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Marvin Compper im EXKLUSIV-Interview: „Es fehlt noch der Killerinstinkt“
Der Anschluss ist geschafft. Dank eines souveränen 3:0-Heimsiegs gegen Bochum am letzten Wochenende steht 1899 Hoffenheim in der Tabelle ordentlich da. Punktgleich mit Werder Bremen und den Bayern liegt die TSG auf Rang sieben, die Tabellenspitze ist in Sichtweite. Auch Innenverteidiger Marvin Compper, um den es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden war, trug sich gegen den VfL in die Torschützenliste ein. Im zweiteiligen EXKLUSIV-Interview mit Goal.com nimmt der ehemaliger Gladbacher Stellung: zur Nationalmannschaft, zum verlorenen Hoffenheimer Schwung der letzten Monate und seinen persönlichen Zielen.
Ein Interview von FALKO BLÖDING
Hoffenheim. Der Höhenflug von 1899 Hoffenheim in der vergangenen Hinrunde war eng mit seinem Namen verknüpft: Marvin Compper entwickelte sich zu einem der stärksten Innenverteidiger der Bundesliga und schaffte es bis in die deutsche Nationalmannschaft. Als es in der Rückserie beim damaligen Herbstmeister nicht mehr rund lief, blieb auch Compper unter seinen Möglichkeiten.
Nun knüpft der 24-jährige, der zuvor bei Borussia Mönchengladbach spielte, wieder an seine starken Leistung aus dem vergangenen Herbst an und bildet gemeinsam mit Neuzugang Joe Simunic die stärkste Defensive (zwei Gegentreffer in fünf Spielen) der Liga. Für Goal.com nahm er sich die Zeit für ein exklusives Interview!
In der letzten Woche war Länderspielpause. Sie zählen im Moment nicht mehr zum Kader von Bundestrainer Jogi Löw. Was ist das für ein Gefühl, die Kollegen nur vorm Fernseher verfolgen zu können?
Marvin Compper: Wehmütig bin ich nicht. Natürlich wäre ich gern dabei. Aber ich bin ein Typ, der nach vorn schaut und positiv denkt. Es bringt nichts, jetzt darüber nachzudenken, was sein könnte. Sondern es bringt nur etwas, in seinem Verein Leistung zu bringen. Darauf konzentriere ich mich.
Sie feierten im letzten Herbst ausgerechnet im Knaller gegen England ihr Debüt für Deutschland. Wie haben sie von ihrer Nominierung erfahren? Gab es den klassischen Anruf, oder wurde das per E-Mail oder gar SMS mitgeteilt?
Marvin Compper: Damals wurde schon im Vorfeld gemunkelt, dass ein oder zwei Spieler aus unserer Mannschaft eingeladen werden könnten. Ich erhielt dann den Anruf von Joachim Löw und war glücklich, denn es war eine Ehre, für Deutschland nominiert zu sein. Das hat mich ein wenig selbstbewusster gemacht, aber ich wusste die Situation schon einzuschätzen. Im Verein war es ein Zeichen für mich, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Allerdings bin ich seitdem ja nicht mehr dabei gewesen, sodass sich für mich nicht wirklich viel geändert hat.
Wie sieht der Kontakt zu Jogi Löw heute aus?
Marvin Compper: Seit Februar habe ich keinen Kontakt mehr zum Bundestrainer. Er hat mir vor dem Länderspiel gegen Norwegen die Gründe dafür mitgeteilt, dass ich nicht dabei bin.

Rechnen sie sich noch Chancen auf die WM in Südafrika aus?
Marvin Compper: Ich denke nicht, dass ich momentan auf dem Zettel stehe. Aber der Trainer betont immer das Leistungsprinzip und ich denke, wenn ich bei Hoffenheim eine sehr starke Saison spiele, dann habe ich eine Chance.
Widmen wir uns 1899 Hoffenheim: Es wirkt, als habe die TSG den Schwung und die Leichtfüßigkeit aus der Hinrunde 2008/09 verloren. Immerhin gab es im Kalenderjahr 2009 nur sechs Siege. Warum läuft es nicht mehr rund?
Marvin Compper: Es gab viele Spiele, in denen wir mit der gleichen Leichtigkeit gespielt haben, wie noch in der Hinrunde, nur haben wir die Tore nicht mehr gemacht. Das ist der größte Unterschied. Ich kann mich an ein Spiel gegen Karlsruhe erinnern, da haben wir 4:1 gewonnen, aber bis zur 70. Minute stand es noch 1:1. Also haben wir unsere Gegner da auch nicht jedes Mal an die Wand gespielt, aber dafür im richtigen Moment zugeschlagen.
Liegt es auch daran, dass sich die Gegner mittlerweile besser auf das Hoffenheimer Spiel eingestellt haben?
Marvin Compper: Das kommt sicherlich hinzu. Wobei wir aber auch unsere Spielweise deswegen ein wenig umgestellt haben. Der essenzielle Unterschied ist, dass uns derzeit noch der Killerinstinkt fehlt, um die Spiele auf unsere Seite zu ziehen.
