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Spielbericht Bundesliga: Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach
In einem furiosen Spiel drehte Borussia Mönchengladbach beim Hamburger SV das Spiel und kam noch zum Sieg. Für die Hamburger völlig enttäuschend, ist der Auswärtssieg für die Fohlen eine Sensation.
Von Christoph VOGEL
Hamburg. Am 11. Spieltag der Bundesliga kam Borussia Mönchengladbach beim haushohen Favoriten Hamburger SV völlig überraschend zu einem 2:3-(1:1-)Sieg. Rob Friend erzielte in der Schlussphase den Siegtreffer für den Underdog und sorgte für Jubelstürme bei den Fohlen-Fans.
PERSONAL & TAKTIK
Als hätte jemand die Mittellinie als Spiegelstrich gezogen, standen sich beide Teams in derselben Formation gegenüber, nämlich dem 4-4-2 mit zwei Sechsern: Beim HSV waren dies Jarolim und Zé Roberto, bei den Borussen füllten diese Rolle Bradley und Marx aus. Wie sich unter der Woche angedeutet hatte, musste Gladbachs Aufstiegs-Torjäger Rob Friend wieder für Colautti Platz machen. Jerome Boateng rückte bei den Gastgebern wieder in die Startelf, jedoch nicht auf der gewohnten rechten Außenposition, sondern neben dem Niederländer Mathijsen in der Innenverteidigung.
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE
Die erste Hälfte begann nicht so, als ob hier ein Meisterschaftsaspirant auf ein Kellerkind treffen würde, denn Gladbach versteckte sich nicht und suchte auch den Weg nach vorne. Dennoch standen die Fohlen wie erwartet sehr tief, um dem HSV nicht viele Räume zum Kombinieren offenzulegen. Das zuletzt grandiose Kombinationsspiel der Hamburger wurde oft im Keim erstickt, doch schon die erste Unsicherheit in der Fohlen-Abwehr warf die Gäste in den alten Trott: Der Ball kam im Strafraum hoch zu Pitroipa, der geschickt auf den bereit stehenden Trochowski ablegte. Der Nationalspieler zog ab und traf ins kurze Eck und zum Nachsehen von Keeper Bailly zum 1:0 ins Netz (14.). Da hatten die Borussen zum ersten Mal nicht aufgepasst und schon klingelte es im Kasten.
Der Patzer, den sich die Fohlen geleistet hatten, vermieden die Nordlichter durch eine konzentrierte und souveräne Abwehrarbeit, obgleich die Borussen zumeist mit ihren hohen Bällen ungefährlich blieben. Während Frank Rost also bis dato nicht eingreifen musste, zog auf der Gegenseite Elia ab, doch sein Schuss ging nur ganz knapp am linken Pfosten vorbei (20.). Hamburg kontrollierte vollends die Partie und Gladbach hatte so seine Probleme mit deren Angriffen. Wie aus dem Nichts jedoch versenkten die Gäste ihre erste Chance: Marko Reus bekam den Ball toll von Colautti in den Lauf gespielt und hob diesen über Rost zum 1:1 ins Tor (39.). Die mitgereisten Fans vom Niederrhein machten jetzt noch einmal Lärm und feierten den Ausgleich in die Pause.
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE
Unverändert kamen die Teams vom Pausentee zurück. Und wieder saß der erste Torschuss: Zé Roberto zirkelte einen Freistoß kurz vor dem Strafraum unhaltbar für Bailly zur erneuten Führung für den HSV in die Maschen – ein wunderbarer Treffer (47.)! Trochowski verpasste wenig später die Vorentscheidung, als sein Weitschussaus rund 20 Metern knapp am linken Pfosten vorbeirauschte (53.). Der HSV hatte deutlich mehr Ballbesitz und wirkte insgesamt stabiler, aber die 2:1-Führung war eine Knappe, wie schon die erste Hälfte gezeigt hatte.
Bobadilla sorgte mit einer Einzelaktion für ein Ausrufezeichen der Gäste: Der Argentinier setzte sich gegen zwei Gegenspieler durch, bekam bei seinem Schuss aber Rücklage und zog über das Tor (60.). Gladbach gab sich nicht auf und versuchte weiter sein Bestes, sodass das Spiel ein gutes Niveau vorzeigte. Die Gäste spielten mit und kamen zur nächsten Chance: Levels flankte von rechts auf Arango, dessen Kopfball hauchdünn auf dem Tornetz landete (62.). Angesichts der Tabellensituation mussten die Fohlen alles versuchen und erhöhten das Risiko. Um die 70. Minute hielten die Gäste die Torschussstatistik mit 8:7 fast ausgeglichen.
