Spielbericht Bundesliga: FC Bayern München – Werder Bremen

Weder Bremen noch München kann am zweiten Spieltag der 47. Bundesligasaison den Weg aus der Kurz-Krise bewältigen. Spielerisch überzeugen beide Mannschaften kaum und beim deutschen Rekordmeister geht es erst nach der Einwechslung von Franck Ribéry bergauf. Nach einer chancenarmen Partie ist das Unentschieden am Ende in Ordnung. Irgendwie können auch beide Mannschaften damit leben.

Mesut Ozil, Werder Bremen (FIRO)

Von Dennis WEINACHT

München. Nein, ein Feuerwerk der Fußball-Kunst war das Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem SV Werder Bremen wahrlich nicht. Auch deshalb gab es nach dem Spielende wenig Beifall und einige Pfiffe. Da hatten sich die Fans mehr erhofft.

PERSONAL & TAKTIK

Beim deutschen Rekordmeister änderte Louis van Gaal seine Startelf im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel auf drei Positionen. Für den verletzten Mark van Bommel erhielt Anatoliy Tymoshchuk den Vorzug vor Andreas Ottl. Zudem kam Miroslav Klose für Ivica Olic in die Partie und Jose Ernesto Sosa durfte anstelle des zuletzt schwachen Alexander Baumjohann agieren. Bei den Gästen von der Weser wechselte Trainer Schaaf ebenfalls auf zwei Positionen. Aaron Hunt durfte sich zeigen, weshalb Hugo Almeida nur auf der Bank Platz nehmen konnte. Zudem ersetzte Sebastian Boensich den mit Gelb-Rot gesperrten Sebastian Prödl.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

Der deutsche Rekordmeister schien etwas besser in die Partie zu kommen als die Gäste aus Bremen. Aber schon in den ersten Minuten wurde klar, dass es an spielerischen Mitteln, die etwa ein Franck Ribéry bieten könnte, mangelte. In der eigenen Hälfte standen die Münchner gut, im Mittelfeld aber fehlten die Ideen, so dass der Sturm weitgehend abgemeldet war. Mario Gomez agierte dabei noch etwas auffälliger als sein Nebenmann Miroslav Klose. Das lag aber nicht zuletzt daran, dass der Ex-Stuttgarter fast in jeder Situation im Abseits stand. Bezeichnend, dass die beste Chance der Gastgeber im ersten Durchgang aus einem Weitschuss resultierte. Bastian Schweinsteiger setzte sich erfolgreich gegen Clemens Fritz durch, scheiterte aber mit seinem Versuch aus 18 Metern an Tim Wiese (9.).

Je länger die erste Halbzeit lief, desto selbstbewusster agierten aber auch die Bremer. Der Auslöser einer sichtbaren Leistungssteigerung war ein Kopfball nach 29 Minuten, bei dem Absender Petri Pasanen aber nur den Pfosten des Gehäuses von Michael Rensing traf. Es folgten spannende, aber wenig ereignisreiche Minuten. Die nächste Tormöglichkeit sollte auf sich warten lassen, dann aber umso sehenswerter sein. Obwohl der FC Bayern München in der Defensive deutlich in Überzahl war, konnte Bremen nach einem schnellen Umschalten Mesut Özil völlig frei in der Mitte finden und anspielen. Der ehemalige Schalker vollstreckte am Elfmeterpunkt eiskalt und ließ Rensing keine Chance (39.). Noch vor der Pause waren die Hanseaten nun in Führung gegangen – nicht völlig unverdient.

Mit diesem Spielstand ging es auch in die Pause. Fast sinnbildlich für die Leistung des deutschen Rekordmeisters war die Vorstellung von Anatolyi Tymochschuk. Er war in der Defensive absolut solide, konnte aber nach vorne keinen Strich machen. Wie seine komplette Mannschaft. Nicht verwunderlich, dass die Fans nun Franck Ribéry forderten. Er hätte mit seiner Klasse das Spiel der Münchner aufwerten können. Und eine Steigerung im Gang nach vorne war dringen notwendig. Sonst drohte die erste Pleite im ersten Heimspiel.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Der zweite Durchgang begann nahezu als Kopie der ersten 45 Minuten. Wieder versuchte der deutsche Rekordmeister nach vorne zu spielen, wieder aber sollte das nicht gelingen. Nach einem Eckball wurde es einmal eng, als Bremen aber in letzter Sekunde klären konnte (50.). Ansonsten gab es das gewohnte Bild zu sehen: Im Spielaufbau scheiterten die Münchner nahezu kläglich. Wenn denn mal ein Ball seinen Weg in die Spitze finden sollte, so stand der angespielte Stürmer zumeist im Abseits. In der Pause war Ribéry auf der Bank geblieben und der für Klose gekommene Ivica Olic wusste zunächst noch keine Akzente zu setzen.

