Spielbericht Bundesliga: VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart

Der VfL Wolfsburg ist wieder zurück und hofft auf eine viel versprechende Saison. Gegen den VfB Stuttgart setzen sich die Niedersachsen mit 2:0 (0:0) in einer starken Begegnung durch. Nach einer tollen ersten Halbzeit drohte die Begegnung zu verflachen, ehe Misimovic und Grafite mit ihren Treffern eine Entscheidung erzwangen. Respekt aber auch für die Schwaben, die toll aufspielten und unglücklich unterlagen.

Armin Veh - Hamburger SV

Von Dennis WEINACHT

Wolfsburg. Der deutsche Meister ist wieder da! Mit einem starken 2:0-Sieg steigen die Niedersachsen vom VfL Wolfsburg in die neue Saison ein. Aber auch der VfB Stuttgart lässt seine Fans hoffen.

PERSONAL & TAKTIK

Der deutsche Meister lief fast mit der selben Mannschaft auf, die in der letzten Saison noch die deutsche Meisterschaft gewinnen konnte. Sascha Riether rückte lediglich auf seine angestammte Position in der rechten Verteidigung zurück. Für ihn spielte Neuzugang Karim Ziani im Mittelfeld. Zudem erhielt Alexander Madlung in der Innenverteidigung an der Seite von Andrea Bazargli den Vorzug vor Jan Simunek, der zunächst nur mit der Bank Vorlieb nehmen musste.

Beim VfB Stuttgart standen etwas überraschend bereits beide Neuzugänge mit Pavel Pogrebnyak und Aliaksandr Hleb in der Startelf. Trainer Markus Babbel hatte erst unmittelbar vor dem Spiel entschieden, die beiden Neulinge von Beginn an spielen zu lassen. Viele hatten damit gerechnet, dass die Offensivkräfte zunächst nur Ersatz sein würden, so dass die eingespielte Formation der Vorbereitung sich zeigen kann.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

Die beiden Mannschaften begannen entsprechend den Erwartungen spielerisch gut, wenngleich man direkt merkte, dass am ersten Spieltag noch nicht alles passen sollte. Die fußballerische Qualität offenbarte zunächst keine Unterschiede, so dass sogar der VfB Stuttgart nach einer Viertelstunde die erste richtig gute Tormöglichkeit hatte. Nach einer Hereingabe köpfte der sehr fleißige Sami Khedira aufs Tor. Er selbst wähnte den Ball im Tor, aber Diego Benaglio hatte noch auf der Linie mit einem tollen Reflex geklärt.

Bei den Niedersachsen merkte man ebenfalls, dass noch nicht jeder einwandfrei in Form ist. Das sonst so treffsichere Sturm-Duo bestehend aus Grafite (34.) und Edin Dzeko (19.) ließ gute Chancen liegen, durfte sich vorerst nicht über einen Treffer freuen. Beide Stürmer liefen je einmal frei auf Jens Lehmann zu, scheiterten aber beide Male am guten Schlussmann der Schwaben. Auf der Gegenseite sorgte der neue Angreifer Pogrebnyak ein ums andere Mal für Gefahr. Aber auch er durfte im ersten Durchgang nicht jubeln.

Bereits zur Pause war klar, dass diese beiden Teams über ein hohes spielerisches Potenzial verfügen. Die Hausherren waren etwas besser eingespielt, hatten im Vergleich zur Vorsaison auch nur einen Neuzugang im Team. Bei den Gästen war Pogrebnyak schon ordentlich integriert, Hleb konnte sich bis dato in einer sehr unterhaltsamen und flotten Partie noch nicht zeigen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, wobei beide Mannschaften auch nicht volles Risiko gingen. Zu groß schien der Respekt vor dem Gegner noch zu sein. Das aber sollte sich im zweiten Durchgang ändern.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Zunächst jedoch war das Spiel vor allem eines: hitzig! In den ersten Minuten des zweiten Durchgangs gab es viele kleine Fouls und Zweikämpfe, die hart an der Grenze geführt wurden. Auch auf den Rängen lud sich die Stimmung zunehmend auf. Der souveräne Schiedsrichter Dr. Felix Brych musste nun aufpassen, dass ihm die Partie nicht aus den Händen gleiten würde. Aber der Münchner schaffte es, die Gemüter wieder etwas zu beruhigen, so dass auch der Fußball bald wieder in den Fokus rücken konnte.

Dieser war aber in der Folgezeit wenig filigran. Das Spiel wurde nun weitgehend vom Kampf geprägt, tolle Szenen waren allzu selten, was bei den Fans nicht gerade für Jubelausbrüche sorgte. Der VfL Wolfsburg wirkte dabei etwas gefestigter, erfahrener und nun auch wesentlich besser eingespielt. Vor dem Gehäuse von Jens Lehmann sollte sich aber auch nicht viel abspielen. Das Niveau der ersten 45 Minuten konnte nun nicht mehr erreicht werden. Vieles blieb Stückwerk, vieles blieb zu ungenau.

