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Zeugnis: Die Bundesliga im Transfer-Spagat
Die Bundesliga hat in diesem Transfersommer zugeschlagen wie nie zuvor. Knapp 222 Mio. Euro (so eine Erhebung der Deutschen Presse-Agentur/dpa) gaben die 18 Bundesligisten für 172 Neuverpflichtungen aus. Die Finanzkrise scheint die Beletage des deutschen Fußballs nicht erreicht zu haben. Doch wird sich die Transferoffensive sportlich auszahlen?
(en) München. Den dicksten Batzen investierte einmal mehr Bayern München. Gekränkt durch die sportlich maue Vorsaison soll der Rekordmeister mehr als 70 Mio. Euro ausgegeben haben und stellt damit den Löwenanteil unter den Bundesligsten.
Neuer Trainer, neue Vorstellungen
Gleich acht neue Spieler wechselten an die Säbener Straße, wohl auch, weil der neue Trainer Louis van Gaal andere Vorstellungen mitbringt, als sein Vorgänger Jürgen Klinsmann. Denn einige der Transfers waren bereits vollzogen, ehe der Niederländer sein Amt antrat. So legten die Münchener noch einmal nach, um auch van Gaals Wünschen gerecht zu werden. Die Folge: Ein aufgeblähter Kader mit vielen unzufriedenen Spielern, die ohne Chance auf einen Stammplatz sind und keinen neuen Verein fanden.
Herthas Last-Minute-Transfers
Keine Frage: Transfers wie jener von Weltklasse-Flügelspieler Arjen Robben (für kolportierte 24 Mio. Euro vom FC Bayern verpflichtet) erhöhen nicht nur die Qualität seines neuen Vereins, sondern sind ein Gütesiegel für die gesamte Bundesliga. Doch Maßnahmen wie jene von Hertha BSC Berlin, das wenige Stunden vor Schließung des Transferfensters mit Florian Kringe von Borussia Dortmund, dem Brasilianer Cesar sowie dem Kolumbianer Adrian Ramos gleich drei neue Spieler präsentierte, haftet der Geruch von Aktionismus an. Vorausschauende Planung sieht anders aus. Aber wen wundert's: Die Hertha ist nach vier Spieltagen Tabellen-Sechzehnter. Zudem hatten die Berliner im letzten Jahr mit der Last-Minute-Ausleihe von Andrej Voronin eine echte Verstärkung an Land gezogen.
Doch es gibt auch Klubs, die diesen Sommer passend zur allgemeinen Wirtschaftslage sparten: So hielt sich Schalke 04 nach Jahren einer offensiveren Transferpolitik diesmal sehr zurück. Wie Trainer Felix Magath durchblicken ließ, gezwungenermaßen. Aufgrund leerer Kassen wären verstärkte Neueinkäufe nur bei vorherigen Spielerabgängen möglich gewesen, doch die Ladenhüter erwiesen sich als eben solche.
Im Vergleich zu Real Madrid noch zurückhaltend
Knapp111 Mio. Euro sollen die Bundesligisten laut dpa diesen Sommer auf der Einnahmenseite verzeichnet haben - also die Hälfte dessen, was ausgegeben wurde. Ein Vabanquespiel, das sich nur bei entsprechendem (internationalen) sportlichen Erfolg rechnet. Sicher, im Vergleich zu manch europäischer Konkurrenzliga wirtschaftet die Bundesliga rentabel, dies dokumentieren die finanziellen Kennzahlen ihrer Vereine während der letzten Jahre. Allein Real Madrid dürfte diesen Sommer für Kaká, Cristiano Ronaldo, Karim Benzema & Co. geschätzt mehr ausgegeben haben, als die gesamte Bundesliga. Doch sie tut gut daran, ihre wirtschaftliche Stärke auch weiterhin nicht auf dem Altar eines sportlichen Erfolgs zu opfern, der nicht zwangsläufig aus Investitionsrekorden folgen muss.
„Geld schießt doch Tore“
Allerdings ist es unbestritten, dass Investitionen in Spitzenspieler die Chance auf sportlichen Erfolg zumindest signifikant erhöhen, wie Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2-Tore-Debüt von Arjen Robben feststellte: „Geld schießt doch Tore, vor allem, wenn das Geld vom Festgeldkonto kommt, nicht, wie irrtümlich behauptet, von der Kreditabteilung.“ So dürften sich die Klubs auch weiterhin in einem anspruchsvollen Spagat zwischen sportlicher Nutzenmaximierung und wirtschaftlicher Solidität befinden.
Liga-Präsident Reinhard Rauball sieht die Finanzlage der Klubs weiterhin im Lot, wie er gegenüber der dpa versicherte: „Ich glaube, dass die Liga die entsprechenden Erlöse generiert, um sich so etwas (Anm.: das diesjährige Transfervolumen) leisten zu können. Das ist das Ergebnis jahrelangen soliden Wirtschaftens und eines recht strengen Lizenzierungsverfahrens.“
Eure Meinung: Wie bewertet Ihr die Transferpolitik der Bundesliga in diesem Jahr?
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