Nachruf: Abschied von Robert Enke

Schon damals, als der Medienrummel um den Fußball längst noch nicht derart ausgeprägt war, zählte die Position des Torhüters zu einer besonderen Spezies. Es regierten die Spaßmacher zwischen den Pfosten, Typen wie Sepp Maier oder „Radi“ Radenkovic. Heute diktieren die „Lautsprecher“ das Geschehen, vom Erfolg Besessene, die Kahns und Lehmanns, die bisweilen mit Aktionen nahe des Wahnsinns von sich reden machen. Was wenig verwundert: Denn für den Torwart ist auf dem Feld nur ein Platz reserviert. Erst recht im Tor der deutschen Nationalmannschaft.

Robert Enke in seinem letzten Spiel (Getty Images)
Das alles verkörperte Robert Enke nicht. Der 32-Jährige gab keine spektakulären Interviews. Er drosch keine Phrasen, wählte intelligente Antworten. Schon gar nicht spielte Enke zwischen den Pfosten den großen Zampano. Er stand auch nicht im europäischen Club-Rampenlicht, kämpfte mit Hannover 96 erst gegen den Abstieg, dann bestenfalls im grauen Mittelmaß.  Es war ihm fremd, den Fußball, seine große Leidenschaft, als mediale Plattform zu nutzen, um Werbung in eigener Sache zu machen. Das überließ Hannovers Torwart anderen. Stattdessen glänzte Robert Enke im Tor. Trotzdem war er auf bestem Weg nach Südafrika. Die WM 2010 hätte die Krönung seiner Karriere werden können. Einer Karriere mit vielen Nackenschlägen.

„Geh und spiel, es muss weitergehen“, hatte seine Frau Teresa einmal gesagt, als seine verstorbene Tochter Lara auf der Intensivstation lag. Rückblickend galt dieser Satz wohl immer für die viel zu kurze Laufbahn und gleichermaßen das Privatleben des Robert Enke. Doch um kurz nach sechs an diesem düsteren Novemberabend 2009 ging es nicht mehr weiter. Der Torhüter nahm sich an einem Bahnübergang das Leben. Über seine Motive kann man spekulieren. Daran beteiligen muss man sich aber nicht. Die zahlreichen Kommentare unserer User, die fassungslos und bestürzt reagierten, sprechen für sich.  

Am Ende bleibt das Bild eines sensiblen Menschen, eines Sportlers, der immer für seine Kollegen da war. Selbst in den Stunden, in denen Enke eigene schwere Schicksalsschläge verarbeiten musste. Hannovers Torwart war kein Medien-Titan. Er suchte einzig und alleine das sportliche Duell. Deswegen taugte Robert Enke als echtes Vorbild für den Fußball-Nachwuchs. Und das nicht nur auf dem Platz, wo er stets durch Leistung und professionelles Verhalten überzeugte. Abseits des Fußballs engagierte Enke sich für viele soziale Projekte, unterstützte die Tierschutzorganisation PETA.

Robert Enke ließ sich nie blenden von Siegen, Ruhm und Geld. Dazu hatte er in seinem kurzem Leben zu viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Er blieb aufrichtig, authentisch, einer, dem man den Erfolg gönnte. Weil er eine wohltuende Ausnahmeerscheinung in der Bundesliga war. Der Fußball braucht Typen, aber solche Menschen wie Robert Enke würden ihm noch viel besser zu Gesicht stehen. Damit Fans, Funktionäre und Vereine in Zukunft nicht nur über astronomische Ablösesummen und gigantische Gehälter diskutieren. Damit prominente Fußballer sich wieder ihrer Vorbildfunktion besinnen.

Aber auch, damit der Fußball die schönste Nebensache der Welt bleibt. Das wollen wir nicht vergessen. Wenn in diesen Stunden zahlreiche Anhänger am Vereinsgelände von Hannover 96 um ihren Torwart trauern und Kerzen aufstellen, dann ist Euch 96-Fans, der Familie und allen Freunden von Robert Enke das Mitgefühl der unserer Redaktion gewiss.  Wir verneigen uns in Gedenken eines tollen Torwarts und sympathischen Menschens.

Im Namen der gesamten Goal.com-Redaktion
Nils Reschke, Chefredakteur


 
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