ELF Top-Transfers (2): Anatoli Timoschtschuk von Bayern München

Willkommen in der Bundesliga! Sie sind die neuen Hoffnungsträger ihrer Clubs. Bisweilen haben die Vereine dafür tief in die Tasche gegriffen. ELF, das neue Ranking auf Goal.com, hat die Top-Transfers genauer unter die Lupe genommen und elf Spieler ausgewählt, die für die Vereine und Bundesliga allgemein eine Bereicherung werden können. Gelistet wurden aber nur ausländische Transfers, bei denen Anatoli Timoschtschuk vom FC Bayern auf dem zweiten Rang liegt.

Anatoliy Tymoschuk - Zenit St Petersburg (PA)

(en) München. Keine Frage, dieser Mann ist zusammen mit Angreifer Mario Gomez die prominenteste Neuverpflichtung des FC Bayern vor der Saison 2009/10: Anatoli Timoschtschuk gehört für Experten zu den besten „6ern“ in Europa, war zudem anerkannter Führungsspieler bei seinem bisherigen Klub Zenit St. Petersburg. Beleg dafür: 2007 von Schachtar Donezk nach St. Petersburg gewechselt, wurde „Timo“ schon nach zwei Monaten im neuen Klub zum Kapitän ernannt.

Erfolg gegen den neuen Klub

Von den Qualitäten des ukrainischen Nationalspielers, der in seinem Heimatland bereits viermal zum Fußballer des Jahres gekürt wurde, konnten sich die Münchener im direkten Duell überzeugen. Beim Ausscheiden im UEFA-Cup-Halbfinale 2008 (1:1 und 0:4) war Timoschtschuk eine der treibenden Kräfte seines Teams und gewann mit Zenit schließlich auch das Europacup-Finale gegen die Glasgow Rangers. Kein Wunder daher, dass Dick Advocaat „unseren Besten“, wie der Zenit-Trainer gegenüber Medienvertretern feststellte, nur ungern ziehen ließ und den Bayern zur Verpflichtung seines Spielers gratulierte: Schließlich eigne dieser sich „nicht nur auf dem Platz“ zum Vorbild. Dazu passt, dass der so Gelobte seine Erfolgsformel selbst schon mehrfach als „zehn Prozent Talent“ und den Rest als „harte Arbeit“ beurteilte.

Vorteil van Bommel

Umso überraschender kristallisierte sich daher in der Münchener Saisonvorbereitung heraus, dass der Neuzugang beim deutschen Rekordmeister alles andere als gesetzt ist. Noch zu Zeiten von Ex-Bayern-Coach Jürgen Klinsmann verpflichtet, schwingt inzwischen Louis van Gaal das Trainingszepter - und setzt auf eine Systemumstellung, die zu Timoschtschuks Lasten gehen könnte. Agierte der FC Bayern in den letzten Jahren noch mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, hat van Gaal nun auf eine Raute umgestellt, die nur noch Platz für einen 6er lässt. Und diese Position ist für Kapitän und „Aggressive Leader“ Mark van Bommel vorgesehen - denn ein Kapitän hat bei ihm einen Stammplatz sicher, so der Trainer. Zudem trat Timoschtschuk während der Vorbereitungsspiele auffällig unauffällig auf. Ein Umstand, der van Gaal seine Entscheidung vermutlich erleichterte.

Gleiche Situation auch auf rechter Seite

Schlechte Karten also für Timoschtschuk, dem am vergangenen Wochenende in der ersten Runde des DFB-Pokals über 90 Minuten nur eine Zuschauerrolle blieb. Zwar könnte der 30-Jährige alternativ auch im rechten Mittelfeld zum Einsatz kommen, doch auch hier besitzt er mit Hamit Altintop und Bastian Schweinsteiger starke Konkurrenz. Zudem würde er damit seiner strategischen Fähigkeiten beraubt, die sich in der Mittelfeldzentrale besser entfalten können. Denn ein Sprinter für die Außenbahn ist Timoschtschuk eher nicht. Momentan sieht es so aus, als sollte sich seine sportliche Situation so schnell nicht ändern, wie van Gaal nach dem Pokalmatch im TV-Studio von Sky andeutete:

Binde von Idol Matthäus

„In unserem System kann er nicht auf seiner besten Position spielen, da spielt van Bommel. Er kann auch auf der rechten Seite spielen, doch da habe ich Altintop gewählt. Jeder Spieler wird mit seinen Mitspielern verglichen.“ Und diesen Vergleich hat der Neuzugang offenbar erstmal verloren. Dabei war noch bei der Verpflichtung von Timoschtschuk geunkt worden, dass sie zur Degradierung von van Bommel führen könnte. Dazu passte, dass der Verein dem Niederländer nur eine einjährige Vertragsverlängerung anbot, die er erst verzögert und zähneknirschend akzeptierte. Doch wer das stets kämpferische Idol des zweikampfstarken Timoschtschuk kennt, ahnt, dass auch er nicht aufgeben wird: Bayern-Ikone Lothar Matthäus, dessen schwarz-rot-goldene Original-Kapitänsbinde er einst geschenkt bekam und lange Zeit auf dem Spielfeld trug.

Kein Glamourkicker

Als bekannt wurde, dass Timoschtschuk in Begleitung von Koch, Masseurin und Pressesprecher nach München anreiste, war dies ein gefundenes Fressen für den Boulevard, der die Frage nach Starallüren stellte. Doch Vergleiche zwischen ihm und seiner Gattin mit Glamourpaar David und Victoria Beckham wies „Timo“ als „Blödsinn“ entschieden zurück. In der Tat passt sein zurückhaltendes Auftreten während der ersten Wochen in München nicht zu diesem Vergleich. Ob allerdings Timoschtschuks Zurückhaltung bestehen bleibt, falls sein Platz auf der Reservebank von Dauer sein sollte, ist wiederum eine andere Frage...

Eure Meinung: Wird sich Anatoli Timoschtschuk beim FC Bayern durchsetzen?



 
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