Auf der Gegenseite suchte Trochowski erneut den Anschluss, doch er vergab die Entscheidung, denn sein Schuss war kein Problem für Bailly (68.). Mönchengladbach musste vermehrt aufmachen und ging in die Offensive. Dies erlaubte es den Hausherren, die sich etwas zurückzogen, Konter zu fahren. Dennoch: Zu diesem zeitpunkt gab es Chancen auf beiden Seiten und sowohl die Entscheidung, als auch der Ausgleich waren völlig im Bereich des Möglichen. Und es passierte etwas: Eine der vielen Ecken der Borussen wurde kurz ausgeführt und der Ball wurde in die Mitte geschlagen zu Dante, der das Leder mit dem Kopf beinahe in Lichtgeschwindigkeit zum 2:2-Ausgleich ins Tor bugsierte (76.).
Frontzeck reagierte und brachte mit Meeuwis für Bobadilla eine Verstärkung für die Defensive, denn die Fohlen mussten nun einen Sturmlauf der Hamburger in den letzten zehn Minuten erwarten. Für den HSV wäre ein Unentschieden deutlich zu wenig gewesen. Doch es kam noch „besser“ für die Hamburger: Arango passte einen Ball wie Zucker zum eingewechselten Friend in den Strafraum, der das Leder gar nicht richtig traf, aber es trotzdem ins Netz beförderte (82.). Für den Kanadier, der in den letzten Wochen seine Unzufriedenheit wegen seiner Nicht-Berücksichtigung in der Startelf äußerte, war es der erste Saisontreffer.
Die Borussen hatten nun, vor allem auch
in psychologischer Sicht, Oberwasser und ließen einen direkten
Gegenschlag der Hamburger nicht zu. Bruno Labbadia brachte mit Arslan
und Torun zwei frische Kräfte für den Angriff, zugleich gab er
damit ein Signal an sein Team: Volle Offensive! Der HSV drückte nun
und Gladbach hoffte, den knappen und mehr als überraschenden Sieg
über die Zeit zu retten. Der Ex-Borusse Jansen zog aus 20 Metern ab
und der Ball rauschte nur Millimeter über die Latte (90.). Die Fohlen brachten den Sieg über die Zeit und Hamburger Enttäuschung traf auf ungreifbare Freude bei den Gladbachern.
SCHLÜSSELSPIELER
Elia wirbelte über die linke Seite, wie man es sich von ihm in Hamburg erhofft und Levels hatte so seine Probleme mit ihm. Mit Zé Roberto und Trochowski erzielten zwei Mittelfeldspieler die Tore. Bailly hielt seine Fohlen mit guten Paraden im Spiel.
SCHLÜSSELSZENE
Ganz klar der Siegtreffer von Rob Friend. Über die Bedeutung dieses Tores muss man keine Worte mehr verlieren.
SPIELER DES SPIELS: Rob Friend
Der Kanadier nutzte seine kurze Zeit nach der Einwechslung und sorgte für ungebändigte Jubelstürme bei den Gladbacher Anhängern mit seinem Siegtreffer.
SCHIESRICHTER: Deniz Aytekin
SPIELNOTE: 8
Entgegen der Tabellenkonstellation im Vorfeld war das Spiel keineswegs eine Abwehrschlacht mit dem Drängen auf ein Tor, denn die Gladbacher hielten und spielten mit, sodass eine richtig muntere Partie dabei heraussprang. Auf das Ergebnis hätte vorher keiner gewettet.
Anmerkung: Die Notenskala reicht von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
STATISTIK
Anstoß: Samstag, den 31. Oktober um 15.30 Uhr
Stadion: HSH Nordbank Arena
Zuschauer: ca. 57.000
Tore: 1:0 Piotr Trochowski (14.), 1:1 Reus (39.), 2:1 Zé Roberto (47.), 2:2 Dante (76.), 2:3 Friend (82.).
FAZIT
Die Dramatik in dieser Partie war kaum
mehr zu überbieten: Der absolute Underdog drehte das Spiel komplett
und ging mit 2:3 in Führung durch Friend, der in den letzten Wochen
nur eine kleine Rolle gespielt hatte. Insgesamt glücklich, aber nicht unverdient, denn Gladbach hielt hier heute toll mit.
Eure Meinung: Wohin geht es nach diesem Spiel für beide Teams in der Tabelle?
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