Zeugnis: Die Saison von Bayern München
Die Saison ist Geschichte. Die Spielzeit 2008/09 ist abgepfiffen. Bevor jetzt die Mannschaften in ihre wohlverdienten Sommerferien gehen, hat sich die Redaktion zusammengesetzt: Klassenkonferenz! Welcher Club schafft die Versetzung, wer bleibt sitzen? Das große Goal.com-Zeugnis verrät Stärken und Schwächen aller Teams und hat die Leistungen der Beteiligten entsprechend benotet – von sehr gut bis ungenügend.
Von Elmar NEVELING
München. Die Spielzeit 2008/09, sie war eine turbulente für den deutschen Rekordmeister: Ob die Ära Jürgen Klinsmann, die endete, bevor sie richtig begann. Oder das 34 Spieltage andauernde (vergebliche) Bemühen, die Tabellenführung zu erobern. Oder die „gefühlte 0:10-Packung“ (tatsächlich „nur“ 0:4), die sich der FC Bayern beim späteren Champions League - Sieger FC Barcelona abholte. Im Schlussspurt der Saison gelang dem Team, in dem außer Franck Ribéry niemand zu glänzen vermochte, zumindest noch das Erreichen der Königsklasse.
ABWEHR – Note: mangelhaft (5)
Mit 42 Gegentoren kassierte der FC Bayern exakt doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Ein Grund: Jürgen Klinsmann ließ seine Mannschaft munter stürmen, es gelang ihm jedoch nicht, ihr Struktur in der Defensive zu vermitteln. Oliver Kahn fehlte nicht nur als herausragender Keeper, sondern vielmehr als Persönlichkeit, der seine Mitspieler dirigiert. Die rechte Außenbahn mit Christian Lell und Massimo Oddo genügte keinen höheren Ansprüchen, Martin Demichelis stand diese Saison völlig neben sich.
MITTELFELD – Note: noch befriedigend (3-)
Zauberfuß Franck Ribéry, na klar. Und sonst? Während der Franzose erneut vor Kreativität sprühte, blieben seine Mitspieler einiges schuldig. Bastian Schweinsteiger spielte in der Hinrunde noch stark auf, fiel aber nach seiner Vertragsverlängerung ebenso stark ab. Mark van Bommel wurde durch seine Bank-Degradierung zu Saisonbeginn geschwächt, dafür sorgte Zé Roberto wiederholt für Spielkultur. Sein Abgang ist ein Verlust für die Bayern. Hamit Altintop fiel fast die gesamte Saison aus, Tim Borowski konnte sich nie durchsetzen. Fazit: Ribéry alleine kann’s nicht schaffen.
STURM – Note: noch befriedigend (3-)
Vom Torschützenkönig zum Chancentod: Im Vergleich zu seiner Premierensaison im Bayern-Trikot büßte Luca Toni mächtig an Torgefahr ein. 14 Tore sind nicht schlecht, für seine Qualität aber zu wenig. Lukas Podolski blühte erst unter Jupp Heynckes auf, der insbesondere in der Champions League treffsichere Miroslav Klose fehlte verletzungsbedingt ausgerechnet in der heißen Saisonphase. Als auch Podolski ausfiel, zeigte sich: Drei Topstürmer sind einfach zu wenig.
TRAINER & MANAGEMENT – Note: mangelhaft (5)
Der Anspruch von Jürgen Klinsmann, „jeden Spieler jeden Tag besser zu mache“, ist ihm oft genug um die Ohren gehauen worden. Gleichwohl: Das Vorhaben misslang. Sein Projekt klang großartig und visionär, das Leistungszentrum sucht seinesgleichen. Doch das Tagesgeschäft entglitt. Uli Hoeneß ist unbestritten einer der besten seines Fachs, doch für seinen Mut beim vielzitierten „Projekt Klinsmann“ wurde „Mister FC Bayern“ nicht belohnt.
SAISON – Note: ausreichend (4)
Mit einer derart hochkarätig besetzten Mannschaft titellos zu bleiben, ist eine Enttäuschung. In der Liga fehlte es an Konzentration, im Pokal setzte es eine herbe 2:4-Packung gegen Leverkusen und in der Königsklasse erwies sich der FC Barcelona als zwei bis drei Nummern zu groß. Offenbar waren die Spieler nach dem Double-Gewinn von 2008 zu satt, zudem fehlte mit Oliver Kahn der Leitwolf. Mit der direkten Champions League - Qualifikation konnte wenigstens das Mindestziel noch gesichert werde.
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