Spielbericht Bundesliga: VfL Wolfsburg – Hamburger SV

Im Nordschlager zogen die Hamburger den „Wölfen“ die Zähne. Nach einem spektakulären 2:4 ist die Heimerfolgssträhne des deutschen Meisters ein für alle mal Geschichte. Fast wäre dem Hamburger Supersturm, der zweimal in Folge vier Tore erzielt, jedoch vier Minuten der Unachtsamkeit zum Verhängnis geworden.

Bundesliga 2009: Aogo, Petric und Elia vom Hamburger SV feiern ihren Triumph gegen den VfL Wolfsburg (firo)
Von François DUCHATEAU

PERSONAL & TAKTIK

Wolfsburg.
Nach zwei Siegen gab es für Armin Veh kaum Grund, groß etwas in seiner Mannschaft umzustellen. Einzig und allein Alexander Madlung flog aus der Startelf. Für ihn bekam Jan Simunek den Vorzug. Der Hamburger SV konnte wieder auf Keeper Frank Rost zurückgreifen, der sich für den jungen Wolfgang Hesl zwischen die Pfosten stellte. David Rozehnal nahm den Platz von Demel ein, der sich vor einigten Tagen eine Prellung zuzog.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Dass die „Rothosen“ die Frühstarter der Saison sind, wurde in der Volkswagen-Arena wieder einmal deutlich. Wie gegen Dortmund zappelte der Ball bereits nach wenigen Minuten im Netz: In der dritten Minute zieht Guerrero nach einer flache Hereingabe einfach Mal ab und Pechvogel Diego Benaglio bekommt den Pfostenschuss an den Rücken, der von dort aus ins Tor kullert. Der HSV drückte weiter auf die Tube, der Schiedsrichter musste schon früh einige Spieler verbal ermahnen, doch der Niederländer Eljero Elia ließ sich davon nicht beirren und stocherte eine schöne Hereingabe von Petric clever ins Tor, das jedoch nicht hätte zählen dürfen, da der Kroate leicht im Abseits stand.
Wenige Minuten später hingegen hob der Linienrichter zweimal zu Unrecht die Fahne auf der anderen Seite, als Grafite den Ball gefährlich vor den Schlappen bekam (13., 14.). Doch die „Wölfe“ bekamen ihre Löcher in der Abwehr nicht gestopft gegen höchst motivierte Hanseaten, die fast durch Paolo Guerrero noch einmal nachlegten, der in der 16. Minute jedoch verpasste aufzulegen und auch wenig später an Benaglio scheiterte (23.). Eljero überlistete dafür in der 36. Minute den Schweizer Keeper zwar erneut, doch das Tor zählte nicht: Abseits. Eine Minute später tauchte Edin Dzeko aus der Versenkung frei vor Rost auf, doch hier entschied Knut Kircher ebenfalls auf Abseits. Ein 3:0 vor der Pause wäre mehr als verdient gewesen, doch Piotr Trochowskis wunderschöner Heber plumpste nur gegen die Latte (40.). Armin Veh sah alles andere als entspannt aus, auch wenn Dzeko wenige Sekunde vor dem Pausentee noch einmal eine gute Chance vor Rost bekam, und wechselte früh Alexander Madlung für Jan Simunek ein.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Doch wer den deutschen Meister bereits abgeschrieben hatte, der hatte sich geschnitten. Innerhalb von vier Minuten drehten die „Wölfe“ nämlich das Spiel auf den Kopf. In der 52. Minute musste Zvjezdan Misimovic den Ball nach einer Kombination mit Schäfer nur noch über die Linie drücken, während der für Karim Ziani eingewechselte Obafemi Martins in der 56. Minute eine Flanke wuchtig an Rost vorbeiköpfte. Verkehrte Welt: Und schon war der VfL wieder da und machte mit drei Stürmern auf einmal mächtig Dampf! Aufgegeben hatte sich der HSV deswegen aber noch lange nicht, der jedoch erneut Chancen von Guerrero (65.) und Ze Robert (66,) nicht nutzte. Erst Mladen Petric kann nach 75 Minuten die alten Verhältnisse wiederherstellen und per Volley vom Elfmeterpunkt die erneute Führung zum 2:3 erzielen, nach gezielter Flanke vom ebenfalls starken Aogo. Castelen hatte in der 79. Minute schon das 2:4 auf der Stirn, doch erst sein perfekt vollendeter Konter kurz vor Schluss zappelte im Netz und machte den Sack zu (90.) zum absolut verdienten HSV-Triumph.

