Soldo hat seine Lehren hoffentlich gezogen

In Köln ist die Stimmung am Boden. Die Fans oszillieren zwischen Wut und Frust. Bereits vergangene Woche verpasst der 1. FC Köln den Befreiungsschlag in Mönchengladbach, wo man am Ende nur glücklich einen Punkt erhaschte. Nach der Heimpleite gegen Hannover 96 stecken die „Geißböcke“ nun mittendrin im Abstiegskampf, den sie selbst zu verantworten haben.

Zvonimir Soldo, Kölns stiller Dirigent (Getty)
Von François DUCHATEAU

Köln.
Als der 1. FC Köln die Verpflichtung des Neulings Zvonimir Soldo bekanntgab, hielten sich bereits Kritiker und Befürworter die Wage. Trotz der zunächst mageren Punktausbeute genoss der Kroate Welpenschutz, schließlich mussten die „Geißböcke“ beinahe ausschließlich gegen Teams antreten, die im Sommer die Saison in der oberen Tabellenhälfte beendeten. Der verlangte Heimsieg gegen Mainz verschaffte dem Ruhepol zunächst Luft, doch vor dem nächsten Match beim Tabellenletzten Berlin droht die Stimmung bei den Fans zu kippen, nach den Null-Leistungen gegen Gladbach und Hannover 96, wobei man auch das Heimspiel gegen Frankfurt nennen muss, wo die Rheinländer gegen zehn Mann denn Ball nicht ins Tor bekamen und Punkte liegenließen. Damit der FC in Berlin nicht auch leer ausgeht, hoffen die Fans, dass Soldo folgende Lehren gezogen hat.

  • Fabrice Ehret als Linksverteidiger? Ein Versagen auf Ansage. Der Franzose spielte unter Daum in der zweiten Bundesliga dauerhaft auf dieser falschen und von ihm ungeliebten Position und wurde fast als Fehlkauf abgeschoben. Ehret gehört ins Mittelfeld, auf die linke Außenbahn. Einzig dort hat der gefährlichste FC-Spieler der Saison gute Spiele gezeigt und kann seine Lauf- und Kampfstärke ausspielen, auch weil er dann hinten noch einen Mann hat, der ihn absichert.
  • Wegen der personellen Not wäre Kevin McKenna eher ein Kandidat für die Viererkette gewesen. Der unzufriedene Kanadier brennt auf seine Chance, gerade wo Womé und Schorch ausfallen. Dass stattdessen Ehret umgeschichtet wurde, ist eine echte Ohfeige für den engagierten Ex-Cottbusser. Wenn Soldo McKenna bei Verletzungssorgen weiter so ignoriert, demotiviert man so einen guten Stand-In nicht nur, sondern vergrault ihn wohlmöglich auch noch.
  • Seine gestrigen Wechsel gegen Hannover machten ausnahmsweise nur wenig Sinn. Man steht hinten und wechselt Abräumer Pezzoni für den zwar schwachen, aber offensiv ausgerichteten Freis ein, dabei hätten viel früher Offensivkräfte wie Sanou versuchen sollen, das Spiel noch zu kippen.
  • Es war sicher richtig von Soldo einem wieder gesundem Manasseh Ishiaku eine Chance zu geben, als im Sturm Not am Mann war. Gegen den VfB Stuttgart und Wolfsburg im Pokal zeigte der Nigerianer sehr engagierte Spiele, danach folgten allerdings unterirdisch schwache Performances, die eine weitere Bennennung in die Startelf nicht rechtfertigten.
  • Stattdessen hätte man Lukas Podolski neben Milivoje Novakovic ausprobieren sollen. Der Nationalspieler ist gelernter Stürmer. Zwar löste der immer erwachsener werdende Rückkehr seine Aufgaben als Ballverteiler im Mittelfeld stets ordentlich, aber die investierten zehn Millionen € verpuffen einfach auf der falschen Position, auf der Podolskis Stärken nicht zur Geltung kommen. Vor der Saison hatte man Angst, dass die „Geißböcke“ ihr System einzig auf Poldi ausrichten würden, doch das komplette Gegenteil ist der Fall. Podolski wird fast wöchentlich woanders getestet und nur selten dort, wo er gefährlich sein kann.
  • Der FC stellt mit sechs Toren in elf Spielen nicht nur einen vereinseigenen Negativrekord auf, sondern auch den schwächsten Angriff der Liga. Erschreckend ist, dass dies vielleicht nicht an der mangelnden Chancenverwertung von Novakovic & Co liegt, sondern daran, dass die Stürmer überhaupt keine Bälle bekommen, aus denen überhaupt erst Chancen entstehen können. Fehlt Maniche oder nimmt man ihm aus dem Spiel, kommen gar keine Ideen zustande. Ohne Frage, hier muss im Winter personell nachgeholt werden. Kreative, offensive Mittelfeldspieler, die vielleicht auch mal auf die Außen (vor allem rechts) ausweichen können, sind Mangelware im Kader.
  • Transfers sollten sowieso folgen, denn der FC-Kader ist viel zu dünn, um Konkurrenzkampf zu erzeugen. Selbst nach schwachen Spielen stehen kaum Alternativen zu den formschwankenden Brecko, Freis, Petit bereit.
Was meint ihr: Hat Soldo die Lage im Griff? Wie kommt der FC aus dem Abstiegsstrudel hinaus?


 
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