Spielbericht Bundesliga: VfB Stuttgart – 1. FC Köln

Ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte und seiner Jahre langen Heimat in Stuttgart feiert Zvonimir Soldo seinen ersten Bundesliga-Sieg mit dem 1. FC Köln. 2:0 (1:0) gewinnen die Rheinländer bei den Schwaben. Der VfB enttäuscht erneut, Köln steht in der Defensive überragend und verdient sich diesen „Dreier“.

Timo Gebhart, der junge Mittelfeldakteur vom VfB Stuttgart (firo)

Von Dennis WEINACHT

Stuttgart. Lukas Podolski war letztlich einer der schwächsten Spieler auf dem Feld. Am Sieg des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart änderte dies aber nichts, weil die Gäste durch ihr Trainerteam im Vorfeld des Duells super eingestellt wurden. Taktisch war das allerfeinste Schule und eine hervorragende Umsetzung der Kicker.

PERSONAL & TAKTIK

Beim VfB Stuttgart überraschte Markus Babbel mit seiner Startelf. So waren Aliaksandr Hleb und Thomas Hitzlsperger nicht im Kader. Stattdessen spielten Zdravko Kuzmanovic und Timo Gebhart in der Anfangsformation. In den anderen Mannschaftsteilen setzte der Trainer aber wieder auf altbewährte Mittel. Im Sturm gaben sich also Pavel Pogrebnyak und Jeronimo Cacau die Ehre. Sie sollten gegen den 1. FC Köln möglichst oft treffen.

Bei den Gästen aus dem Rheinland gab es hingegen keine Überraschungen in der Mannschaft. Zvonimir Soldo setzte auch wieder auf seine Offensivachse um Petit, Maniche und Podolski. Im Sturm ersetzte der zuletzt neben dem Platz immer wieder unangenehm aufgefallene Manasseh Ishiaku den verletzten Milivoje Novakovic. Zudem rückte Sebastian Freis in die Startelf für den ebenfalls verletzten Adel Chihi.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

Der Beginn in dieser Begegnung war verhalten. Beide Mannschaften attackierten die Gegenspieler früh, ein echter Spielfluss kam nur selten auf. Vor allem der VfB Stuttgart, der in der Pflicht stand, spielte in der Offensive mit angezogener Handbremse, was die Fans im Stadion schon früh mit vereinzelten Pfiffen quittierten. Sie wollten endlich guten Fußball sehen, aber bisher war das noch nicht der Fall gewesen. Die ersten 25 Minuten verliefen ohne wirkliche Highlights, dann aber sollte es richtig laut im Stadion werden.

Christian Träsch verlor auf der Außenbahn fahrlässig den Ball gegen Fabrice Ehret. Dieser flankte sehr stark in die Mitte, fand dort den neuen Mann im Team, Sebastian Freis. Der Ex-Karlsruher zeigte eine tolle Kopfballtechnik und nickte das Leder freistehend in der Mitte zum 1:0 für den 1. FC Köln ein (25.). Das war nun die Bestrafung für die Gastgeber, weil sie in der Anfangsphase zu unkonsequent agierten. Nun musste bis zur Pause mehr kommen, um nicht mit einem Rückstand in die Kabine zu gehen.

Anschließend schlichen sich bei den Schwaben jedoch immer wieder katastrophale Fehler im Aufbauspiel ein. Selbst einfachste Pässe wollten nicht mehr ankommen, was das nun schon sehr verärgerte Publikum zu einer Vielzahl von Pfiffen animierte. Der 1. FC Köln hingegen spielte es nun geschickt, stand defensiv ordentlich und gut sortiert und versuchte mit gezielten Kontern Vorstöße einzufahren. Bis zur Pause blieb es aber bei dieser knappen Führung der Gäste, die sich das auch verdient hatten, wenngleich der VfB mehr Ballbesitz zu verbuchen hatte.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Der zweite Durchgang begann dann so, wie die Spiele des VfB zuletzt gegen den 1. FC Nürnberg und die Glasgow Rangers. Der Mannschaft konnte man die Bemühungen nicht absprechen, aber spielerisch war das einfach viel zu wenig. Fast nie konnte sich die Mannschaft gefährlich in den Strafraum spielen, nie reichte die Durchschlagskraft über das Halbfeld hinaus. Für die Spitzengruppe der Bundesliga war das schlichtweg zu wenig, wenngleich man auch anmerken musste, dass die Kölner stark aufspielten und von Trainer Soldo gut eingestellt wurden. Die beste Chance in dieser Phase hatte der FC-Verteidiger Mohamad, der das 2:0 hätte machen müssen. Nach einem Eckball von Podolski köpfte er freistehend am leeren Tor vorbei (68.).

Nach dieser Chance wurde das Spiel dann nochmal kribbelig. So scheiterte Gehbhart kurz darauf auf der Gegenseite an einem sehr starken Faryd Mondragon (70.). Eine spannende und hochklassige Schlussphase war damit eingeläutet. Hochklassig war diese vor allem, weil der VfB nun etwas mehr investieren wollte und Köln nach wie vor eine taktisch absolut einwandfreie Leistung zeigte. Mit dieser Einstellung dürfte der Klassenerhalt zu schaffen sein und der eingewechselte Wilfried Sanou erhöhte mit einem sehenswerten Tor sogar noch auf 2:0, als Lehmann desorientiert aus seinem Gehäuse lief, patzte und der Kölner Mittelfeldspieler aus dem Mittelfeld heraus noch zum 2:0-Endstand traf (89.).

SCHLÜSSELSPIELER & - SZENEN

Die beiden Treffer waren ganz klar die Schlüsselszenen in diesem Spiel. Als Schlüsselspieler könnte man die gesamte Defensive der Rheinländer ausmachen, die einfach nur überragend stand und nichts zuließ. Enttäuschend war hingegen der Auftritt von Lukas Podolski, der an keiner Chance beteiligt war und immer wieder ausrichtsreiche Chancen vergab, weil er den Ball nicht abspielen wollte.

SPIELER DES SPIELS: Fabrice Ehret

Er war in der Offensive sehr aktiv, spielte fleißig nach vorne und hatte das erste Tor klasse vorbereitet. Auch einen eigenen Treffer hatte er auf dem Fuß, als er aber am Pfosten scheiterte. Seine Verletzung überschattete etwas seine Leistung.

SCHIEDSRICHTER – Note: 8

Michael Weiner hatte das Spiel absolut souverän im Griff, lag bei den entscheidenden Situationen richtig und wusste seine Karten und Verwarnungen gut dosiert einzusetzen. Eine rundum zufriedenstellende Leistung in einer für den Unparteiischen mittelmäßig anspruchsvollen Begegnung.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 6.5

Insgesamt war die Begegnung über weite Strecken zerfahren, wobei der 1. FC Köln durch seine taktischen Vorstellung doch sehr gut gefiel. Der VfB Stuttgart hingegen agierte spielerisch schwach und wurde von den eigenen Fans dafür mit Pfiffen nach dem Spiel belegt. Torchancen gab es einige, diese waren aber nur selten hochkarätig

FAZIT

Der schlechte Saisonstart des VfB Stuttgart ist perfekt, weil die Mannschaft jegliche Idee und Kreativität vermissen ließ. Beim 1. FC Köln spielt das Team hingegen wieder gut und wird dieses mal auch mit der entsprechenden Punktausbeute belohnt. Starke Leistung der Kölner, die sich damit selbst wieder von ihrer besten Seite zeigen konnte.

Eure Meinung: Geht es nun wieder nach oben für den 1. FC Köln?





 
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