Sie sind mit acht Punkten aus fünf Spielen ordentlich in die Saison gestartet. Was trauen sie ihrer Mannschaft in dieser Spielzeit zu? Ist 1899 reif für Europa?
Marvin Compper: Wenn alle Räder in der Mannschaft ineinander greifen, dann ja. Aber eine Saison hat 34 Spieltage. Das ist verdammt lang. Ein Fazit kann man jetzt noch nicht ziehen, dazu ist es viel zu früh. Man sagt ja immer, dass man nach zehn Spielen eine Tendenz sehen kann, aber selbst das halte ich nicht für aussagekräftig, denn da sind erst 30 Prozent der Spiele absolviert. Man muss sich ja nur unsere Mannschaft in der Vorsaison anschauen: Nach 50 Prozent der Spiele standen wir auf Platz eins und am Ende waren wir Siebter. Nach 24, 25 Spieltagen wird sich herauskristallisieren, wer oben mitspielt. Bis dahin ist es unsere Aufgabe, möglichst viele Punkte zu sammeln, damit wir eine gute Ausgangslage haben.

Es wird allgemein viel über die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga im internationalen Vergleich geredet. Wie ist da ihre Einschätzung? Immerhin wird ständig betont, die Leistungsdichte sei in Deutschland höher als in Spanien, England oder Italien.
Marvin Compper: Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Positiv ist zunächst einmal, dass sich alle deutschen Mannschaften für ihre Wettbewerbe qualifiziert haben. Sprich: In der Champion League sind drei deutsche Teams dabei, und alle Klubs haben sich auch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Das ist schon einmal viel wert. Nichtsdestotrotz gab es in den letzten Jahren, mit Ausnahme der Bayern, kaum eine deutsche Mannschaft, die ins Viertel- oder Halbfinale der Champions League eingezogen ist. Wir müssen sehen, dass die Klubs wieder in den Sektor der Topmannschaften eindringen. Wenn sich die Wolfsburger weiter so entwickeln wie im letzten Jahr, können sie es schaffen, auch wenn es ein langer Prozess ist. Auch die Bayern können mit ihrem neuen Trainer wieder zu alter Stärke zurückfinden.
Sie spielen nun in der Defensiv-Zentrale gemeinsam mit Neuzugang Josip Simunic. Der wurde im letzten Jahr zum besten Abwehrspieler der Liga gewählt. Wie funktioniert das Zusammenspiel, was können Sie sich bei ihm abschauen?
Marvin Compper: Das Zusammenspiel ist sehr gut. Wir sind ähnliche Typen. Joe hat eine unheimliche Ruhe am Ball. Auch beim Defensiv-Kopfball kann ich mir noch etwas abschauen. Ich denke, wir ergänzen uns gut.
Schon gelesen? Marvin Compper im Goal.com-Portrait
Schon gesehen? Marvin Comppers Karriere in Bildern
Lest morgen auf Goal.com den zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit Hoffenheims Marvin Compper. Darin spricht der 24-Jährige unter anderem über seine Stärken und Schwächen, was ihn an Nemanja Vidic fasziniert und das verrückteste Spiel der letzten Saison...
Hoffenheim. Der Höhenflug von 1899 Hoffenheim in der vergangenen Hinrunde war eng mit seinem Namen verknüpft: Marvin Compper entwickelte sich zu einem der stärksten Innenverteidiger der Bundesliga und schaffte es bis in die deutsche Nationalmannschaft. Als es in der Rückserie beim damaligen Herbstmeister nicht mehr rund lief, blieb auch Compper unter seinen Möglichkeiten.
Nun knüpft der 24-jährige, der zuvor bei Borussia Mönchengladbach spielte, wieder an seine starken Leistung aus dem vergangenen Herbst an und bildet gemeinsam mit Neuzugang Joe Simunic die stärkste Defensive (zwei Gegentreffer in fünf Spielen) der Liga. Für Goal.com nahm er sich die Zeit für ein exklusives Interview!
„Bringt nichts, darüber nachzudenken, was sein könnte“
In der letzten Woche war Länderspielpause. Sie zählen im Moment nicht mehr zum Kader von Bundestrainer Jogi Löw. Was ist das für ein Gefühl, die Kollegen nur vorm Fernseher verfolgen zu können?
Marvin Compper: Wehmütig bin ich nicht. Natürlich wäre ich gern dabei. Aber ich bin ein Typ, der nach vorn schaut und positiv denkt. Es bringt nichts, jetzt darüber nachzudenken, was sein könnte. Sondern es bringt nur etwas, in seinem Verein Leistung zu bringen. Darauf konzentriere ich mich.
Sie feierten im letzten Herbst ausgerechnet im Knaller gegen England ihr Debüt für Deutschland. Wie haben sie von ihrer Nominierung erfahren? Gab es den klassischen Anruf, oder wurde das per E-Mail oder gar SMS mitgeteilt?
Marvin Compper: Damals wurde schon im Vorfeld gemunkelt, dass ein oder zwei Spieler aus unserer Mannschaft eingeladen werden könnten. Ich erhielt dann den Anruf von Joachim Löw und war glücklich, denn es war eine Ehre, für Deutschland nominiert zu sein. Das hat mich ein wenig selbstbewusster gemacht, aber ich wusste die Situation schon einzuschätzen. Im Verein war es ein Zeichen für mich, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Allerdings bin ich seitdem ja nicht mehr dabei gewesen, sodass sich für mich nicht wirklich viel geändert hat.
