Der FC Bayern 2009: Eine einzige Baustelle

Zwei Unentschieden, eine Niederlage - seit über vierzig Jahren ist der FC Bayern nicht mehr so schlecht in eine Saison gestartet wie in diesem Jahr. Dabei hatte Aufsichtsratsvorsitzender Franz Beckenbauer vor der Saison noch optimistisch vom besten Bayern-Kader aller Zeiten gesprochen...

Louis van Gaal, Bayern Munich (Foto ANP)

(en) Mainz/München. Doch spätestens mit der über 45 Minuten desolaten Leistung bei Aufsteiger FSV Mainz 05 (1:2) ist Ernüchterung eingekehrt in München. Der Aufsteiger nahm den einstigen Branchenführer förmlich auseinander und hätte zur Pause noch deutlich höher als 2:0 führen können, ja müssen.

Desolate Abwehr

Der FC Bayern präsentierte sich in allen Mannschaftsteilen desolat: Im Tor bewies Michael Rensing beim ersten Gegentor einmal mehr, dass er den Anforderungen des deutschen Rekordmeisters nicht genügt. Die Innenverteidigung aus Daniel van Buyten und Holger Badstuber trat wiederholt erschreckend desorientiert auf. Fehler mögen einem Youngster wie Badstuber zugestanden werden, doch die eklatante Zweikampfschwäche von Daniel van Buyten, der unter Neu-Trainer Louis van Gaal eine massive Wertsteigerung erfuhr, ist unerklärlich. Nimmt man den als linken Außenverteidiger überforderten Neuzugang Edson Braafheid hinzu, ergibt sich eine Abwehr, die weder höchsten nationalen, geschweige denn europäischen Ansprüchen genügt.

Konkurrenz veliert die Angst vor dem FC Bayern

Viel zu einfach wäre es, die desolate Leistung allein am Fehlen von Kreativspieler Franck Ribéry fest zu machen. Ein stolzer Klub wie der FC Bayern darf nicht derart abhängig sein von einem einzelnen Akteur. Zudem bewiesen die Münchener mit ihrer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause, dass sie sehr wohl auch ohne Ribéry zu besseren Leistungen fähig sind. Was die Bayern zudem nachdenklich stimmen sollte: Die Konkurrenz hat ihre einstige Angst vor dem jahrelangen Bundesliga-Dominator verloren. Felix Magath (Schalke 04) und sein Trainerkollege Armin Veh (VfL Wolfsburg) haben jüngst in Interviews bereits durchblicken lassen, dass die Münchner ihre frühere Vormachtstellung derzeit verloren haben - und liegen mit ihrer Einschätzung mit jedem schwachen Bayern-Auftritt richtiger.

Falsche Systemtreue?

Auch personeller und taktischer Natur ergeben sich Fragen: Weshalb versucht Louis van Gaal seine Spieler in ein taktisches Rautenkorsett zu zwingen, in dem einige Profis offenbar überfordert sind oder sich schlichtweg nicht wohl fühlen? Siehe Angreifer Miroslav Klose in Mainz hinter den Spitzen, siehe Außenbahn-Spieler Ribéry als Spielmacher. Auch wenn van Gaal von einer Raute als bestem Taktikschema überzeugt ist, so wäre ein Festhalten daran aus reiner Systemtreue das falsche Rezept, denn: Über einen Regisseur von internationalem Spitzenformat verfügen die Bayern nicht. Auch das zwanghafte Insistieren darauf, dass der linke Innverteidiger unbedingt ein Linksfuß sein muss, lässt sich hinterfragen. Das erfolgreiche Abwehrduo aus Lucio und Martin Demichelis bewies in den letzten Jahren das Gegenteil.

Keine Automatismen

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Viererkette in der Abwehr wurde komplett neu besetzt, dazu wechselte mit Philipp Lahm einer der wenigen konstanten Leistungsträger von der linken auf die rechte Abwehrseite. Automatismen können sich so nicht einspielen. Mit Lucio und Zé Roberto verließen den Klub zudem zwei Spitzenkräfte der vergangenen Jahre. Während für Lucio überhaupt kein Ersatz geholt wurde, kam mit Danijel Pranjic zumindest ein Spieler, dem der Durchbruch beim FC Bayern zuzutrauen ist.

Wohl keine Transfers mehr

Doch war es tatsächlich richtig, sich auf Positionen zu verstärken, die ohnehin schon gut besetzt waren? Siehe Anatoli Timoschtschuk für die Planstelle von Mark van Bommel oder Mario Gomez für jene von Luca Toni. Stattdessen wurde auf den Schwachstellen Torhüterposition, Abwehr (innen wie außen) und Spielmacher (sofern weiterhin mit einer Raute gespielt werden soll) nicht nachgebessert.

Noch hat der FC Bayern eine Woche Zeit, um auf dem Transfermarkt zu reagieren. Doch angesichts der bisherigen Äußerungen der Klub-Verantwortlichen scheint es fraglich, dass die Münchener noch reagieren werden. Die Konkurrenz wird es freuen...

Eure Meinung: Was muss sich beim FC Bayern ändern? Sollte er diese Woche noch personell nachlegen?





 
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