SCHLÜSSELSPIELER

Das magische Dreieck, das waren heute nicht Misimovic, Grafite und Dzeko, sondern das kam von der Elbe: David Jarolim im Mittelfeld zeigte eine unheimlich starke Partie und agierte als Aggressiv-Leader im Mittelfeld, der den Aufbau kontrollierte und die „Wolfskonter“ abblockte. Eljero Elia wirbelte auf links nicht nur die „Grünen“ schwindelig und zeigte sich im 16er ebenfalls als effektiven Stürmer, sondern setzte den gewohnt gefährliche Paolo Guerrero oft geschickt in Szene, der unterm Strich jedoch zu viele Chancen auslies. Die Niedersachsen hingegen kamen erst auf Trab, als Obafemi Martins eingewechselt wurde, der immer mehr Argumente für einen Stammplatz liefert, während Dzeko seiner Form noch meilenweit hinterherläuft. Allerdings wirkte dieses Hoch nur kurz.

SCHLÜSSELSZENE

Die Abseitssituation zum 0:2 war sicher strittig, und versetzte Wolfsburg früh einen Schlag ins Gesicht, doch änderte nichts am Hamburger Sturmlauf, welcher bis auf vier Minuten konstant durchrollte.

SPIELER DES SPIELS

Eljero Elia. Seitdem der niederländische Wirbelwind an der Elbe kickt, wird nicht mehr nur über Piotr Trochowski angegriffen, sondern der Mann aus Twente ist auf einmal die Geheimwaffe der „Rothosen“. Der Youngster beansprucht die linke Außenbahn komplett für sich, dribbelt mit Highspeed an allen Verteidigern vorbei und trifft auch mal selbst wenn’s sein muss.

SCHIEDSRICHTER

Knut Kircher (Rottenburg) selbst hatte das Spiel komplett in Griff, doch seine Assistenten an der Linie leisteten sich einige Fehlentscheidungen, was Abseitsbeurteilung anging.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE:  9,5

Zu Recht Prädikat: Spitzenspiel! Packender kann ein Bundesligamatch nicht sein. In der ersten Hälfte erarbeiten sich dominante Hamburger Chance um Chance und spielen den Meister an die Wand, während nach dem Pausentee die „Wölfe“ die Zähne fletschten. Offensivfußball non-stop, und offener Ausgang bis zum Schluss. So schön kann Fußball sein.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

STATISTIK

Anstoß: Sonntag, den 23. August um 17.30 Uhr
Stadion: Volkswagen-Arena
Tore: 0:1 Guerrero (3.), 0:2 Elia (7.), 1:2 Misimovic (52.), 2:2 Martins, 2:3 Petric (75.), 2:4 Castelen (90.)
Gelbe Karten: Josue, Gentner, Grafite, Misimovic (Wolfsburg), Boateng, Mathijsen (HSV)

FAZIT

Wolfsburg wird nicht zum zweiten Mal durch Kontern Meister und muss verdientermaßen zusehen, wie die souveräne Heimbilanz zerreißt. Die starken Neueinkäufe des Hamburger SV können einen bisher so souveränen deutschen Meister in die Knie zwingen kann. So spielt ein Titelkandidat, auch wenn vier Minuten der Unachtsamkeit fast zum Verhängnis geworden wären.

Wie habt ihr dieses Spitzenspiel gesehen? Ist der HSV ein Titelkandidat nach dem Spiel? Was hat Euch gut gefallen? Was war mit Wolfsburg los?



 
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