragen. Wie Heldt schon sagte: „mit Hacke, Spitze eins-zwei-drei“, kann man beim Tabellenführer nicht bestehen. Wer unten steht braucht Kampf, Herz und Leidenschaft. Dafür scheint der Schönwetter-Kader aus dem Schwabenland nicht geschaffen. Für Markus Babbel, der seine Elf nicht motiviert bekommt, wird es ungemütlich.

Was sagt ihr zum 4:0 der Leverkusener? Wie viele Tore wird Kießling diese Saison noch schießen? Was wird aus Stuttgart und Markus Babbel?



 
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