Wie sieht der Kontakt zu Jogi Löw heute aus?
Marvin Compper: Seit Februar habe ich keinen Kontakt mehr zum Bundestrainer. Er hat mir vor dem Länderspiel gegen Norwegen die Gründe dafür mitgeteilt, dass ich nicht dabei bin.

Rechnen sie sich noch Chancen auf die WM in Südafrika aus?
Marvin Compper: Ich denke nicht, dass ich momentan auf dem Zettel stehe. Aber der Trainer betont immer das Leistungsprinzip und ich denke, wenn ich bei Hoffenheim eine sehr starke Saison spiele, dann habe ich eine Chance.
„Der Killerinstinkt fehlt noch“
Widmen wir uns 1899 Hoffenheim: Es wirkt, als habe die TSG den Schwung und die Leichtfüßigkeit aus der Hinrunde 2008/09 verloren. Immerhin gab es im Kalenderjahr 2009 nur sechs Siege. Warum läuft es nicht mehr rund?
Marvin Compper: Es gab viele Spiele, in denen wir mit der gleichen Leichtigkeit gespielt haben, wie noch in der Hinrunde, nur haben wir die Tore nicht mehr gemacht. Das ist der größte Unterschied. Ich kann mich an ein Spiel gegen Karlsruhe erinnern, da haben wir 4:1 gewonnen, aber bis zur 70. Minute stand es noch 1:1. Also haben wir unsere Gegner da auch nicht jedes Mal an die Wand gespielt, aber dafür im richtigen Moment zugeschlagen.
Liegt es auch daran, dass sich die Gegner mittlerweile besser auf das Hoffenheimer Spiel eingestellt haben?
Marvin Compper: Das kommt sicherlich hinzu. Wobei wir aber auch unsere Spielweise deswegen ein wenig umgestellt haben. Der essenzielle Unterschied ist, dass uns derzeit noch der Killerinstinkt fehlt, um die Spiele auf unsere Seite zu ziehen.
„Wenn alle Räder ineinander greifen, sind wir reif für Europa“
Sie sind mit acht Punkten aus fünf Spielen ordentlich in die Saison gestartet. Was trauen sie ihrer Mannschaft in dieser Spielzeit zu? Ist 1899 reif für Europa?
Marvin Compper: Wenn alle Räder in der Mannschaft ineinander greifen, dann ja. Aber eine Saison hat 34 Spieltage. Das ist verdammt lang. Ein Fazit kann man jetzt noch nicht ziehen, dazu ist es viel zu früh. Man sagt ja immer, dass man nach zehn Spielen eine Tendenz sehen kann, aber selbst das halte ich nicht für aussagekräftig, denn da sind erst 30 Prozent der Spiele absolviert. Man muss sich ja nur unsere Mannschaft in der Vorsaison anschauen: Nach 50 Prozent der Spiele standen wir auf Platz eins und am Ende waren wir Siebter. Nach 24, 25 Spieltagen wird sich herauskristallisieren, wer oben mitspielt. Bis dahin ist es unsere Aufgabe, möglichst viele Punkte zu sammeln, damit wir eine gute Ausgangslage haben.

Es wird allgemein viel über die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga im internationalen Vergleich geredet. Wie ist da ihre Einschätzung? Immerhin wird ständig betont, die Leistungsdichte sei in Deutschland höher als in Spanien, England oder Italien.
Marvin Compper: Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Positiv ist zunächst einmal, dass sich alle deutschen Mannschaften für ihre Wettbewerbe qualifiziert haben. Sprich: In der Champion League sind drei deutsche Teams dabei, und alle Klubs haben sich auch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Das ist schon einmal viel wert. Nichtsdestotrotz gab es in den letzten Jahren, mit Ausnahme der Bayern, kaum eine deutsche Mannschaft, die ins Viertel- oder Halbfinale der Champions League eingezogen ist. Wir müssen sehen, dass die Klubs wieder in den Sektor der Topmannschaften eindringen. Wenn sich die Wolfsburger weiter so entwickeln wie im letzten Jahr, können sie es schaffen, auch wenn es ein langer Prozess ist. Auch die Bayern können mit ihrem neuen Trainer wieder zu alter Stärke zurückfinden.
Sie spielen nun in der Defensiv-Zentrale gemeinsam mit Neuzugang Josip Simunic. Der wurde im letzten Jahr zum besten Abwehrspieler der Liga gewählt. Wie funktioniert das Zusammenspiel, was können Sie sich bei ihm abschauen?
Marvin Compper: Das Zusammenspiel ist sehr gut. Wir sind ähnliche Typen. Joe hat eine unheimliche Ruhe am Ball. Auch beim Defensiv-Kopfball kann ich mir noch etwas abschauen. Ich denke, wir ergänzen uns gut.
Schon gelesen? Marvin Compper im Goal.com-Portrait
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