Nach 62 Minuten kam dann aber auch endlich der französische Spitzenfußballer im Dress der Bayern und er sollte sich direkt perfekt einfinden. Nur zwei Minuten später lief er auf der Außenbahn durch, ließ seine Gegenspieler stehen und passte zielgenau in die Mitte, wo Ivica Olic freistehend aus neun Metern zum Schuss kam, aber am sensationellen Tim Wiese scheiterte. Das war der beste Angriff des deutschen Rekordmeisters bis dato in diesem Duell. Ribéry war da und schon wurde es richtig gefährlich in der Allianz-Arena. Ab sofort sollte der Franzose an fast alle Offensivaktionen der Bayern beteiligt sein, er wurde von seinen Mitspielern immer wieder gesucht und angespielt.

Am Ausgleich des deutschen Rekordmeisters war er aber nicht beteiligt, dieser fiel über die rechte Seite. Philipp Lahm passte flach in die Mitte, wo Mario Gomez ausnahmsweise nicht im Abseits stand. Tim Wiese lief heraus, kam einen Schritt zu spät und ging zudem recht früh zu Boden. Der Bayern-Angreifer stocherte das Leder schließlich über die Linie (77.). Gerade schien die Begegnung wieder etwas verflacht zu sein, da fiel der Ausgleich. Damit hatten in diesem Moment nicht viele gerechnet, auch wenn die Kicker von der Isar sich diesen Treffer erkämpft hatten. Unverdient war das 1:1 zu diesem Zeitpunkt nicht.

SCHLÜSSELSPIELER

Beim deutschen Rekordmeister war es schwer auszumachen, wer denn nun der Schlüsselspieler war. Mit Franck Ribéry kam etwas Fahrt in die Begegnung, wenngleich er auch noch nicht einhundert Prozent seiner Form erreichen konnte. Bei Werder Bremen hielt Tim Wiese am Ende den Punkt mit. Zudem konnte Mesut Özil in einigen Situationen gefallen, weil er viel unterwegs war und insgesamt nicht allzu schlecht spielte. Das Tor passte zu diesem Eindruck.

SCHLÜSSELSZENEN

Die beiden Tore waren sicherlich Schlüsselszenen. Wichtig aber vor allem die Aktionen vor den beiden Treffern. Bremen wurde durch den Kopfball an den Pfosten von Petri Pasanen beflügelt, Bayern schöpfte wieder Hoffnung nachdem Olic aus kurzer Distanz am starken Tim Wiese scheiterte. Diese beiden Möglichkeiten sorgten jeweils für Schwung in der ansonsten oft zerfahrenen und wenig dynamischen Begegnung.

SPIELER DES SPIELS: Tim Wiese

Er spielte sehr gut mit, hatte zudem starke Szenen auf der Linie. Beim Gegentor durch Mario Gomez sah er unglücklich aus, war aber letztlich doch chancenlos. Vielmehr war dieser Treffer dem Pech der Bremer zu schulden. Der Torschütze wurde nicht ausreichend gedeckt und Wiese versuchte noch vergeblich zu retten, was es zu retten gab – erfolglos.

FAZIT: Der FC Bayern München muss sich noch steigern, will die Mannschaft wie von Uli Hoeneß prophezeit „bald in der Liga voranmarschieren“. Denn noch ist im Spiel der Mannschaft zu wenig Bewegung, zu viel Leichtsinn und kaum Ballsicherheit. Auch die erfahrenen Spieler im Team leisteten sich einige Aussetzer. Zudem scheint die Mannschaft doch stark abhängig von Franck Ribéry, dessen Anwesenheit das Team merklich stärkte. Bei Werder Bremen gilt Ähnliches: Über 90 Minuten kann die Mannschaft derzeit ihr Pensum nicht abrufen.

SCHIEDSRICHTER: Manuel Gräfe (Berlin)

SPIELNOTE: 6, insgesamt eine sehr spannende Partie, die aber nicht allzu viele Highlights für die Zuschauer parat hielt. Es war nicht das erhoffte Spitzenspiel, doch die Fans werden den Gang ins Stadion auch sicherlich nicht bereuen.

Eure Meinung: Wem hilft dieses Remis mehr?



 
Goal.com-Flutlicht
  1. Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte

    Es ging um richtig viel Geld, als der belgische Shootingstar beiden Großklubs aus Manchester absagte und an die „Stamford Bridge“ wechselte. Dort macht er nun so richtig Kasse.

  2. Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine? Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine?

    KOLUMNE - Jede Woche gibt euch FCB-Reporter Maximilian Bensinger Einblick in sein Gefühlsleben. Was gibt es Neues an der Säbener Straße? Emotional und erschreckend subjektiv!

  3. Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten

    Die EM bietet den teilnehmenden Akteuren die Möglichkeit, sich ins Schaufenster zu stellen, um sich für neue Klubs zu empfehlen - wir bieten einen Überblick der Wechselkandidaten.

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde