Kommentar: Bei Bayern brennt der (Tannen-)Baum

Was sind das für unruhige Zeiten beim Rekordmeister. Nicht nur die Isar eist langsam zu, auch das Verhältnis zwischen Van Gaal und dem Rest wird immer frostiger. Wird hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht oder hat das Alphatier Hoeneß zur richtigen Zeit durchgegriffen?

Herr Gomez, Pranjic und Olic - Bitte Platz nehmen! (Getty)

Ein Kommentar von Christoph VOGEL

München. Aua, das tat weh! Felix Magath konnte sich nach dem Punktgewinn am Samstag gegen Bayern München ein Lächeln nicht verkneifen, obwohl der Meistermacher stets betont, dass Spiel gegen die Münchener sei kein Besonderes. Doch das war es zweifelsohne, wenn auch für die Gegenseite: Beim Rekordmeister tun sich derzeit gleich mehrere Brandherde auf, die die Klubführung versucht zu löschen. Es steht die Frage im Raum, ob Hoeneß und Co. da nicht noch eher Öl statt Wasser ins Feuer gießen.

Lahm gar nicht zahm

Großes Thema schon vor dem Unentschieden gegen die Knappen war das inzwischen weit geläufige Interview des smarten Philipp Lahm in der Süddeutschen Zeitung. Der Nationalspieler kritisierte die Einkaufspolitik der Bayern und sah den Kader der Münchener für die hohen Ansprüche nicht entsprechend besetzt. Harter Tobak für die Vereinsführung und vor allem für den Verantwortlichen Uli Hoeneß. Der lotste einen Mario Gomez, einen Anatoliy Tymoshchuk und auch einen Arjen Robben an die Isar. Das Interview löste in der Geschäftsstelle ein mittleres Erdbeben aus und Lahm wurde prompt zum Rapport gebeten. Kritik am Arbeitgeber und vor allem in dieser nicht autorisierten Form würde nicht geduldet werden. Aber musste es da gleich eine in der Historie des Klubs nicht dagewesene Strafe sein?

(Selbst-)Kritik unerwünscht?

Uli Hoeneß wurde von Lahm mit dessen (berechtigten) Kritik wohl an einem wunden Punkt getroffen. Dass ausgerechnet der ansonsten nicht herumpolternde Außenverteidiger die Worte in der Süddeutschen drucken ließ ist eher nebensächlich. Lahm ist Kapitän und nahm sich das Recht heraus, seine Meinung zu äußern. Hoeneß jedoch merkt man nun den Stress und die Unzufriedenheit der letzten Wochen an. Der Manager reagierte in einer Phase, in dem der sportliche Druchbruch mit dem neuen Trainer noch auf sich warten lässt, mit null Toleranz. Aber der Eindruck bleibt, dass Hoeneß in den Zeiten des Erfolges die Fähigkeit zur Selbstkritik etwas verloren ging. Besonders wird ihn gewurmt haben, dass ein internes Sprachrohr sich nach außen gewandt hat und nicht den Weg zu ihm suchte. Eher ein Zeichen mangelnder Kommunikation als ein Vertrauensbeweis.

Luca Toni macht ein Fass auf

Die angesprochene sportliche Bilanz ist derweil für den Rekordmeister verheerend: Platz acht in der Bundesliga und das fast beschlossene Aus in der Champions League. Neu-Trainer Van Gaal sucht immer noch nach der richtigen Formation und wird in den Interviews immer ratloser und unsicherer. Nur wenig ist geblieben von der anfangs versprochenen „Arroganz“. Ein weiterer Unruheherd ist da ganz nebenbei Luca Toni, der unzufrieden ist mit seiner Rolle und sich auch einen Aussetzer erlaubte, als er nach seiner Auswechslung gegen Schalke direkt nach Hause fuhr. Ein Kevin Kuranyi wurde damals aus der Nationalmannschaft verbannt, ähnliches könnte dem Italiener mit der schnittigen Frisur auch im Winter passieren.

Frohe Weihnachten? So nicht!

Der Streit zwischen den Parteien im Fall „Lahm“ wurde heute in einem „sehr offenen, ausführlichen und konstruktiven Gespräch“ inzwischen beigelegt. Die Entschuldigung kam von Seiten Lahms, der jedoch nicht auf eine Rückzahlung der Strafe hoffen kann. Doch was kommt da noch beim FC Bayern? Teilweise erinnert das Geschehen an der Säbener Straße an die Zeiten des „FC Hollywood“. Bis Weihnachten will Hoeneß die Diskussionen Diskussionen sein lassen und erst dann Bilanz ziehen. Im Moment stünde dort ein dickes Minus, denn der Wunschtrainer der Bayern scheint ein ähnlich großes Missverständnis zu sein wie einst zum Beispiel ein Dick Advocaat in Gladbach. Eine weitere Spitze muss sich Hoeneß jedoch gefallen lassen: Ein Jürgen Klinsmann hatte zum selben Zeitpunkt der vergangenen Saison mehr Punkte auf dem Konto (24) als Van Gaal (20). Klinsmann hielt fast bis zum Saisonende durch. Aber Geduld ist bei den Bayern ein seltenes Gut geworden. Nicht nur in Sachen Interviews.

Eure Meinung: Wie beurteilt ihr die Lage beim Rekordmeister? Was muss sich änder, was verbessern?



 
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