Und auch wenn es verdient war, so kam das erste Bundesligator der Saison 2009/2010 doch etwas überraschend. Zum ersten Mal im zweiten Durchgang war die Defensive des VfB Stuttgart nicht konsequent zur Stelle. Christian Gentner legte vor dem Strafraum auf Zvjezdan Misimovic ab, der am Sechzehner mit einem technisch sehr anspruchsvollen Schlenzer ins Gehäuse des chancenlosen Lehmann einnetzte (71.). Das Tor beflügelte die 22 Akteure nun wieder. Der deutsche Meister spielte mutiger nach vorne, der VfB Stuttgart wusste aber auch, dass nun mehr kommen musste. Eine spannende Schlussphase war programmiert.

Und die kam - zumal der VfB Stuttgart die letzten Minuten zu zehnt beenden musste. Christian Träsch fiel bei einem Zweikampf unglücklich auf den Arm, verletzte sich dabei wohl schwer am Handgelenk. Er musste den Platz verlassen, das Wechselkontingent der Schwaben war aber bereits vollends ausgeschöpft (79.). Nun wurde die Schlussphase erst recht schwer für die Gäste. Markus Babbel beorderte den eingewechselten Elson in die Viererkette, wo er nun auf der linken Seite agieren sollte.

Aber nur drei Minuten später sollte auch die letzte Hoffnung beendet sein. Grafite setzte sich klasse gegen die VfB-Verteidiger durch, verlud letztlich auch Serdar Tasci, der im Zweikampf gegen den schnellen Angreifer wie ein Anfänger aussah. Der Torschützenkönig der letzten Saison schob letztlich freistehend vor Jens Lehmann in die kurze Ecke ein. Der Keeper war einmal mehr ohne Chance (82.). So kennt man Grafite. Bisher in der Partie war er etwas abgetaucht, nun aber war er so zurück, wie ihn die Fans lieben – als Torjäger!

SCHLÜSSELSPIELER

Der Schlüsselspieler der Partie war Zvjezdan Misimovic, der im Mittelfeld als eiserner Kämpfer und im Abschluss als effizienter Scharfschütze agierte. Sein Treffer sorgte für das notwendige Selbstbewusstsein und damit unterstützte er seine Mannschaft sehr nachhaltig. Wichtig aber auch, dass Grafite seinen Treffer erzielte und damit den Sack zumachte. Insgesamt aber kamen die Schlüsselspieler von einer ganz anderen Position: Die Defensive der Niedersachsen überragte gegen den VfB Stuttgart!

SCHLÜSSELSZENEN

Die beiden Tore sind hier sicherlich anzuführen. Aber auch die wichtigen vielen Aktionen der Abwehrspieler machten den Sieg erst möglich. Die „Wölfe“ hatten das notwendige Glück, dass die Mannschaft von Markus Babbel nicht die guten Chancen in der ersten Halbzeit verwerten konnte. Die Niedersachsen präsentierten sich einmal mehr eiskalt, das war gegen eine solche Mannschaft wichtig. Außerdem wurde dadurch ersichtlich, dass der VfL Wolfsburg auch in diesem Jahr wieder hohe Ansprüche stellen darf.

SPIELER DES SPIELS: Zvjezdan Misimovic

Er wirkte unglaublich robust und gefestigt in den Zweikämpfen, spielte außerdem seinen gewohnt starken Fußball nach vorne. Er ließ sich nie die Rolle des Spielmachers nehmen und krönte eine gute Leistung mit einem tollen Tor und vielen weiteren starken Szenen. Nicht umsonst wurde er im Sommer von vielen europäischen Spitzenklubs gejagt.

FAZIT: Der VfB Stuttgart agierte bis zum Ende sehr bemüht und zeigte in jeder Phase der Partie sein absolut hohes Potenzial. Aber auch die Niedersachsen spielten sehr gut, hatten am Ende etwas mehr Erfahrung, weil sie in dieser Besetzung in der letzten Saison schon fast genau so spielten. Das machte am Ende den Unterschied. Aber klar ist auch: Beide Teams werden in dieser Saison wieder zurecht oben mitspielen und sie sind gute Klubs, als Repräsentanten Deutschlands in Europa.

SCHIEDSRICHTER: Dr. Felix Brych (München)

SPIELNOTE: 7, eine gute Partie, die aber im zweiten Durchgang etwas zu verflachen drohte. Das geschah dann aber zum Glück nicht, wenngleich die Verletzung von Träsch das Geschehen etwas überschattet. Insgesamt wäre der Bundesliga aber geholfen, wenn jedes Spiel auf einem ähnlichen Niveau geführt würde. Ein gelungener Auftakt in die 47. Bundesligsaison.

Eure Meinung: Was sagt dieses Spiel schon über die Saison und die Verfassung der Mannschaften aus?



 
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