Werder: Ohne Diego und mit Phantasie zum Spitzenteam

Nur wenige Fachleute hatten Werder Bremen vor dieser Saison auf dem Zettel, wenn nach den Meisterschaftskandiaten gefragt wurde. Doch Werder hat den Abgang von Diego bestens verdaut und wirkt sehr gefestigt. Thomas Schaaf ist es gelungen, seinen ehemaligen Star im Kollektiv zu ersetzen und die „Bremer Phantasie“ beizubehalten.

Mertesacker, Boenisch und Marin jubeln über den Triumph gegen Hoffenheim (DAVID HECKER/AFP/Getty Images)
(fb) Bremen. Vor Saisonstart wurden düstere Untergangsszenarien rund um das Bremer Weserstadion gezeichnet. Nach der enttäuschenden Bundesligasaison im Jahr zuvor (Platz zehn  in der Endabrechung), rechneten nur wenige damit, dass Werder Bremen in dieser Spielzeit deutlich besser dastehen könnte. Immerhin hatte Spielmacher und Superstar Diego den Verein in Richtung Juventus Turin verlassen. Als dann auch noch das erste Saisonspiel daheim gegen Eintracht Frankfurt mit 2:3 verloren wurde, fühlten sich die Skeptiker bestätigt.

Nur eine Niederlage in dieser Saison


Elf Spieltage später ist Bremen erster Verfolger von Spitzenreiter Bayer Leverkusen, hat seit 19 Pflichtspielen nicht mehr verloren und ist in Europa League und DFB-Pokal ebenfalls auf Erfolgskurs. Von Diego redet kaum noch einer in der Hansestadt, dafür sind Mesut Özil, Aaron Hunt und Marko Marin in aller Munde. Werder hat es geschafft, aus dem Abschied der führenden Spielpersönlichkeit neue Stärke zu ziehen, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und so unberechenbarer im Angriffsspiel aufzutreten.

Schaaf und die „Bremer Phantasie“


Trainer Thomas Schaaf erläuterte am Wochenende im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Philosophie, die Werder im Sommer verfolgte: „Von außen wurde nur gesehen, dass man einen Diego verliert. Marko Marin haben viele nicht so viel zugetraut. Alle haben gesagt: Der wird nicht viele Einsätze haben. Bisher war er in jeder Partie dabei. Wir haben bei Werder Bremen eine Phantasie, wie unser Fußball auszusehen hat. Daran arbeiten wir hier. Jeden Tag. Das ist uns über die Jahre, glaube ich, gut gelungen. Ganz wichtig war nun, dass Claudio Pizarro bei uns geblieben ist. Marin, Tim Borowski – es ist sehr wichtig, sie zu haben. Wir hätten gern den einen oder anderen Spieler mehr gehabt. Das ist wirtschaftlich aber nicht umsetzbar.“

Diegos Abgang als Chance


Zu Gute kommt den Bremern zudem, dass der Klub es aus der jüngeren Vergangenheit gewohnt ist, Leistungsträger adäquat zu ersetzen. „Wenn einer geht, ist das die Chance, dass sich ein anderer hervortut. Wir haben über all die Jahre immer wieder besondere Spieler abgegeben. Frings, Ailton, Krstajic, Klose, Ismael, Micoud, Diego. Es hieß dann: Wie soll es nur weitergehen bei Werder Bremen? Wir haben immer nach vorn geschaut. Als Frings ging, erwachte plötzlich Ernst. Und so weiter. Es hat uns immer ausgezeichnet, dass wir diesen Spielern vertrauen. So ist es auch dieses Jahr“, so Schaaf.

Reicht es zum großen Wurf?


Ob es tatsächlich zum ganz großen Wurf in dieser Saison langt, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem wäre da die Fitness der Führungsspieler. In den letzten Wochen fielen Kapitän Torsten Frings und Torjäger Claudio Pizarro aus, eine deutliche Schwächung für den Bremer Kader, dem Experten nachsagen, er sei in der Breite nicht gut genug besetzt, um dauerhaft an der Spitze mitzuspielen. Auch diese These wollen die Spieler in Grün-Weiß widerlegen...

Eure Meinung: Seid Ihr von Werder Bremen überrascht? Was traut ihr den Schützlingen von Thomas Schaaf in dieser Saison zu?


 
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